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Die Geburt Christi

Ident. Nr.: 1622A

ObjID: obj:869236

Details (Expert)

Beteiligte
Ausführung: Hugo van der Goes (um 1440 - 1482/83),
Maler*in
Datierung
Ausführung: um 1480
Systematik/Art
Weitere Titel
Die Geburt Christi
Übersetzung: The Nativity
Die Anbetung der Hirten
Geografische Bezüge
Herstellungsort: Niederlande,
Land
Material / Technik
Eichenholz
Abmessungen
Bildmaß: 99,9 x 248,6 cm
Erwerbung
1903 Ankauf aus der Sammlung Infantin Christina de Bourbon, Madrid

Objektbeschreibung

Das Gemälde, das aus der letzten Schaffenszeit des Künstlers stammt, dürfte um 1480 entstanden sein. Zu jener Zeit hatte sich Hugo van der Goes als Laienbruder in das im Wald von Soignies bei Brüssel gelegene Rode Klooster zurückgezogen, wo auch sein Stiefbruder Nikolaus als Mönch lebte. Seelische Depressionen, die den Künstler heimsuchten, hatten ihn bewogen, der Welt zu entsagen und sich dem strengen klösterlichen Leben zu unterwerfen. Aus der zwischen 1509 und 1513 verfaßten Chronik des Klosters wissen wir, daß der Prior ein kunstverständiger Mann war, der dem Maler mancherlei Vergünstigungen gewährte. Wir erfahren von Reisen nach Löwen und Köln sowie von Besuchen hochgestellter Persönlichkeiten, unter denen sich auch Erzherzog Maximilian, der spätere Kaiser Maximilian I., befand. Seine letzten Lebensjahre verbrachte der Künstler in steter Sorge, seinen Aufträgen, die ihn auch in der Abgeschiedenheit des Klosters erreichten, nicht mehr nachkommen zu können. Die Anbetung der Hirten ist wegen ihres ungewöhnlichen Formats verschiedentlich als Predella, das heißt als Unterbau eines Flügelaltares, angesehen worden, was jedoch aus verschiedenen Gründen nicht in Frage kommt. Auffallend sind zunächst die Unterschiede hinsichtlich der Anbetung der Könige aus Monforte. So machen sich in der Zeichnung, in Modellierung und Kolorit völlig neue Tendenzen bemerkbar. Die Farbe hat einen vergleichsweise matten Charakter, wobei es zugleich zu einer großzügigen Zusammenfassung der Linien in den Gewandfalten und Umrissen der Bildfiguren kommt. Es kann durchaus von einer Dynamisierung der Form gesprochen werden. Engel sind um Maria und das in der Krippe liegende Kind versammelt. Neugierig und freudig erregt eilen von links die Hirten herbei, die angesichts des sich vor ihren Augen vollziehenden Wunders niederknien oder in merkwürdigen Gebärden des Erstaunens mitten im Lauf erstarrt scheinen. Treffend sind auch Einzelheiten beobachtet, etwa der vom anstrengenden Lauf halb geöffnete Mund des Hirten. Rechts und links wird die Darstellung durch zwei Halbfiguren gerahmt, die sich durch ihre auffallende Größe sehr deutlich von den wesentlich kleineren Figuren der eigentlichen Anbetungsszene abheben. In ihnen hat man Propheten erkannt, die den das heilsgeschichtliche Ereignis der Geburt Christi verhüllenden Vorhang geöffnet haben und nun zur Seite getreten sind. Als Verkünder der menschgewordenen Erscheinung Gottes vermitteln sie dem Betrachter die tiefe Bedeutung des Ereignisses. Obgleich das Thema der Propheten, die die Wahrheit des Neuen Testaments durch ihre Prophezeihungen enthüllt haben, dem Mittelalter vertraut war, stellt die bildliche Wiedergabe durch van der Goes etwas Neues dar. Es ist nicht auszuschließen, daß die populären liturgischen Weihnachtsspiele, die in unmittelbarer Nähe des Altares aufgeführt wurden und in denen auch Propheten auftraten, die die Inkarnation verkündeten, eine der wichtigsten Anregungen für van der Goes waren. Festzustellen bleibt jedoch, daß das theologisch Lehrhafte im Bild zum menschlich Ergreifenden, also zu einer dem gläubigen