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Passionskreuz

Ident. Nr.: A I 346

ObjID: obj:1066026

Details (expert)

Creator/Entity
Date(s)
1858
Provenance
Kauf: Kunsthändler Budeus (Auftraggeber),
1858
J. M. Heimann, Köln,
6.9.1884
Dimensions
Höhe x Breite: 102 x 76 cm
Acquisition
1884 Ankauf von dem Kölner Kaufmann J. M. Heimann

Object Description

In Vorbereitung des Auftrags für die Ausmalung der Wallfahrtskirche Sankt Apollinaris in Remagen, die durch die Vermittlung des Lehrers an der Düsseldorfer Akademie, Wilhelm Schadow, zustande gekommen war, reisten Andreas Müller und der befreundete Ernst Deger im Herbst 1837 nach Italien. Müller, der Sohn einer rheinischen Malerfamilie, blieb dort, von einer Unterbrechung im Sommer 1840 abgesehen, bis 1842. Bereits während seines Studiums hatte sich der tiefgläubige Maler auf das religiöse Fach spezialisiert und in Düsseldorf bald eng mit den dortigen Jesuiten verkehrt. Es nimmt nicht wunder, daß er in Rom schnell Anschluß an den Kreis der Nazarener um Friedrich Overbeck fand, mit dem er zeitlebens freundschaftlich verbunden blieb. Sicher auch unter Overbecks Anregung und Anleitung schulte Müller im Kopieren von Bildern und Fresken sein Auge, skizzierte die Landschaft der Campagna und unternahm zahlreiche Ausflüge nach Subiaco, Assisi, Perugia oder Siena. Spätestens dort wird Müller Beispiele der sogenannten ›Croce dipinta‹ gesehen haben, jener gemalten Kruzifixe, deren Tradition bis weit in das 12. Jahrhundert zurückreicht. Wieder in Deutschland blieb Müller der religiös-nazarenischen Malerei treu und schuf noch in der Zeit als Professor und Konservator der graphischen Bestände der Düsseldorfer Kunstakademie mehrere Tafelbilder für Kirchen. Zudem begann Müller am 22. Juni 1858 im Auftrag des Düsseldorfer Kunsthändlers Budeus die Arbeiten an vorliegendem großen Passionskreuz.
Das plastische, fein ausgearbeitete, vergoldete Kruzifix mit neugotischem Maßwerk und darin eingefaßten, auf Pergament gemalten Darstellungen aus der Passion Christi zählt zu Müllers Hauptwerken. Es wird im Sammlungskatalog der Nationalgalerie von 1888 ausführlich beschrieben: »Den oberen Abschluß dieses Kreuzes bildet eine gothische Kreuzblume, mit dem Pelikan, welcher seine Jungen mit dem eigenen Blute nährt (Sinnbild für den Opfertod Christi); am Querbalken die Inschrift: ›Christus crucifixus et mortuum pro nobis‹. In den Füllungen der kleeblattförmigen Abschlüsse der Kreuzarme ist auf Goldgrund dargestellt: links Christus am Ölberge vor dem Kreuze knieend, mit der Umschrift: ›Christus sanguinem sudans pro nobis‹; oben: der gegeißelte Christus, mit der Umschrift: ›Christus flagellatus pro nobis‹; rechts: Christus mit der Dornenkrone, mit der Umschrift: ›Christus spinis coronatus pro nobis‹; unten: Christus das Kreuz tragend, mit der Umschrift: ›Christus crucem portans pro nobis‹« (Katalog der Königlichen National-Galerie, Berlin 1888, Kat.-Nr. 509). »Jedes der Gemälde Müller’s«, resümierte der Biograph Franz Kaufmann 1895, »bietet einen Schatz katholischer, inniger Empfindung, die er mit mittelalterlicher Reinheit, aber doch zugleich mit der Frische einer jüngeren Zeit in Anmuth und süße Keuschheit kleidet« (F. Kaufmann, Andreas Müller, in: Frankfurter zeitgemäße Broschüren, Bd. 16, 1895, H. 12, S. 399).
Eine Wiederholung in kleinerem Format entstand als Reliquiar für den Fürsten Karl Heinrich Ernst Franz zu Löwenstein-Wertheim-Rosenberg (1834–1921). Eine Kreidezeichnung zum Bild (111 × 83 cm) befindet sich seit 1861 im Museum der bildenden Künste Leipzig. Darüber hinaus ließ Budeus das vollendete ›Croce dipinta‹ als Stich reproduzieren und beteiligte Müller mit zehn Prozent am Verkauf (vgl. den Brief des Bruders Karl Müller an die Nationalgalerie vom 13.2.1883, SMB-ZA, I/NG 1811). Ein weiterer Kupferstich von 1888 stammt von Joseph Kohlschein. 1884 erwarb die Nationalgalerie das ursprünglich von Budeus bestellte »Passionskreuz« von dem Kölner Kaufmann J. M. Heimann. | Regina Freyberger

