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Aufsteigender. Den um ihre Freiheit kämpfenden Völkern gewidmet

Ident. Nr.: B III 207

ObjID: obj:966163

n/a

Details (Expert)

Beteiligte
Fritz Cremer (1906 - 1993),
Künstler*in
Datierung
Herstellung: 1964-1967
Systematik/Art
Weitere Titel
Sammlungstitel: Aufsteigender. Den um ihre Freiheit kämpfenden Völkern gewidmet
Übersetzung: The Rising Man
Übersetzung: Man Ascending
Geografische Bezüge
faktischer Entstehungsort: Berlin
Material / Technik
Bronze
Abmessungen
Höhe x Breite x Tiefe: 296 x 85 x 67 cm
Erwerbung
1981 Ankauf vom Künstler, Berlin (Ost), aus Mitteln des Kulturfonds der DDR

Objektbeschreibung

Die Figur des „Aufsteigenden“ beschäftigte Cremer über mehr als zehn Jahre. Eine kleinere Studie (B III 157) zeigt die Grundidee, nach der der Mann mit seinem ganzen Körper emporstrebt und dabei einen Arm weit nach oben ausstreckt. Der andere Arm bleibt angewinkelt, der Kopf gesenkt wie in großer Konzentration oder unter Anstrengung. Es ist ein Moment angehaltener Bewegung. Die monumentale Ausführung hat einen erweiterten Titel, der zugleich eine Lesart vorgibt: „Den um ihre Freiheit kämpfenden Völkern gewidmet“ (B III 207). Das Streben nach Freiheit ist das Streben himmelwärts. Das Werk lässt sich anhand der weltpolitischen Situation zur Zeit der Entstehung einordnen. Im Dezember 1960 hatte die Generalversammlung der Vereinten Nationen die Resolution 1514 (XV) verabschiedet, in der es heißt: „Alle Völker haben das Recht auf Selbstbestimmung; kraft dieses Rechts bestimmen sie frei ihren politischen Status und verfolgen frei ihre wirtschaftliche, soziale und kulturelle Entwicklung.“ Von 1960 bis 1969 wurden über 40 ehemalige Kolonien souverän; die angesprochene Freiheit in Cremers Titel passt zu dieser Entwicklung. 1973 wurden die Deutsche Demokratische Republik und die Bundesrepublik Deutschland in die Vereinten Nationen aufgenommen, und die DDR schenkte der Organisation aus diesem Anlass den ersten Guss des „Aufsteigenden“. Cremer verwendete die Figur des aufsteigenden Mannes erneut im Denkmalentwurf „50 Jahre Oktoberrevolution“ (B III 232). Zum 1. Mai 1972 hatte er einen Vertrag mit dem Kulturfonds der DDR abgeschlossen, für ein Honorar von 120.000 Mark plus Gusskosten fünf überlebensgroße Figuren zum „Aufsteigenden“ zu entwickeln (Akademie der Künste, Berlin, Fritz-Cremer-Archiv, Nr. 301). Sein gedanklicher Ausgangspunkt war, dass eine Figur je ein Jahrzehnt seit der Russischen Revolution von 1917 repräsentieren sollte (ebd.). Die unterste, also erste Figur liegt auf dem Boden, dann reckt sie sich, steigt in zwei Phasen langsam empor, bis die ausgestreckte rechte Hand des „Aufsteigenden“ in der fünften und obersten Figur den Höhepunkt erreicht. Jahre später erinnerte Cremer sich an eine negative Kritik des ostdeutschen Kunsthistorikers Peter Feist: Die Figur müsse „aufgestiegen“ sein, denn „Völker steigen objektiv auf“ (ebd.). Diese Notizen gewähren einen Einblick in die Rezeption der Kunst gemäß marxistisch-leninistischer Doktrin: Nach diesem positivistischen Weltbild ist die Entwicklung der Völker in einer bestimmten (sozialistischen, befreienden) Richtung quasi ein Naturgesetz. So gesehen müsste der Bildhauer den Erfolg des Aufstiegs und nicht den Kampf auf dem Weg zu diesem Ziel zeigen. Cremer wollte jedoch das Prozesshafte und die Entwicklung des Menschen zeigen und bei den Betrachtenden die Auseinandersetzung damit fördern. | Emily Joyce Evans