Betrachter unmittelbar gegenwärtigen Aussage gewendet wurde. Es fällt auf, daß der Vorhang, den die Propheten zur Seite ziehen, an einer plastisch gebildeten, parallel zur oberen Bildkante verlaufenden Stange gleich einem natürlichen Vorhang befestigt ist. Aufgrund von alten Inventaren, aber auch anhand der bildlichen Überlieferung wissen wir, daß derartige Vorhänge seit dem frühen Mittelalter bekannt gewesen sind und im 14. und 15. Jahrhundert zur gebräuchlichen Altarausstattung gehörten. Sie waren zu beiden Seiten des Altares an beweglichen Armen oder von Säulen getragenen Stangen befestigt. Ihre schmückende Funktion äußert sich in der Wahl unterschiedlicher Stoffe und Farben, wobei die Verwendung von grünem Tuch, wie es van der Goes in seinem Bild dargestellt hat, durch eine Notiz in den Inventaren der Brügger Gerberzunft von 1479 ausdrücklich bezeugt ist. Im wesentlichen hatten die Vorhänge jedoch die Aufgabe, den zelebrierenden Priester gegen Störungen durch die um den Altar versammelten Menschen abzuschirmen und zugleich die feierliche Würde des Meßopfers zu betonen. Berthold von Chiemsee hat 1535 diese besondere Aufgabe und die Rolle des Priesters eindringlich beschrieben: »Der Priester sol am altar nit umbschawen; denn wer sin hand an den pflueg legt und schawet hinder sich, der ist untichtig zum reich gotes. Deshalb sein gemainigklich an beden seytten zwei fürhang, dabey zu versteen, daß der altar ist der inwendig allerheiligst tabernakel hindern fürhang.« Der sakramentale Bezug der Darstellung wird auch durch das vor der Krippe liegende Ährenbündel unterstrichen. Es verbindet sich damit der symbolische Hinweis auf die Worte Christi: »Ich bin das Brot, das vom Himmel gekommen ist« (Johannes 6, 41). Die Kirche verstand diese Worte sowohl im Hinblick auf die Inkarnation als auch auf das Sakrament des Abendmahls. Die Parallele zwischen dem Kind in der Krippe und dem Brot auf dem Altar ist deshalb einer der zentralen Gedanken. Hugo van der Goes hat demnach nicht nur das einmalige Ereignis der Geburt Christi und der Anbetung durch die Hirten geschildert, sondern darüber hinaus auch auf den bevor - stehenden Opfertod Christi und dessen beständige Erneuerung in Messe und Kommunion hinweisen wollen. Mit der vielschichtigen Symbolik des Bildes verbindet sich eine eindringliche Gestaltung der symmetrisch angelegten und dennoch so dynamischen Komposition. In der zeitlosen Unmittelbarkeit von Inhalt und Aussage offenbart sich die außerordentliche künstlerische Leistung von Hugo van der Goes. Rainald Grosshans | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei – Gemäldegalerie Berlin, 2019
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This painting, which dates from this artist’s final creative period, was probably produced around 1480. At that time, Hugo van der Goes had withdrawn as a lay brother to Rode Klooster, set in the Sonian Forest near Brussels, where his step-brother Nikolaus also lived as a monk. The episodes of depression that tormented the artist impelled him to renounce the world and subject himself to the strict regimen of monastic life. From the chronicle of this monastery, composed between 1509 and 1513, we learn that the prior was a man with a genuine appreciation of art who therefore granted the painter privileges from time to time. We learn of trips to Leuven and Cologne, as well as visits from highly-placed personalities, among them the Archduke Maximilian, later the Emperor Maximilian I. Van der Goes spent the final years of his life in constant worry over his inability to fulfil the commissions that continued to reach him in the seclusion of the monastery.

