Christus und die Schächer am Kreuz
Ident. Nr.: KdZ 5016
ObjID: obj:1038334
Details (expert)
- Creator/Entity
- Date(s)
- Herstellung: 1509-12Herstellung des Papiers: zwischen 1480 und 1527
- Systematics/Type
- Provenance
- Adolf von Beckerath (1834-1915),
bis 1902 - Material / Technique
- Feder in Braun und Braungrau, grau laviert über Zeichnung mit Kohle, auf handgeschöpftem Papier (vergé)
- Dimensions
- Blattmaß: 29,1 x 19,2 cmAndere: Kettlinienintervalle: [.]-31-31-31-30-31-[.] mmAndere: Rippliniendichte: 10/10 mmWasserzeichenmaß: 133 x 57 mm
- Acquisition
- 1902 mit der Sammlung Adolf von Beckerath, Berlin, erworben
- Permalink
- https://id.smb.museum/object/1038334
Object Description
Durch engen Beschnitt nimmt das Kreuz mit dem Gekreuzigten
beinahe die gesamte Länge und Breite des Blattes ein. Der Kopf befindet sich exakt
mittig knapp unter der oberen Blattkante, die Füße befinden sich nur knapp
unterhalb vom Zentrum des Trägers. Ganz an die Seiten gedrängt und in extremer
Seitenansicht sind die Kreuze der beiden Schächer vorgestellt. Als würde das
mittige Kreuz das Bild in eine gute und eine schlechte Hälfte teilen: Den
Gesichtszügen folgend kann der rechte Schächer als der unreuige gelesen werden,
direkt neben ihm sind die Henker zu sehen. Ihm gegenüber befindet sich der
Reuige Schächer und bei ihm die Verzweifelten. Maria Magdalena kniet dort, zu
Jesus aufschauend und ist mit gefalteten Händen an den Stamm gelehnt. Durch
ihren Blickkontakt wird die Verbindung von Maria Magdalena und dem sterbenden
Christus betont.
Bereits in der Ausstellung im Berliner Kupferstichkabinett
1911 galt die Zeichnung als ein Werk Lucas Cranachs d. Ä. (vgl. AK Berlin 1973,
Nr. 35). Ignaz Beth brachte das Blatt in den Zusammenhang mit dem Holzschnitt
des Gekreuzigten mit Maria und Johannes (Ident. Nr. 603-2), um 1508 datiert
(Beth 1911, S. 26-27). Girshausen befand, dass der Zeichnung der
Kreuzigungsholzschnitt aus der Passionsfolge von 1509 (Ident. Nr. 25-1886-4) am
nächsten käme und nahm ebenfalls eine Entstehung um 1509 an (Girshausen 1936,
S. 27 und S. 65, Nr. 5). Im Berliner Ausstellungskatalog von 1973 werden die
Unterschiede zwischen der Zeichnung und den von Beth und Girshausen ins Spiel
gebrachten Holzschnitten kritisiert: „Aber indem der erstgenannte Vergleich von
der Sache her in der Zahl der Figuren beschränkt ist, die Passions-Kreuzigung
nur in der Anordnung der Kreuze, nicht im Kalvarienberg-Gedränge dieser
Zeichnung vergleichbar ist, bleiben aufs Ganze gesehen, gerade wenn man das
Verrinnen der explosiven Kraftströme Cranachs betont, solche Gemälde wie die
Frankfurter Kreuzigung [Städel Museum, Inv. Nr. 1066] oder die Bonner von 1515
[Moskau, Staatliches Museum für Bildende Künste A. S. Puschkin Inv. Nr. 1235]
dieser Zeichnung in der Auffassung so nahe, dass sie um 1515 entstanden sein
wird.“ (AK Berlin 1973, Nr. 35). Ergänzt man diesen Vergleich mit weiteren
Kreuzigungsgemälden, wird erkennbar, dass die das Kreuz umklammernde, knieende
Maria Magdalena in den Gemälden erst ab 1515 auftaucht.
Zieht man noch die motivisch vergleichbare, aber doch ganz
anders ausgeführte Kreuzigungszeichnung im Fitzwilliam Museum hinzu (um
1512-1514 datiert, Inv. Nr. 5760), erscheint das Berliner Blatt mit der
Vorzeichnung früher entstanden zu sein. Auch die niedrig angesetzte Landschaft
im Hintergrund entspricht dem von Beth herangezogenen Holzschnitt. Der
Zeichnung liegt eine erste Anlage mit Zeichenkohle zugrunde, die in der
Ausführung mit der Feder teils variiert wurde. So war etwa der Korpus Christi
zunächst weiter rechts vorgesehen und der leiterhaltende Knecht hatte links
einen längeren, die perspektivische Verkürzung noch nicht berücksichtigenden
Schuh. Die Linien links von Jesus‘ Beinen sind jedoch nicht, wie früher
geglaubt, einer Vorzeichnung zuzurechnen (vgl. AK Berlin 1973, Nr. 35). Hier
zeichnet sich das große, kopfstehende Kronenwasserzeichen ab, das jedoch nur eine
grob orientierende Datierung zwischen 1480 und 1527 zulässt.
[Rahel Müller im Rahmen des Cranach-Forschungsprojekts,
April 2026]
Last updated: 02.10.2026
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