Letzte Aktualisierung: 28.08.2026

Kontakt

Einrichtung:

Neue Nationalgalerie

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Sitzender Akt am Fenster

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Sowohl das Bild „Sitzender Akt am Fenster“ (A IV 313) als auch „Selbstbildnis mit roter Kappe“ (A IV 421) besitzen Studiencharakter, sind aber vollwertige, signierte Bilder, welche die Nationalgalerie (Ost) beim Künstler erwarb. Das Motiv des Aktes kommt erst seit den 1960er-Jahren bei Niemeyer vor. Das „läßt die Vermutung aufkommen, der Künstler hätte seine Versuche in der Technik der Lichtwiedergabe auch und gerade am nackten Körper und im geschlossenen Raum für sich unter Beweis stellen wollen“. (Annie Bardon, in: Otto Niemeyer-Holstein, Malerei und Aquarelle, Ausst.-Kat. Rostock, 1995, S. 19) Es geht Niemeyer in dieser Bildreihe um Volumen und Formen, das Spiel der Farbe und, wie an dieser Figur vor lichtblauer Landschaft besonders deutlich wird, um atmosphärische Werte. Auch das Selbstbildnis ist mehr Farbereignis als Selbsterkundung. Das Gesicht ist wenig ausgeführt, wie auch auf vielen der Aktdarstellungen. Vielleicht können wir Skepsis erkennen. Diese auf koloristische Wirkung hin entstandenen Bildnisse sind nicht gefällig, keine Oberflächenschönheit ist angestrebt. Die Figuren sind aus übereinander gesetzten Mischtönen aufgebaut. Dennoch gibt es Haltungen und einen Handlungsraum: Der Akt sitzt im Lehnstuhl vor einer Fensterfront, der Maler steht mit seinem Malstock in dickem Mantel und der prägnanten hohen, roten Kappe in winterlicher Landschaft. Für beide Figuren gibt es Vorbilder in der Kunstgeschichte. | Angelika Wesenberg

Gudari

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Die abstrakte Eisenplastik „Gudari“ ist das einzige Werk des spanisch-baskischen Bildhauers Chillida in der Sammlung der Nationalgalerie. Das 3,5 Tonnen schwere Werk besteht aus einer Stele, aus der etwa in Augenhöhe drei Vierkantstreben seitlich herauskragen, die wie Tentakel oder Zangenköpfe als Winkel und Kurven ausgebildet sind. Charakteristisch für Chillidas Plastiken ist die Patina aus Rost, entstanden durch Oxidation im baskischen Regen. Die Formation wirkt mit sich selbst beschäftigt, zugleich konflikthaltig, wie in Balance gehalten. Sie beruht auf den typischen Prinzipien in Chillidas Schaffen, das fünf Jahrzehnte umspannt. Statik und Dynamik, Material und Raum treffen zusammen. Chillida, der 1943–1946 in Madrid Architektur studiert hatte, bevor er sich ganz der Kunst zuwandte, nannte sich selbst einen „Architekten der Leere“. Seine Werke streben nach allgemeingültigen Aussagen und sind offen für unterschiedliche Interpretationen. Allenfalls der Titel gibt einen Anhaltspunkt. So reflektiert das baskische „Gudari“ (dt. Krieger) 1979, im Jahr der Erwerbung, möglicherweise die „alte Rolle Berlins als Frontstadt des Kalten Krieges“ (Peter-Klaus Schuster, Eduardo Chillida, „Berlin“, 2001, S. 31). Über drei Jahrzehnte lang stand die Plastik an der Südostecke der Terrasse der Neuen Nationalgalerie. Chillidas Arbeiten zeichnen sich durch eine enge, oft ortsspezifische Verbundenheit mit der Musik, vor allem zu Johann Sebastian Bach, und mit der Natur aus. Passend dazu wurde „Gudari“ nach der Grundinstandsetzung 2021 in den Skulpturengarten umgesetzt. | Uta Caspary