By virtue of its unconventional format, the Adoration of the Shepherds has often been regarded as a predella, which is to say the substructure of a winged altarpiece, which, however, must be excluded for various reasons. Striking to begin with are the differences between this work and the Adoration of the Magi from Monforte. Noticeable with regard to the draftsmanship, modelling, and colour scheme
are entirely new tendencies. The colours have a comparatively matte character, and there is a spacious, summary quality to the lines of the drapery folds and the contours of the figures. With justice, one could speak of a dynamisation of the forms. Angels have gathered around the Virgin and the Christ child, who lies in the manger. Energized by curiosity and joy, the shepherds either come running from the left in order to kneel before the miracle that transpires before them, or instead appear frozen in midstride in remarkable gestures of astonishment. Individual details are observed felicitously as well, for example the shepherd whose mouth is half-opened from the exertion of running. The scene is framed on the right and left by a pair of half-figures, both of them contrasting markedly with the far smaller figures of the actual Adoration scene by virtue of their conspicuous sizes. They have been
identified as prophets, who have opened the concealing curtain to reveal the salvific and historic event of Christ’s birth, and have now retreated to the sides. As heralds of the incarnate manifestation of God, they convey the profound meaning of this event to the beholder. Although the theme of the prophets who reveal the truth of the New Testament through their auguries was familiar during the Middle Ages, their pictorial expression by van der Goes represents something genuinely new. The possibility cannot be excluded that the popular liturgical Christmas plays which were enacted in the immediate proximity of the altar, and in which the prophets appeared as heralds of the Incarnation, may have represented a decisive stimulus for van der Goes. It remains to be determined however, whether the theological message contained in this image was successfully translated here into a form that would have been readily graspable, directly accessible to believing viewers.