Last updated: 30.07.2026

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Institution:

Alte Nationalgalerie

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Morgenandacht in einem holländischen Waisenhaus

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Seit den 1860er Jahren rückte die realistische tonige Malerei der Haager Schule ins Interesse der deutschen Künstler. München wurde, nicht zuletzt durch die Erste Internationale Kunstausstellung 1869 im Glaspalast und die Ausstellungen der Münchner Secession, zu einem wichtigen Zentrum der Rezeption. Wie Max Liebermann, der 1872 erstmals nach Holland gereist war, zog es seit den 1880er Jahren zahlreiche deutsche Künstler nach Holland. Walter Firle hielt sich 1883 zu Studienzwecken dort auf. Die Komposition »Morgenandacht in einem holländischen Waisenhaus« entstand unmittelbar nach Firles Rückkehr und zeigt den Einfluß Jozef Israëls im gedämpften, tonigen Kolorit und der spezifischen Behandlung der Lichtverhältnisse. Da Firle in Holland kein originales Kostüm der Waisenhausmädchen zu erwerben vermocht hatte, ließ er sich ein ähnliches Kostüm nachnähen und fertigte das Gemälde nach Studien mit einheimischen Modellen im Münchner Atelier. Das stimmungsvolle Genrebild wurde 1886 bei der Jubiläumsausstellung in Berlin mit einer Goldmedaille ausgezeichnet und von der Kritik begeistert aufgenommen – zu einer Zeit, da Liebermanns spröde Ansichten noch abgelehnt wurden. Firle, so Friedrich Pecht, zeigt »uns die singenden Mädchen von einem Zauber der Jugend und Reinheit umflossen […], für den man sämtliche Odalisken und Italienerinnen der Ausstellung gerne dahin gäbe« (Die Kunst für Alle, 1. Jg., 1886, H. 22, S. 316). | Regina Freyberger

Deutschlands Kampf und Einigung in den Jahren 1870 und 1871. Karton zum Siegesdenkmalfries in sechs Teilen

Deutschlands Kampf und Einigung in den Jahren 1870 und 1871. Karton zum Siegesdenkmalfries in sechs Teilen

»Die unmittelbare Folge des Siegesvelariums war, daß der Erbauer der Siegessäule, Geheimer Hofbaurat Strack, mir den Auftrag erteilte, Entwürfe für ein Bild zu machen, das den Kern der Säule hinter der umgebenden Säulenkolonnade schmücken sollte. Als Motiv hatte der Kaiser angegeben: ›Die Rückwirkung des Kampfes gegen Frankreich auf die Einigung Deutschlands‹ (Allerhöchste Kabinettsorder d.d. Versailles, 12. Februar 1871)« (A. von Werner, Erlebnisse und Eindrücke, Berlin 1913, S. 64). Anton von Werner führte zunächst eine vorläufige Version in Öl auf Leinwand in Originalgröße aus, die das Denkmal zur Einweihung am 2. September 1873 an der vorgesehenen Stelle vollkommen umspannte. Seit Frühjahr 1873 aber bemühte er sich um die Genehmigung, seinen Entwurf in ein Mosaik umsetzen lassen zu dürfen, einem so kostbaren wie teuren Material. Mit Hilfe der Kronprinzessin und der Großherzogin von Baden erlangte er die kaiserliche Genehmigung zu dieser kostspieligen Lösung. Über die Herstellung des riesigen Leinwandbildes, das erst später in die heutigen sechs Teile getrennt wurde, berichtete er in seinen Erinnerungen: »Ich mußte nun die Arbeit an der inzwischen aufgezeichneten Proklamierung [ehemals Berliner Stadtschloß, Kriegsverlust] einstellen und die 75 Fuß lange Leinwand für den Siegesdenkmalsfries in meinem Atelier vor dem Proklamierungsbilde, das 25 Fuß breit und 14 Fuß hoch war, aufstellen. Es geschah, da mein Atelier am Karlsbad 21 doch nicht groß genug war, um einer solchen Fläche Raum zu bieten, derart, daß das Bild auf zwei Walzen rechts und links aufgerollt wurde und jedesmal, wenn ich mit der Fläche von 25 Fuß fertig war, diese nach links weiter auf die linke Walze gerollt und von der rechten Walze die unbemalte Leinwand herausgezogen wurde« (ebd., S. 74). Der Entwurf auf Leinwand blieb bis zum Oktober 1873 an der Siegessäule, danach begann das Herumreichen des übergroßen Bildes: Zunächst wurde es in der Königlichen Akademie ausgestellt, wo Werner es einer nochmaligen Überarbeitung unterzog. Im Mai 1874 schickte Werner die Bildrolle an die Firma Salviati nach Venedig zur Ausführung als Mosaik, nachdem er zuvor auf Wunsch Wilhelms I. einige Änderungen vorgenommen hatte. Das Kultusministerium legte fest, daß das Bild nach seiner Rückkehr der Nationalgalerie zu übergeben sei (vgl. SMB-ZA, I/NG 2035). Es traf am 13. September 1875 in der Nationalgalerie ein, wurde 1876 auf die Kunst- und Kunstindustrieausstellung nach München geschickt und danach per Order vom 30. Oktober 1876 an das Schlesische Museum der bildenden Künste in Breslau abgegeben. In dessen Katalog von 1926 ist das Gemälde ausführlich beschrieben (Schlesisches Museum der Bildenden Künste, Breslau 1926, Kat.-Nr. 781, S. 270 f.). 1954 kamen die nunmehr sechs Bilder als Teil des sogenannten Freundschaftsgeschenks der Volksrepublik Polen an die DDR wieder an die Nationalgalerie zurück. Seit 1991 waren sie als Dauerleihgabe zunächst im Berlin Museum zu sehen, seit 2004 befinden sie sich im Deutschen Historischen Museum, Berlin. | Angelika Wesenberg

