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Koptisches Kalkstein-Ostrakon, Streitgespräch des Kirchenvaters Kyrill

Ident. Nr.: P 14763

ObjID: obj:607301

Details (Expert)

Beteiligte
Carl Schmidt (1868 - 1938),
Käufer*in
Datierung
Historische Datierung: Byzantinische (Koptische) Zeit (Ägypten)
Genauer: 7. Jh.
Abweichende Datierung: 5. Jh.
Weitere Titel
Koptisches Kalkstein-Ostrakon, Streitgespräch des Kirchenvaters Kyrill
Übersetzung: Coptic ostracon with a dispute of the church father Kyrill
Geografische Bezüge
Abmessungen
Höhe x Breite: 32 x 19 cm

Objektbeschreibung

Das Streitgespräch des koptischen Kirchenvaters Kyrill mit heidnischen Philosophen ist auf einer großen Kalksteinscherbe niedergeschrieben. Das Ostrakon aus Theben ist beidseitig beschriftet ( 44 und 56 Zeilen) und datiert in das 7. Jahrhundert.
Es handelt sich um eine Legende aus der Jugend des berühmten Patriarchen von Alexandria (412-444). Der vierzehnjährige Kyrill streitet mit Dionysios, dem Sohn des Präfekten Ulpianos, über die Realität des griechischen Gottes Zeus. Beide können sich nicht einigen und bitten den Philosophen Philosophron zu entscheiden. Dieser versammelt Christen und heidnische Philosophen im Hörsaal der Universität von Alexandria zur öffentlichen Auseinandersetzung. Über die Diskussion am zweiten Tag heißt es: ». ..Dionysios behauptete: >ApolIon ist erhaben in seinen Werken.< Kyrill erwiderte: >Vorerst ist Zeus beschämt- Nun behauptest du, Apollon ist rein, obwohl er doch ein Wüstling ist.< Da sagte der Philosoph Philosophron zu Kyrill: >Es schickt sich nicht, über den herzufallen, der nicht anwesend ist.< Kyrill antwortete: >So kann er kein Gott sein, weil er nicht bei denen ist, die über ihn streiten. Unser Gott ist
immer mit uns.< Philosophron bereute den Satz, den er gesagt hatte, und schämte sich vor denen, die ihn gehört hatten. ..«
Der Streit endet am dritten Tag mit dem Sieg Kyrills, der die Anwesenden von der alleinigen Existenz des christlichen Gottes als Erschaffer der Welt und Herr des Himmels überzeugen konnte. Erst etwa 200 Jahre später, lange nach Kyrills Tod, auf der Vorder- und Rückseite einer großen Kalksteinscherbe (Ostrakon) in Theben geschrieben, wird hier vermutlich kein wirkliches Ereignis aus dem Leben Kyrills berichtet.
Die Erzählung sollte wohl schon die frühen Jahre des streitbaren Theologen verherrlichen, der die ägyptische Kirche zu einer einmaligen Machtstellung in der christlichen Oikumene des Orients geführt hatte. Geschrieben ist die Erzählung in Koptisch, der letzten Sprachstufe des Ägyptischen, mit griechischen Buchstaben und sieben zusätzlichen Zeichen aus dem Demotischen. Im 2. Jh. n. Chr. entstanden,
wurde das Koptische in seinen verschiedenen Dialekten wesentlich geprägt durch das frühe Christentum und erst nach Jahrhunderten als Umgangssprache allmählich durch das Arabische verdrängt. Es blieb jedoch bis heute Kirchensprache in Ägypten.
I. Müller

Letzte Aktualisierung: 04.08.2026

Kontakt

Einrichtung:

Ägyptisches Museum und Papyrussammlung

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Büste der Göttin Isis auf rundem Sockel

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Auf einem runden, nach oben verjüngten Sockel liegt eine Kugel, auf der die Büste der Göttin Isis in ihrer hellenistischen Ikonographie steht. Sie ist in einem attischen Chiton und darüber einer Knotenpalla gekleidet, wobei die Palla nach oben gezogen wurde, um den Kopf zu bedecken. Auf dem Kopf trägt Isis über der Palla einen Kopfschmuck, der aus Kuhhörnern, zwei Getreideähren, zwei Straußenfedern und einem Granatapfel besteht. Die Augen wurden mit kleinen Goldplatten aufgelegt. Zwei Vertiefungen auf den Goldplatten fungieren als die Pupillen der Göttin.Um die ägyptischen Gottheiten besser in der hellenistischen Weltanschauung integrieren zu können, fand bereits vor der Eroberung Alexanders des Großen die Angleichung ägyptischer Gottheiten mit den hellenistischen statt. So wurde Isis zum Beispiel häufig mit Demeter, Io oder Aphrodite gleichgesetzt. Die vielfachen Bedeutungen und Eigenschaften der ägyptischen Isis machte sie jedoch zu einer allumfassenden Göttin, die mit allen Göttinnen identisch war. Als Pendant zu dem neu kreierten ägyptisch-hellenistischen All- und Dynastiegott Serapis bekam Isis ebenfalls eine hellenistische Darstellungsform. Die vielfältigen Kronenvarianten und Attribute der Isis, analog zu den zahlreichen Verbindungsmöglichkeiten mit anderen Göttinnen, dienen dabei als Modifikations- und Verstärkungselemente sowie der Einbindung in kultische und mythische Zusammenhänge.So kennzeichnen die Kuhhörner der Berliner Isis-Büste, die zusammen mit den hohen Straußenfedern die Verbindung mit der ägyptischen Göttin Hathor verdeutlichen, genauso wie zur hellenistischen Io. Die Ähren und der Granatapfel stehen zudem für den Zusammenhang der Isis mit Demeter und Kore-Persephone. In dieser Gestalt der Isis tritt der Natur- und Fruchtbarkeitsaspekt deutlich in den Vordergrund.Des Weiteren wies der Bereich Palästina schon in pharaonischer Zeit enge Kontakte mit Ägypten auf. Hinzu kommt, dass sich die Isis-Kulte in der griechisch-römischen Zeit weit über die Grenzen Ägyptens hinaus über den gesamten Mittelmeerraum verbreiteten. Daher ist es nicht verwunderlich, im Land Israel solch eine Isis-Büste finden zu können.(I. Liao)