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Landhaus (Jagdhaus) in weiter Hügellandschaft - Pylonenbau auf einem perspektivisch weiten Platz vor einer hügeligen Landschaft mit von links heran sprengender Jagdgesellschaft

Ident. Nr.: KdZ 7235

ObjID: obj:1051371

Details (expert)

Creator/Entity
Ausführung: Friedrich Gilly (16.2.1772 - 3.8.1800),
Zeichner*in
Date(s)
Herstellung: um 1799
Dimensions
Höhe x Breite: 27,6 x 46,5 cm

Object Description

Die Architekturideen des frühverstorbenen, genialen Friedrich Gilly sind fast sämtlich nur Entwurf geblieben. Neben zahlreichen Skizzen und Vorzeichnungen zu Bauten aller Art - vom Landhaus zum Theater -, in denen sich seine ästhetischen und konstruktiven Vorstellungen äußern, gibt es in seinem Werk auch bildmäßig komponierte und ausgeführte Blätter, in denen er seine Wunschbilder von Architektur in eine ideale landschaftliche Umgebung einbettet. Gilly scheint darin inspiriert durch die absichtsvolle Symbiose von Natur und Kunst wie sie die Planer des »englischen Parks« allenthalben anzustreben begannen.
Mit unserem Blatt haben wir ein eindrucksvolles Bild solcher Gedankenwelt vor Augen. Es vereinigen sich in Gillys Phantasie die herrschenden, scheinbar gegensätzlichen Strömungen dieser Umbruchsphase der europäischen Kultur: ein revolutionärer Klassizismus in der Architektur und eine von romantischem Stimmungsgehalt erfüllte Landschaft. Der kleine kubische und kastellartige Bau mit der dorischen Säulenvorhalle - hat sich Gillys Schüler Schinkel so vielleicht zu seiner Neuen Wache inspirieren lassen? - bildet das Zentrum der komponierten Landschaft, die in kunstvollem Wechsel von flacher Offenheit und waldigen Hügelbezirken diesen umfängt. Alles scheint in sich zu ruhen, nur die heranführenden Wege und die heransprengende Jagdgesellschaft bringen ein spannungsvolles Moment der Bewegung. Den Gehalt des Blattes haben wohl am besten diese Worte von Alste Oncken getroffen: »Und als ob jene Reiterschar den Kreis eines märchenhaften Zauberschlosses überschritten habe, so scheint jeder Laut zu verstummen; auch der Betrachter wird durch den weit ausgreifenden und alles umschließenden Schwung der Bewegung in den Bann der Stille gezogen, die in diesem weltabgeschiedenen Bezirke waltet. Der reinste Ausdruck solch großer Gesinnung jedoch ist der Block des Hauses, der wie ein Werk urzeitlicher Kunst unmittelbar dem Schoß dieser Natur entwachsen scheint.«

Text: Gottfried Riemann, in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 357f., Nr. VII.2 (mit weiterer Literatur)

Last updated: 17.08.2026

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Institution:

Kupferstichkabinett

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Das Kolosseum in Rom, von der Seite des Palatin gesehen

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Jan Gossaert, seinerzeit berühmt und hoch geschätzt, war bei verschiedenen Fürsten als Hofmaler tätig und gilt als der Begründer des neuen romanistischen Stils in den Niederlanden. 1508-09 reiste er in Begleitung Philipps von Burgund, eines humanistisch gelehrten Fürsten, nach Rom, wo er im Auftrag seines Mäzens nach antiken Monumenten zeichnete. Zu einem nicht erhaltenen römischen Skizzenbuch dürfte die Berliner Ansicht des Kolosseums gehört haben. Das sogenannte Kolosseum, ein um 80 n. Chr. errichtetes Amphitheater – bis zum heutigen Tag ein Wahrzeichen Roms −, ist von Westen her gesehen. Der Zeichner stand dicht am Bauwerk, sodass er nur wenige Achsen wiedergab. Der Baubefund, wie er sich in jenen Jahren darstellte, ist mit der feinen, spitzen Feder minuziös erfasst: die einzelnen Mauerringe und ihre Abbrüche, die Säulenordnungen und die aus dem Mauerwerk hervorwachsenden Bäume. Gossaert war wie alle nordischen Künstler vor und nach ihm von dem ruinösen Zustand des antiken Monumentes, das die Zeit überdauert hatte, fasziniert. Doch er sah das Bauwerk mit den am spätgotischen Stil geschulten Augen des Nordländers: Es gelang ihm nicht so recht, seine wahre Monumentalität zu erfassen. Text: Holm Bevers, in: Wir suchen das Weite. Reisebilder von Albrecht Dürer bis Olafur Eliasson im Kupferstichkabinett, hg. von Hein-Th. Schulze Altcappenberg und Ina Dinter, Berlin 2016, S. 72Jan Gossaert, famous and highly valued already during his lifetime, worked as a court painter for several princes and was considered the founder of the new Roman-influenced style of painting in the Netherlands. In 1508 and 1509, he traveled to Rome in the entourage with the humanistically trained Philip of Burgundy to Rome. There he was commissioned by his patron to draw the ancient monuments. The Berlin view of the Colloseum is most likely from this no longer extant Roman sketchbook. The so-called Colosseum, an amphitheater built in 80 AD that remains a trademark of the city today, is depicted from the West. The draftsman is close to the structure, so that he only presents a few of the axes. The state of the structure in the years of its depiction is captured with the fine, sharp pen meticulously: the individual rings of the wall and the ruined arches, the lines of columns and the trees emerging from the brickwork. Gossaert, like all Northern artists, was interested especially in the ruinous state of the Ancient objects that had lasted through the ages. But he also saw the structure with the eyes of a northerner, schooled in the late Gothic style. He was not quite able to do justice to its true monumentality. Text: Holm Bevers, in: We’re off then. Travel Pictures from Albrecht Dürer to Olafur Eliasson in the Kupferstichkabinett, published by Hein-Th. Schulze Altcappenberg and Ina Dinter, Berlin 2016, p. 72