Sockel der Prinzessinnengruppe

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Normal 0 21 false false false DE X-NONE X-NONE Der Sockel zum Gipsmodell der Prinzessinnengruppe (Inv.-Nr. B I 76) mit seiner Marmor imitierenden Bemalung ist bis auf die beiden Inschrifttafeln dunkel gehalten und greift die Wirkung des Marmorsockels (siehe Inv.-Nr. B II 34) auf. Er wurde 1912 vom damals noch im Schloss aufgestellten Marmor der Prinzessinnengruppe abgegossen und für die Präsentation des Originalgipsmodells in der Nationalgalerie genutzt. Dieser Sockel erlitt einige gravierende mechanische Beschädigungen und wies deutliche Alterungsspuren auf, so etwa im Bereich der Rosen, die über innenliegenden Drahtschlaufen anmodelliert wurden, die sich aufgrund von Korrosion auf der Oberfläche abzeichnen, sowie hinsichtlich der Farbfassung. Er konnte 2022 restauriert werden und trägt nun wieder das Originalgipsmodell des Doppelstandbilds Luise und Friederike von Preußen. Die Inschriften sind in den weichen Gipsgrund geritzt und bezeichnen die beiden Dargestellten " Normal 0 21 false false false DE X-NONE X-NONE /* Style Definitions */ table.MsoNormalTable {mso-style-name:"Normale Tabelle"; mso-tstyle-rowband-size:0; mso-tstyle-colband-size:0; mso-style-noshow:yes; mso-style-priority:99; mso-style-parent:""; mso-padding-alt:0cm 5.4pt 0cm 5.4pt; mso-para-margin-top:0cm; mso-para-margin-right:0cm; mso-para-margin-bottom:8.0pt; mso-para-margin-left:0cm; line-height:107%; mso-pagination:widow-orphan; font-size:11.0pt; font-family:"Calibri",sans-serif; mso-ascii-font-family:Calibri; mso-ascii-theme-font:minor-latin; mso-hansi-font-family:Calibri; mso-hansi-theme-font:minor-latin; mso-bidi-font-family:"Times New Roman"; mso-bidi-theme-font:minor-bidi; mso-fareast-language:EN-US;} LOVISA CONIUX/PRINCIP. HERED/REGN. BORUSS." (Luise, Ehefrau des erblichen Herrschers des Königshauses Preußen) sowie "FRIEDERICA/CONIUX LUDOV./REG. BORUSS. FILI" (Friederike, Ehefrau des Königssohnes Ludwig)  | Yvette Deseyve, Bernhard Maaz