Strikingly, this curtain, which the prophets pull to the sides, is fixed to a sculpturally formed rod that runs parallel to the upper edge of the picture, just like a real curtain’s rod. Through old inventories, but also by referring to surviving images, we know that such curtains were familiar beginning in the early Middle Ages, and belonged to customary altar equipment in the 14th and 15th centuries. They were fixed on the other side of the altarpiece to mobile arms or to rods supported by columns. Their decorative function was expressed in the choice of various fabrics and colours, and the use of green cloth of the kind used here by van der Goes is explicitly documented in an annotation in the inventory of the Bruges tanners’ guild dating from 1479. Essentially, such curtains served to screen the officiating priest off from disturbances by those gathered around the altar, and at the same time
to emphasise the solemn dignity of the sacrifice of the mass. In 1535, Berthold of Chiemsee emphatically described this special task and the role of the priest: “The priest on the altar should not look around; for whoever lays his hand on the plough and looks behind himself is unprepared for the kingdom of God. Therefore, there are commonly two curtains on both sides, so that it is understood that the altar is the interior and most sacred tabernacle behind the curtain.”

The sacramental meaning of the scene is also underscored by the sheaf of grain that lies before the manger. It can be understood as a symbolic reference to the words of Christ: “I am the bread that came down from heaven” (John 6:41). The church understood these words both with reference to the Incarnation as well as to the sacrament of the Eucharist. The parallel between the child in the manger and the bread on the altar therefore represents a central idea. Accordingly, Hugo van der Goes has depicted not just the singular event of the Birth of Christ and the Adoration of the Shepherds, but has also sought to invoke Christ’s future self-sacrifice and his continual regeneration through the mass and communion.

Combined with the intricate symbolism of image is the powerful organization of this symmetrically configured yet highly dynamic composition. Revealed in the timeless immediacy of content and expression is the extraordinary artistic achievement of Hugo van der Goes. Rainald Grosshans | 200 Masterpieces of European Painting – Gemäldegalerie Berlin, 2019

Letzte Aktualisierung: 12.02.2026

Kontakt

Einrichtung:

Gemäldegalerie

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Stillleben mit toten Vögeln

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Auf einer vom Bildrand angeschnittenen Tischplatte sind mehrere tote Vögel arrangiert: Ein Rebhuhn liegt kopfüber auf einem Holzeimer mit Bügel im Hintergrund, die Krallen nach links ausgestreckt. Bei dem auf einen Zweig gespießten Vogel in der Mitte handelt es sich vermutlich um eine Drosselart. Es war üblich, Drosseln mit leimbestrichenen Zweigen zu fangen. Links vorne liegt ein großer Buntspecht, rechts daneben ein Wiedehopf. Als Autor des kleinen ovalen Gemäldes vermutete man früher den Leidener Maler und Zeichner Philips Angel, den Verfasser des bedeutenden Traktats „Het Lof der Schilderkonst“ („Lob der Malerei“). Tatsächlich stammt das Berliner Bild jedoch von der Hand seines Großcousins, des gleichnamigen Middelburger Stilllebenspezialisten und Radierers.| Britta BodeSIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. unten: P Angel 1650_______________________________________________________________________________________________________________________________________On a table, cut into by the edge of the painting, several dead birds are arranged in different poses. A partridge lies upside-down on a wooden basket with a hanger in the background, claws stretched out to the left. Corresponding with the capturing technique of the time, the thrush is skewered up with a glue covered twig. In the front, left, lies a woodpecker, right next to it a Eurasian hoopoe. This hand-palm sized oval has been formerly attributed as one of the lesser known works of Leidener painter and draughtsman Philips Angel. Angel was the author of the important treatise „Het Lof der Schilderkonst“ („Praise to art”). The Berlin painting, however, has been attributed to his great-cousin, a Middelburg still-life specialist and etcher by the same name.| Britta Bode

