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Ident. Nr.: IV Ca 41693

ObjID: obj:103399

Details (expert)

Creator/Entity
Walter Lehmann (16.9.1878 - 2.7.1939),
Sammler*in
Date(s)
1000 - 1550
Geographical references
San José,
Provinz
Material / Technique
Stein
Dimensions
Objektmaß: 13,5 x 8,5 x 11,6 cm

Object Description

Kleine, anthropomorphe Steinskulptur. Die sitzende Figur zieht beide Beine an den Körper. Ihre Ober- und Unterschenkel werden durch eine gravierte Linie voneinander getrennt. Die nackte Gestalt verschränkt beide Arme über den Knien. Ihre rechte Hand scheint ein zylindrisches Objekt zu halten, das die dargestellte Person an den Mund führt. Die Skulptur besitzt einen übergroßen Kopf. Sie trägt eine runde Kappe, die mit gravierten Kreuzschraffuren verziert ist. Rückgrat, Armansätze und Finger werden durch eingetiefte Linien markiert. Die Basis des leicht beschädigten Objekts ist abgeflacht. An den Füßen befinden sich Bruchstellen und Abschürfungen.

Die inventarisierte Figur besitzt trotz der standartisierten Pose individuelle Züge. Haberland (1973a: 53, Abb.11) bildet zwei ähnliche Skulpturen ab, die zur Sammlung Wiß gehören. Soziale Bedeutung: Hartman dokumentierte an den Fundorten Los Limones und Orosí (beide Zentrales Hochland) sitzende, anthropomorphe Figuren, die sich als Beigaben in Steinkistengräbern befanden (1901: 135, 159, 182, Pl. 43(9), Pl. 53(6), Pl. 57(2)). Symbolische Bedeutung: die sitzende Position der Skulptur scheint auf eine Person mit großem Sozialprestige hinzuweisen. Die Gestalt wird in der Regel als Schamane (sukia) interpretiert, der sich in einem tranceähnlichen Zustand befindet (Mason 1945: 264; Snarskis 1981: 216, Fig. 219). Das an den Mund gehaltene Objekt kann eine Speise, ein Rohr, eine Flöte oder eine Tabakrolle darstellen, die für eine Heilzeremonie verwendet wurde (Ferrero 1975: 316f.; 1977: 201; Mason 1945: 264). Die Schamanen der bribrí und cabécar behandelten im frühen 20. Jahrhundert Krankheiten durch das Beblasen von Orakelsteinen (García und Jaén 1996). Der Vorgang sollte die negativen Wirkungen der angehauchten Objekte ausgleichen. Er wurde als heilig, heilend und reinigend empfunden (Aguilar 1996; Bozzoli de Wille 1979).

Kulturelle Bedeutung: die anthropomorphen Steinfiguren des Zentralen Hochlands und der Atlantischen Abdachung von Costa Rica unterscheiden sich durch ihre realistische Gestaltung und plastische Formgebung von den meisten anthropomorphen Skulpturen, die aus den Regionen Gran Nicoya und Gran Chiriquí stammen. Die Objekte besitzen keinen Standzapfen und können bis zu 1,60m hoch sein (vgl. Snarskis 1981: 211, Fig. 193). Während die Figuren der Periode VI (1550-1000d.C.) oft individualisierte Charaktere verkörpern, stellen die Skulpturen der Periode V (1000-500d.C.) wenig differenzierte Typen dar. Mason (1945: 256-69) unterscheidet für die Periode VI große, stehende Skulpturen von kleinen, sitzenden Figuren, die ihre Beine anziehen. Die Gestalten der zweiten Gruppe können beide Arme auf den Knien verschränken oder ein zylindrisches Objekt an den Mund halten. Stone (1977: 179, Fig. 240) stellt zwei ungewöhnliche Figuren vor, die Rücken an Rücken sitzen. Obwohl der Topos mehrheitlich der Periode VI (1550-1000d.C.) zugeschrieben wird, scheinen beide Themen in rudimentärer Form bereits in der Periode V (1000-500d.C.) aufzutreten (vgl. Mason 1945: Pl. 44(E)). Die Haltung der Steinfiguren korrespondiert mit den anthropomorphen Tonfiguren der Carbonera-Gruppe (500-1d.C.), die von der Halbinsel Osa (Subregion Diquís) stammen (vgl. Baudez 1972: 141, Fig. 114; Snarskis 1981: 218: Fig. 230).
(Künne 2005)

Last updated: 24.10.2026

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Institution:

Ethnologisches Museum

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