SS. Giovanni e Paolo in Venedig

SS. Giovanni e Paolo in Venedig

Der 1807 in Erfurt geborene Friedrich Nerly wuchs nach dem frühen Tod seines Vaters ab 1815 beim Bruder seiner Mutter in Hamburg auf. Der Onkel erkannte Nerlys künstlerische Begabung und förderte ihn. Er wurde Lehrling in der lithographischen Werkstatt von Heinrich Joachim Herterich und Johann Michael Speckter. Dort lernte der junge Nerly den Mäzen Freiherr Carl Friedrich von Rumohr (1785-1843) kennen. Die Begegnung mit dem weitgereisten und bestvernetzten Kunsthistoriker, Kunstpädagogen und Amateurkünstler wurde für Nerly prägend. Rumohr nahm ab 1823 den 16-Jährigen zur weiteren Ausbildung bei sich auf Gut Rothenhausen bei Lübeck auf.1827 begleitete Nerly seinen Mentor auf einer Reise durch Deutschland, u.a. nach Dresden und München. In Weimar besuchten sie Goethe. Im Frühjahr ging es nach Italien. Da Rumohr nach Deutschland zurückkehren musste, traf Nerly im Dezember 1828 ohne seinen Mäzen in Rom ein. Von dort aus bereiste der Maler in den nachfolgenden Jahren verschiedene Regionen Italiens. Der mit dem Namen „Nehrlich“ geborene Künstler nannte sich fortan „Nerly“. 1837 besuchte Nerly Venedig. Die Stadt am Meer mit ihren großartigen Bauwerken, den alten Palästen, Kirchen und Plätzen, mit ihren zahlreichen Brücken und Kanälen, muss ihn fasziniert haben. Im Januar 1838 bezog Nerly eine Wohnung im Palazzo Pisani am Campo San Stefano, wo er über vierzig Jahre wohnen, arbeiten und Gäste empfangen sollte. Er spezialisierte sich erfolgreich auf venezianische Stadtansichten. Die Ansicht der „Piazzetta in Venedig bei Mondschein“ wurde sein berühmtestes und am meisten nachgefragtes Werk. Nerly porträtierte nicht nur bekannte Gebäude und Plätze, als einer der ersten malte er die Lagune, den noch unerschlossenen Lido und viele unscheinbare Winkel Venedigs. Er wurde der prominenteste in Venedig ansässige ausländische Maler. In den Reisehandbüchern wurde Nerlys Atelierwohnung als Anlaufstelle für Kunstinteressierte empfohlen. Nerly erfand nicht nur ein neues Bild der Lagunenstadt, sondern begründete auch die venezianische Freilichtmalerei. In dem großformatigen, repräsentativen Gemälde hat der Maler eine Ansicht der Kirche SS. Giovanni e Paolo ins Zentrum gerückt (auch San Zanipolo genannt). Der knapp 100 Meter lange Bau zählt zu den größten und bedeutendsten Gebäuden der Venezianischen Gotik. Er wurde die Grablege der Dogen. Links neben der Kirche ist die prächtige Fassade der um 1500 errichteten Scuola di San Marco dargestellt. Rechts auf dem Platz vor den Gebäuden steht auf einem hohen vom Sonnenlicht beschienenen Sockel das bronzene Reiterdenkmal des Condottiere Bartolomeo Colleoni von Andrea del Verrocchio. Nerly hat die Ansicht vom Wasser aus aufgenommen. Auf dem Kanal sind Händler mit Schiffen und Booten unterwegs, an der Ufermauer liegen Gondeln. Auf dem Platz herrscht geschäftiges Treiben, mehrere Besucher strömen zum Eingang der Kirche. Nerly hat die reich verzierten Fassaden der historischen Bauten im Wechsel von Licht und Schatten subtil erfasst. Unter einem fast wolkenlosen blauen Himmel entfalten sich Pracht und Würde der geschichtsträchtigen Gebäude Venedigs.1850 war das Gemälde auf der Berliner Akademieausstellung zu sehen, mit dem Hinweis im Katalog: „Im Besitz Sr. Maj. des Königs“ (Kat. 1249). Ein Jahr zuvor, im Jahr der Vollendung 1849, hatte Friedrich Wilhelm IV. das Werk erworben. Wohl in Erinnerung an seine Venedigaufenthalte war von ihm das Bild beim Maler bestellt worden. 1876 wurde das Gemälde anlässlich der Eröffnung der Nationalgalerie auf der Museumsinsel aus der kaiserlich-königlichen Sammlung an das Museum überwiesen (Vgl. NG-Kat. 1876, S. 148).Eine Vorzeichnung befindet sich im Metropolitan Museum New York (SS. Giovanni e Paolo in Venedig mit dem Reiterstandbild des Bartolommeo Colleoni von Verrocchio, Bleistift, 37,7 x 46,3 cm, Inv.-Nr. 2008.198, Metropolitan Museum New York). Eine Teilansicht in Aquarell wird im Angermuseum Erfurt bewahrt (1849, Aquarell, 74,7 x 55,1, cm, Angermuseum Erfurt, Inv.-Nr. 3028).| Birgit Verwiebe