Ruhe auf der Flucht nach Ägypten

Ruhe auf der Flucht nach Ägypten

An einem rasenbedeckten Hang ruht die Heilige Familie. Maria sitzt am Rain eines rechts vorbeiführenden Weges, das Kind in ihrem Schoß. Dahinter steht Joseph, den Hut in der Hand, und stützt sich auf seinen Stab. Drei prächtig gekleidete Engel in der Mitte singen und flöten. Einer der fünf nackten Engelputten hört ihnen zu, ein anderer schläft, den Kopf auf einem bemoosten Klotz hinten bei der Quelle. Dort schöpft ein anderer Wasser in eine seitlich geöffnete Pilgerflasche. Ein Engel bringt dem Christkind blühende und fruchttragende Erdbeerstauden, ein anderer einen flatternden Vogel, einen Papagei. Vielerlei Pflanzen, darunter Himmelsschlüssel, Distel, Akelei und Erdrauch, geben dem Ort den Anschein eines blühenden Gartens. Die Szene wird nach hinten abgeschlossen durch den aufsteigenden Hang links, auf dem um die frische Fichte herum grüne und dürre Bäume stehen, durch die altersgraue Tanne in der Mitte und durch die Birke rechts im Bild. Im Hintergrund erblickt man Berge und Gebirgszüge. Die Darstellung des Geschehens ist ungewöhnlich und mit zahlreichen legendären und symbolischen Anspielungen durchflochten. Der blühende Garten im Vordergrund, von der Bergwelt hinten abgeschlossen, ist als ein Platz der Freude und des Geborgenseins zu verstehen. Mehrere Pflanzen findet man da, die auf Maria und Christus oder auf mit ihnen verbundene Ereignisse anspielen. Die Erdbeere gilt als eine Frucht des Paradieses. Die Akelei wie auch der Himmelsschlüssel sind Pflanzen, die sinnbildhaft auf Maria und Christus und auf die Passion hindeuten. Auch die Distel, als eine dornentragende Pflanze, erinnert an die Dornenkrone und das Leiden Christi. So mischt sich in das Bild der Freude auch der Hinweis auf die kommende Leidenszeit. Die Quelle, die aus dem Hang sprudelt, entsprang nach der Legende auf ein Wort des Christuskindes, um die ermüdeten Reisenden zu erquicken. Sie verwandelte zugleich den wüsten Platz in einen Garten. Auch die musizierenden und spielenden Engel gehören in diesen Zusammenhang. Durch die symbolische Ausdeutung der Umgebung und die Erscheinung der Engel wächst dem Ort die Qualität eines Paradiesgartens zu. Der Ort der Ruhe auf der Flucht ist zugleich ein Ort himmlischer Freuden. Graphische Vorlagen Dürers wie die Heilige Familie mit den Hasen von 1496/97 haben anscheinend die Bildgestalt Cranachs mit bestimmt. Einige Motive der Darstellung sind dort vorgebildet. Cranach hat später, 1509, die Komposition in Holzschnitten noch einmal verarbeitet. Eine ziemlich getreue Kopie des Gemäldes wird in Wien verwahrt. Ihre Existenz deutet darauf hin, daß unser Gemälde von Cranach noch vor seiner Abreise aus Wien gemalt wurde. Das Gemälde ist das erste von Cranach signierte und datierte Werk. Die Rekonstruktion und Sicherung der Malerei Cranachs vor seiner Wittenberger Zeit wäre ohne die Kenntnis dieses Bildes kaum möglich gewesen. Lange Zeit war es nur durch Beschreibungen, aber kaum durch Anschauung bekannt. 1892 wurde es auf einer Ausstellung in München erstmals gezeigt. Dieses Ereignis bestimmte die Forschung über Cranachs Frühzeit wesentlich mit. Das Gemälde ist eines der frischesten und künstlerisch bedeutendsten Werke Cranachs überhaupt. Wilhelm H. Köhler | 200 Meisterwerke der europäischen Malerei – Gemäldegalerie Berlin, 2019SIGNATUR / INSCHRIFT: am unteren Rand: Monogramm LC (auf einem Zettel) und Datum 1504___________________________________________________________________________________________The Holy Family is resting on a grassy slope. Mary sits on the edge of a path on the right, the child in her lap. Joseph stands behind her holding his hat in his hand and leaning on his staff. Three sumptuously dressed angels stand in the middle singing and playing flutes. One of the five naked angel cherubs is listening to them, another is asleep resting its head on the mossy hill behind, near the spring. There, a third cherub is drawing water into a pilgrim’s flask with an opening at the side. An angel brings the Christ child strawberry plants in flower and in fruit; another brings a bird flapping its wings, a parrot. The many varieties of plants, among them cowslips, thistles, columbine and fumitory, give the place the appearance of a flowering garden. The scene is enclosed from behind by the hillside rising on the left on which both green and dead trees stand around the young spruce, by the aging grey fir tree in the middle and by the birch on the right. Mountains can be seen in the background.The depiction of the scene is unusual because of the numerous legendary and symbolic allusions that are woven in. The flowering garden in the foreground, enclosed by the mountains in the background, can be interpreted as a place of joy and as a sanctuary. Several of the plants are allusions to Mary and Christ or to events connected with them. The strawberry is considered to be a fruit of paradise, while the columbine and the cowslip stand for Mary and Christ and refer to the Passion. The thistle, too, as a thorny plant recalls the crown of thorns and the suffering of Christ. Thus, the joyous scene is marred by allusions to the suffering to come. According to legend, the spring began bubbling out of the hillside at the Christ child’s bidding in order to quench the thirst of weary travellers. At the same time, it transformed the barren place into a garden to which the playing and music-making angels also belong. The symbolic interpretation of the surroundings and the appearance of the angels lends the place the quality of a garden of paradise. The resting place during the flight is simultaneously a scene of heavenly joy.Dürer’s graphic models for the painting, such as the Holy Family with the Rabbits from 1496/97, apparently also had an influence on Cranach’s composition. Some of the motifs are already present there. Later, in 1509, Cranach reworked the composition in woodcuts. A copy of the painting that is highly faithful to the original is preserved in Vienna. Its existence suggests that the Cranach in question here was painted before the artist left Vienna.This is the first work to be signed and dated by Cranach. Without knowledge of this painting, it would have been well-nigh impossible to reconstruct and reliably attribute Cranach’s pre-Wittenberg oeuvre. For a long time, it was known only through descriptions but without actually having been seen. It was shown for the first time at an exhibition in Munich in 1892. This event played a major role in subsequent research into Cranach’s early period. The painting is one of the freshest and artistically most significant works that Cranach ever produced. Wilhelm H. Köhler | 200 Masterpieces of European Painting – Gemäldegalerie Berlin, 2019

