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Christus und die Schächer am Kreuz

Ident. Nr.: KdZ 5016

ObjID: obj:1038334

Details (expert)

Creator/Entity
Ausführung: Lucas Cranach (der Ältere) (1472-1553),
Zeichner*in
Unbekannt,
Papierherstellung
Date(s)
Herstellung: 1509-12
Herstellung des Papiers: zwischen 1480 und 1527
Systematics/Type
Provenance
Adolf von Beckerath (1834-1915),
bis 1902
Dimensions
Blattmaß: 29,1 x 19,2 cm
Andere: Kettlinienintervalle: [.]-31-31-31-30-31-[.] mm
Andere: Rippliniendichte: 10/10 mm
Wasserzeichenmaß: 133 x 57 mm
Acquisition
1902 mit der Sammlung Adolf von Beckerath, Berlin, erworben

Object Description

Durch engen Beschnitt nimmt das Kreuz mit dem Gekreuzigten beinahe die gesamte Länge und Breite des Blattes ein. Der Kopf befindet sich exakt mittig knapp unter der oberen Blattkante, die Füße befinden sich nur knapp unterhalb vom Zentrum des Trägers. Ganz an die Seiten gedrängt und in extremer Seitenansicht sind die Kreuze der beiden Schächer vorgestellt. Als würde das mittige Kreuz das Bild in eine gute und eine schlechte Hälfte teilen: Den Gesichtszügen folgend kann der rechte Schächer als der unreuige gelesen werden, direkt neben ihm sind die Henker zu sehen. Ihm gegenüber befindet sich der Reuige Schächer und bei ihm die Verzweifelten. Maria Magdalena kniet dort, zu Jesus aufschauend und ist mit gefalteten Händen an den Stamm gelehnt. Durch ihren Blickkontakt wird die Verbindung von Maria Magdalena und dem sterbenden Christus betont.

Bereits in der Ausstellung im Berliner Kupferstichkabinett 1911 galt die Zeichnung als ein Werk Lucas Cranachs d. Ä. (vgl. AK Berlin 1973, Nr. 35). Ignaz Beth brachte das Blatt in den Zusammenhang mit dem Holzschnitt des Gekreuzigten mit Maria und Johannes (Ident. Nr. 603-2), um 1508 datiert (Beth 1911, S. 26-27). Girshausen befand, dass der Zeichnung der Kreuzigungsholzschnitt aus der Passionsfolge von 1509 (Ident. Nr. 25-1886-4) am nächsten käme und nahm ebenfalls eine Entstehung um 1509 an (Girshausen 1936, S. 27 und S. 65, Nr. 5). Im Berliner Ausstellungskatalog von 1973 werden die Unterschiede zwischen der Zeichnung und den von Beth und Girshausen ins Spiel gebrachten Holzschnitten kritisiert: „Aber indem der erstgenannte Vergleich von der Sache her in der Zahl der Figuren beschränkt ist, die Passions-Kreuzigung nur in der Anordnung der Kreuze, nicht im Kalvarienberg-Gedränge dieser Zeichnung vergleichbar ist, bleiben aufs Ganze gesehen, gerade wenn man das Verrinnen der explosiven Kraftströme Cranachs betont, solche Gemälde wie die Frankfurter Kreuzigung [Städel Museum, Inv. Nr. 1066] oder die Bonner von 1515 [Moskau, Staatliches Museum für Bildende Künste A. S. Puschkin Inv. Nr. 1235] dieser Zeichnung in der Auffassung so nahe, dass sie um 1515 entstanden sein wird.“ (AK Berlin 1973, Nr. 35). Ergänzt man diesen Vergleich mit weiteren Kreuzigungsgemälden, wird erkennbar, dass die das Kreuz umklammernde, knieende Maria Magdalena in den Gemälden erst ab 1515 auftaucht.

Zieht man noch die motivisch vergleichbare, aber doch ganz anders ausgeführte Kreuzigungszeichnung im Fitzwilliam Museum hinzu (um 1512-1514 datiert, Inv. Nr. 5760), erscheint das Berliner Blatt mit der Vorzeichnung früher entstanden zu sein. Auch die niedrig angesetzte Landschaft im Hintergrund entspricht dem von Beth herangezogenen Holzschnitt. Der Zeichnung liegt eine erste Anlage mit Zeichenkohle zugrunde, die in der Ausführung mit der Feder teils variiert wurde. So war etwa der Korpus Christi zunächst weiter rechts vorgesehen und der leiterhaltende Knecht hatte links einen längeren, die perspektivische Verkürzung noch nicht berücksichtigenden Schuh. Die Linien links von Jesus‘ Beinen sind jedoch nicht, wie früher geglaubt, einer Vorzeichnung zuzurechnen (vgl. AK Berlin 1973, Nr. 35). Hier zeichnet sich das große, kopfstehende Kronenwasserzeichen ab, das jedoch nur eine grob orientierende Datierung zwischen 1480 und 1527 zulässt.

[Rahel Müller im Rahmen des Cranach-Forschungsprojekts, April 2026]

Last updated: 02.10.2026

Contact

Institution:

Kupferstichkabinett

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