Versammlung kurdischer Hirten vom Kolchos Lenin

Versammlung kurdischer Hirten vom Kolchos Lenin

Während seines Aufenthalts auf dem Baumwollkolchos „Lenin“, den Vogeler auf seiner Reise in den Südkaukasus im Sommer 1939 besuchte, fuhr er auch in das angrenzende Hochgebirge. Dort hielt er die baumlose grüne Berglandschaft und das Leben der kurdischen und armenischen Hirten in schriftlichen Aufzeichnungen und etlichen Bildern fest. Ein Ergebnis dieser Eindrücke ist das Gemälde „Versammlung kurdischer Hirten vom Kolchos Lenin“ (A III 288), das eine Gruppe von Hirtinnen und Hirten auf einem Bergplateau zeigt. Dem vorausgegangen waren die Studie „Versammlung kurdischer Hirten“ (A III 287) sowie eine Vielzahl an Zeichnungen und Aquarellen, die sich ebenso wie die Studien zu seinen anderen Reisen zum Teil im Kupferstichkabinett, Berlin, befinden. Auch das Gemälde „Armenische Hirten“ (A III 289) ist diesem Entstehungskontext zuzurechnen. Mit den genannten Werken gab Vogeler einen Einblick in das einfache, traditionsverbundene Leben der Hirten sowie der verschiedenen Bevölkerungsgruppen, die in dieser politisch so umkämpften Region aufeinandertrafen. Sie zeigen auch die Veränderungen auf, die mit der „Eingliederung“ in die Sowjetunion verbunden waren, die Dichotomie zwischen Alt und Neu, Tradition und Fortschritt, wie sie in dem 1940 entstandenen Gemälde „Sowjetgut Lissogorsk, Armenien“ (A III 290) zu erkennen ist. Während sich im Hintergrund jenes Bildes vor den beeindruckenden grünen Bergrücken des Nordkaukasus die modernen weißen Stallgebäude des Sowjetgutes erstrecken, sieht man im Vordergrund die traditonellen braunen Jurten der einheimischen Bevölkerung. | Maike Steinkamp

Liebespaar

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Die kleinplastische Aktdarstellung eines Mannes, der eine Frau bedrängt, wurde 1972 von der seit 1924 in Dresden existierenden Galerie „Kunstausstellung Kühl“ als eine undatierte Arbeit des Bildhauers Christoph Voll (1897–1939) erworben, der von 1911 bis 1924 in Dresden gelebt hatte. Diesem Umstand entsprechend wurde das Werk nach dem Ankauf mit der Angabe 1923/1924 publiziert (Realismus und Sachlichkeit. Aspekte deutscher Kunst 1919–1922, Berlin [Ost] 1974, S. 221, Kat.-Nr. 320). Stilistisch passt es aber eher zu den um 1937/1938 entstandenen späten Arbeiten. Die Verfasserin des Voll-Werkverzeichnisses äußerte 1994 Zweifel an der Urheberschaft des Bildhauers. Zwar entspreche die bewegte Szene mit den stämmigen Körpern durchaus dessen Darstellungsweise, doch gebe es auch deutliche Unterschiede: „Eine so dünne, glatte Sockelplatte zum Beispiel findet sich nirgends bei Voll […]. Ausschlaggebend für den Zweifel ist jedoch die Körperauffassung. […] Gesichter und Körper sind vereinfacht, erscheinen naiv und ungelenk. […] Das gesamte Œuvre Volls kennt keine solche Kombination von glatten, fast starren plastischen Formen und einem ausgesprochen erzählerischen Bewegungsmotiv. […] Insofern ist es eher unwahrscheinlich, daß die Bronze von Voll stammt. Vielleicht gehört sie zu einem der anderen Dresdener Bildhauer, deren Œuvre[s] nur bruchstückhaft zugänglich sind, beispielsweise Eugen Hoffmann“ (Anne-Marie Kassay-Friedländer, Der Bildhauer Christoph Voll, 1897–1939, Worms 1994, S. 228 f.). | Dieter Scholz