Entwurf für eine Wanddekoration mit zwei Leuchterengeln und einem schlafenden Soldaten
Ident. Nr.: KdZ 4610
ObjID: obj:1042553
Details (expert)
- Creator/Entity
- Date(s)
- Herstellung: 1509/1510
- Systematics/Type
- Material / Technique
- Feder in Schwarzbraun, graubraun laviert, über Zeichnung mit Kohle, auf handgeschöpftem Papier (vergé)
- Dimensions
- Blattmaß: 14,8 x 15,8 cmAndere: Kettlinienintervalle: [.]-28-29-29-[.] mmAndere: Rippliniendichte: 11/10 mm
- Acquisition
- 1912 als Geschenk des "Herrn Generaldirektors Dr. Bock" erworben
- Permalink
- https://id.smb.museum/object/1042553
Object Description
Die
Zeichnung ist mit Feder in Schwarzbraun, einer Mischtinte, über einer Skizze in
Kohle ausgeführt. Auffallend sind die großflächigen malerischen Lavierungen in
verschiedenen Grautönen mit Pinsel. Das fast quadratische Blatt zeigt eine
Wandnische, vor der im unteren Drittel ein auf dem Rücken liegender Soldat in
voller Rüstung dargestellt ist. Er liegt schräg in der Bildtiefe, so dass der
Körper extrem verkürzt dargestellt ist. Dabei ragen die angewinkelten Beine in
den Vordergrund des Blattes, während der Kopf in der Bildtiefe unkenntlich
wird. Ein Schwert wurde derart zwischen Schoß und Knie abgelegt, dass es in
phallischer Assoziation schräg emporragt. Von der Haltevorrichtung des Schwerts
sind durch die ungewöhnliche Ansicht hingegen lediglich zwei Knäufe sichtbar.
Diese befinden sich etwa auf Brusthöhe des Dargestellten. Ein ausladender
Rundschild ist hinter den Körper gerutscht. Oberhalb des Gesimses stehen zu
zwei Seiten kerzenhaltende Leuchterengel. Die architektonische Wandnische wurde
in der Literatur oft als Kamin mit Doppelfensteröffnung interpretiert (vgl.
Rosenberg 1960, Kat. Nr. 13 und Steigerwald in Ausst. Kat. Berlin 1973, Kat.
Nr. 51), dabei steht die Zweckmäßigkeit des Entwurfs wahrscheinlich nicht im
Vordergrund.
Auffällig
ist die extreme Untersicht, wobei die Komposition wohl die untere Blattkante
als ungefähre Augenhöhe nimmt. Damit wird die Gestalt des schlafenden Soldaten
besonders verunklärt. Die grotesk anmutende Komposition des liegenden Soldaten
mit zotigem Subkontext dürfte noch vor dem architektonischen Entwurf die
eigentliche zeichnerische Herausforderung und Bildaufgabe gewesen sein.
Seit
Elfried Bocks Aufsatz zur Dresdner Zeichnung zu Samson und dem Löwen (heute
kriegsvermisst, vgl. Bock 1932, S. 29f.) wird der schlafende Soldat als Teil
einer Werkgruppe von Entwürfen für Wanddekorationen für das Schloss Torgau
betrachtet, deren Anfänge in Archivalien um 1509 datieren. Die Entwürfe könnten
als Wandmalerei direkt auf den Putz oder auf Leinwand ausgeführt und als feste
Ausstattung in den Schlössern eingesetzt worden sein. In seinen Abrechnungen
dokumentiert der Hofmaler zahlreiche auf Leinwand gemalte Decken- und
Wandgemälde (Bock 1932, S. 29, Heydenreich 2002, S. 432-438).
[Mailena Mallach und Rahel Müller im Rahmen des
Cranach-Forschungsprojekts, April 2026]
Last updated: 02.10.2026
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Institution:
Kupferstichkabinett
Email:
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