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Selbst im Hotel (Blatt 1 aus "Berliner Reise 1922")

Ident. Nr.: 126-1924,1

ObjID: obj:1027910

Details (expert)

Involved
Ausführung: Max Beckmann (1884 - 1950),
Zeichner*in
Max Beckmann (1884 - 1950),
Dargestellt
Dating
Herstellung: 1922
Material / Technique
Lithographie, Ex. 55/100
Dimensions
Plattenrand: 45,5 x 32,5 cm

Object Description

Max Beckmann hatte von 1904 an zehn Jahre seines Lebens in Berlin verbracht und kehrte Anfang 1922 aus Frankfurt als „Tourist“ zurück. Die Besucherrolle distanziert ihn vom Treiben der Großstadt. Drei Jahre nach der Novemberrevolution ist Berlin eine Stadt resignierter Menschen, Armut auf der einen, Langeweile auf der anderen Seite. Doch die Berliner Reise beginnt mit der Reise zum Selbst, zum Künstler-Ich. Es ist oftmals in der Unterkunft, im Hotel, wo der Reisende sich zurückziehen und die Eindrücke und Erlebnisse des Tages verarbeiten kann.
Die frontale Ansicht des Künstlers mit Zigarre im Mundwinkel und Zeichenstift in der Hand entsteht vermutlich durch den Blick in einen Spiegel. Beckmann zeigt sich uns in einer komplexen Spiegelsituation in zwei weiteren Ansichten: in Rückansicht und im Profil. Die Facetten, die der Maler von sich preisgibt, wirken sehr unterschiedlich. Die Attribute Weinflasche, Glas, Lampe und Zigarre begegnen uns auch in anderen Selbstbildnissen Beckmanns. Sie kennzeichnen ihn als Bohémien, der – vorausschauend auf die folgenden Blätter – am nächsten Morgen die Stadt mit seinem wachen Blick erkunden wird.

Text: Ina Dinter, in: Wir suchen das Weite. Reisebilder von Albrecht Dürer bis Olafur Eliasson im Kupferstichkabinett, hg. von Hein-Th. Schulze Altcappenberg und Ina Dinter, Berlin 2016, S. 56

From 1904 Max Beckmann spent ten years of his life in Berlin, returning in 1922 from Frankfurt as a “tourist.” His role as visitor distanced him from the busy city life. Three years after the November Revolution, Berlin is a city of people resigned to their fate: poverty on the one side, boredom on the other. Yet the Berlin trip begins with a trip to his self, the artist’s ego. It is often in his lodgings, in the hotel, where the traveler can retreat to and process the impressions and experiences had during the day.
The frontal view of the artist with the cigar in the corner of his mouth and pen in hand was probably created using a mirror. Beckmann shows himself in a complex mirror situation in two other views: in a rear view and in profile. The facets that the painter reveals of himself seem very different. The attributes wine bottle, glass, lamp, and cigar can be found in other Beckmann self-portraits as well. They mark him as a bohemian who, anticipating later sheets, will explore the city with open eyes the next morning.

Text: Ina Dinter, in: We’re off then. Travel Pictures from Albrecht Dürer to Olafur Eliasson in the Kupferstichkabinett, published by Hein-Th. Schulze Altcappenberg and Ina Dinter, Berlin 2016, p. 56

Last updated: 15.12.2025

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Institution:

Kupferstichkabinett

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Eine der schönsten Darstellungen aus der Frühzeit des Kupferstiches bewahrt als Unikum das Berliner Kabinett auf – den sogenannten großen Liebesgarten. Das Thema basiert auf dem französischen »Rosenroman« aus dem 13. Jahrhundert, der außerordentlich weit verbreitet war und auch im 15. Jahrhundert noch gelesen wurde. Eine höfische Gesellschaft hat sich in Sichtweise ihrer Feudalburgen im Freien versammelt, um zu speisen und anderen Vergnügungen nachzugehen. Im Bachlauf werden Weinflaschen gekühlt, und verschiedene Tiere, darunter das mythische Einhorn, bevölkern Wald und Wiese. Alles strahlt einen idyllischen Frieden aus, satirische Anspielungen wie bei dem Liebesgartenstich des Meisters E. S. scheinen hier zu fehlen (vgl. Inv. Nr. 136-1897). Aber Affe und Bär im Vordergrund, im Spiel neckisch vereint, könnten auf das menschliche Liebeswerben und seine negativen Folgen verweisen, galt doch der Affe traditionell als ein sündiges Tier. Vorbild für den Stecher könnte ein Minne-Teppich gewesen sein, denn der motivische Reichtum und die schichtweise Übereinanderstellung von Figuren und Gegenständen erinnern auffallend an den Bildaufbau zeitgenössischer Tapisserien.Es wurde auch vermutet, daß ein Wandgemälde Jan van Eycks in der Burg der Grafen von Holland zu Den Haag (1422–24) als bildliche Quelle gedient habe.Nach dem Berliner Stich und einem anderen Blatt mit ähnlicher Thematik erhielt der unbekannte Meister seinen Namen. Er dürfte um 1435–45 in den Niederlandentätig gewesen sein, vielleicht im Umkreis des Haager Hofes. Seine wenigen Arbeiten sind mit kräftigen Umrißlinien und Kreuzschraffuren gestochen.Text: Holm Bevers in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 169f., Kat. IV.1 (mit weiterer Literatur)

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