Friedrich der Große vor der Schlacht bei Torgau

Friedrich der Große vor der Schlacht bei Torgau

Im Jahre 1741 trat Rode in die Werkstatt des preußischen Hofmalers Pesne ein. Hier konnte er seine künstlerischen Fähigkeiten optimal erschließen. Sicher auch auf dessen Anregung hin begab sich Rode um 1749 auf eine mehrjährige Studienreise nach Paris. Anfang der fünfziger Jahre weilte er gemeinsam mit dem Maler Adolf Friedrich Harper in Rom und Venedig. Hier hatten es ihm die glühenden Farben der Bilder von Tizian und Tintoretto angetan. Seit etwa 1753 lebte Rode wieder in Berlin. Die Erfahrungen der Studienreisen prägten sein künstlerisches Selbstverständnis. Mit nur unwesentlichen Modifikationen behielt er seinen Stil bis zum Lebensende bei. Seit 1770 wurde Rode in den Unterlagen der Berliner Kunstakademie als »Historien-Mahler« geführt. Mehrfach hatte er bereits erfolgreich für Friedrich den Großen gearbeitet. Dieser muss Rodes Stücke sehr geschätzt haben. So überrascht es nicht, dass er den Maler 1783 umgehend auf die vakante Akademiepräsidentenstelle berief. Mit der Reorganisation der Akademie unter ihrem Präsidenten Rode und dessen Stellvertreter Daniel Nikolaus Chodowiecki im Jahre 1786 ist auch dem neuen allgemeinen Interesse an vaterländischer Geschichte und ihrer Bewahrung in Artefakten entsprochen worden. Fortan unterstützte die Akademie zeitgemäße Kunst durch die Formulierung geeigneter Prämierungsgrundsätze. Sie sollte gewissermaßen »aus der uns allen sehr interessanten Brandenburgischen Geschichte« schöpfen, wie Chodowiecki im Mai 1786 in einem Vortrag äußerte. Einen Höhepunkt bedeuteten die von Christoph Friedrich Nicolai zwischen 1788 und 1792 veröffentlichten sechs Hefte: Anekdoten von König Friedrich II. von Preußen und von einigen Personen, die um ihn waren. Es handelt sich hierbei um eine geprüfte frühe Quellenliteratur. Diese Veröffentlichungen haben auch Rodes Ereignisbilder zur vaterländischen Geschichte maßgeblich bestimmt. Er war der erste Maler in Brandenburg-Preußen, der sich bemühte, Historiographie frei von barockem Pathos in weltliche Ereignisbilder umzusetzen. Damit hatte der Künstler sich weitgehend vom klassischen Historienbild gelöst, wo die Taten exponierter Personen in mythologische oder religiöse Handlungen eingebettet wurden.Ein Zeugnis dieser neuen Reflexionsweise ist unser Gemälde, für dessen thematische Rahmenhandlung ein Hauptgefecht des Siebenjährigen Krieges (1756-1763) gewählt wurde. Nachdenklich lehnt der König an einer Eiche, die als Kompositionsachse dient. Er behütet den Schlaf seines treuen Dieners, des Husarengenerals Hans Joachim von Zieten. Eine Soldatenfrau, glücklich über das in der Nähe befindliche Feuer, stellt einen Topf mit Kartoffeln in den provisorischen Herd, ohne die Herrschaften zu bemerken. Eifrig facht sie die Glut an, so dass Asche in des Königs Gesicht geblasen wird. Dieser aber lässt sie gnädig gewähren, während er sich mit seinem Mantel schützt. Die Figuren sind in ein gedachtes ungleichschenkliges Dreieck gespannt, wodurch eine geradezu klassische Statuarik entsteht. Eine schöne Landschaft umschließt die Gruppe. Sie ist das Resultat von Rodes vielfältigen Naturstudien im Harz, im märkischen Oderland sowie in Schlesien. Das Licht des Lagerfeuers hebt die Akteure der Haupthandlung hervor. Damit hatte sich Rode die Möglichkeit eröffnet, die Glut eines gedämpften Kolorits zu verwenden, wie er es während seiner venezianischen Studienzeit kennen- und schätzengelernt haben dürfte. Eine flüchtige Zeichnung zur Vorbereitung der Komposition von Rodes Hand wird im Berliner Kupferstichkabinett aufbewahrt. Das Gemälde wurde auf der Berliner Akademieausstellung des Jahres 1793 gezeigt. Es gehört zu einer locker gefügten Fridericiana, die zwischen 1786, respektive 1791, und 1795 entstand. Von den ursprünglich strenggenommen – acht Bildern sind nur vier erhalten. Erstaunlicherweise ist zu Lebzeiten des Malers keines von ihnen verkauft worden. Offenbar entsprachen die hier geschilderten Charaktereigenschaften des verblichenen Königs – Bescheidenheit, Furchtlosigkeit und Witz – sowie die Verwendung zeitgenössischer Kostüme nicht den Vorstellungen des Publikums, dem das zeitlos Erhabene vorzuschweben schien.| 200 Meisterwerke der europäischen Malerei - Gemäldegalerie Berlin, 2010SIGNATUR / INSCHRIFT: Bez. rechts unten am Stein: B. Rode / 1791._____________________________________________________________An anecdote relates that the king leant thoughtfully against an oak. He is watching over the sleep of his faithful servant, the Hussar General Zieten. A soldier’s wife is placing a pot of potatoes on the provisional hearth, without noticing the gentlemen. She is fanning the ashes so enthusiastically that ash is being blown in the king’s face. However, he graciously allows her to continue, while he protects himself with his cloak. The glow of the campfire highlights the protagonists. The painting was shown at the 1793 Berlin Academy exhibition (picture no. 2). It belongs to the so-called Fridericiana, a loose set of paintings by Rode created between 1786 and 1795, that were subsequently declared to be a series and depict important events of the biography of Frederick the Great (1712–1786). The Fridericiana ideologically follows the Brandenburgiana, a series of paintings by Rode created between 1757 and 1763 depicting events from Brandenburg-Prussian history.