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Figur in großer Höhe II

Ident. Nr.: SSG 283

ObjID: obj:1066113

n/a

Details (expert)

Creator/Entity
Rolf Szymanski (1928–2013),
Künstler*in
Date(s)
1999
Systematics/Type
Additional titles
Collection title: Figur in großer Höhe II
Translation: Figure at a Great Height II
Original title: Silhouette dans les airs II
Geographical references
faktischer Entstehungsort: Berlin
Material / Technique
Bronze
Dimensions
Höhe x Breite x Tiefe: 200 x 74 x 55 cm
Acquisition
2004 Dauerleihgabe der Stiftung Sammlung Dieter Scharf zur Erinnerung an Otto Gerstenberg

Object Description

Schon 1993/94 begann Szymanski mit „Sieben kleinen Fragmenten für zwei Figuren in großer Höhe“, die auf das berühmte Foto von Richard Peter Bezug nahmen, das unmittelbar nach dem alliierten Bombenangriff auf Dresden am 13./14. Februar 1945 vom Dresdner Rathaus aus entstand. Eine weibliche Gewandfigur verweist mit ruhig ausholender Armgebärde auf die völlig zerstörte Stadt. Mit dieser Hommage an Dresden setzte der im benachbarten Leipzig aufgewachsene Künstler seine Motivwelt fort, die überzeitlichen Mythos, Spuren der Geschichte und der leiblichen Existenz miteinander verschmilzt. Auch in dieser Figur Szymanskis findet der Betrachter keine Eindeutigkeiten. Vielmehr sieht er sich durch die plastisch-pulsierende Dramatik des Organischen mit einem bewegten, partiell durchaus verfremdeten Körperzeichen konfrontiert. Eberhard Roters hat einmal sehr treffend die Formensprache des Künstlers so charakterisiert: „Szymanski ist ein Bildhauer, dem noch nie daran gelegen war, nach Regeln zu arbeiten, die im landläufigen Sinne als solche des klassischen Maßes erachtet werden. Zwar sind seine Skulpturen nach einem Bauprinzip gestaltet […], doch die Weise ihres Gestaltetseins unterliegt nicht dem mathematischen Kalkül proportional berechneten Maßhaltens, sondern sie schöpft, Gleichnis der sich immer neu gebärenden Natur selbst, aus der Vielfalt wuchernder und wachsender Fülle.“ | Fritz Jacobi

Last updated: 24.08.2026

Contact

Institution:

Sammlung Scharf-Gerstenberg

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Le Ministère de la Marine

Le Ministère de la Marine

Als Mitglied der französischen Societé Aquafortistes (Gesellschaft radierender Künstler) veröffentlichte Charles Méryon das Blatt „Le ministère de la marine“ in einer der Druckfolgen des Pariser Grafikers und Verlegers Alfred Cadart. Das dargestellte „Ministerium für Seefahrt“ am linken Bildrand ist von Jacques-Ange Gabriel entworfen und zwischen 1762 und 1770 erbaut worden. Es zählt zu den wichtigsten architektonischen Werken des 18. Jahrhunderts an der Place de la Concorde in Paris. Die populäre Ansicht des Platzes in Lithografien und Fotografien des 19. Jahrhunderts mit Augenmerk auf den breit gelagerten Hauptfassaden der beiden Baukomplexe ist bei Méryon so nicht wiederzufinden. Vielmehr zeigt er das Gebäude in einer hochragenden Ansicht übereck, um den Platz mit dem Obelisken von Luxor und dem am anderen Ufer der Seine gelegenen Palais Bourbon weiter entfernt scheinen zu lassen. Vor dem Gebäude hat sich eine Menschenmenge aus Kavalleristen und Zivilisten gebildet, die zu bizarren Wesen am Himmel aufschaut. Wale, fliegende Fische, eine von mehreren Pferden gezogene Kutsche ziehen über Paris. Zu sehen ist auch ein neuseeländisches Kriegskanu, welchem Méryon während seiner Zeit bei der französischen Marine in Neuseeland begegnete. Die Wesen sind zwar wild, aber nicht alle sind schreckliche, böse Gestalten. Die Motive wurden oft mit Méryons Wahnvorstellungen und Halluzinationen, die ihn plagten, verbunden. Dabei handelt es sich durchaus um Wesen, wie sie in der zeitgenössischen Illustration üblich waren und in der Kunst seit Hieronymus Bosch bekannt sind. | Melanie Wilken

Dessin automatique

Dessin automatique

Im Jahre 1924 lernte André Masson den theoretischen Kopf der Surrealisten, André Breton, kennen und übertrug dessen auf die Literatur bezogene Methode des unkontrollierten Schreibflusses – Écriture automatique – auf bildnerische Verfahren. Der Titel des Werkes „Dessin automatique“ (Automatische Zeichnung) bezeichnet die dem Werk eigene Methode seiner Entstehung: Er beschreibt jenen Prozess, in dem die spontane Ausdruckskraft des Unbewussten von selbst Bilder hervorbringt, die sich dem rationalen und bewussten Denken entziehen. Diesen Prozess zu formulieren, vermochte keiner besser als Masson selbst: „Wenn man sehr rasch arbeitet, ist die Zeichnung mediumartig, als würde sie vom Unbewussten diktiert. Die Hand muss hinreichend schnell sein, damit das bewusste Denken sich nicht einschaltet und die gestische Bewegung kontrollieren kann […] Wenn das Bild erscheint, nehme ich es an und verwerfe es nicht […] Ich sehe es erst, wenn die Zeichnung fertig ist, nie vorher.“ Um den Gestaltungswillen des Künstlers auszuschalten und um den anderen im Verborgenen schlummernden Kräften und Trieben freien Lauf zu lassen, versetzten sich die Surrealisten bisweilen mit Rauschmitteln und Hypnose in Trancezustände. Betrachtet man die Ergebnisse dieser exzessiven Séancen am Beispiel von Massons „Dessin automatique“, so wird deutlich, dass der Schaffensprozess des Unbewussten, anders als erwartet, etwas entstehen lässt, was nicht intendiert war: scheinbar absichtsvoll gestaltete Formen. So entspringen der wabernden Gestalt aus verschlungenen Linien immer wieder anthropomorphe Elemente wie Hände, Brüste oder Füße. Als Form kontinuierlicher Wandlung zeigt auch diese Zeichnung die Metamorphose des Menschen in ein anderes Element, zeigt dessen Auflösung ins Formlose. | Melanie Franke

Phantasien über einen gefundenen Handschuh, der Dame, die ihn verlor, gewidmet

Phantasien über einen gefundenen Handschuh, der Dame, die ihn verlor, gewidmet

Der erst 21-jährige Max Klinger trat 1878 in Berlin erstmals öffentlich hervor und fand sofort kritische Beachtung. Im Berliner Kunstverein zeigte er die aus Verehrung für die schöne Brasilianerin T. gezeichneten Blätter Phantasien über einen gefundenen Handschuh, der Dame, die ihn verlor, gewidmet. »Ihre Originalität war so tief und so barock, sie waren so unähnlich Allem, was man früher in dieser Art gesehen, dass kein Besucher gleichgiltig [sic] daran vorbeiging. Der gewöhnliche Berliner war allerdings nicht ganz klar darüber, ob dies Genialität oder Wahnwitz sei«, schrieb der Kunst-kritiker Georg Brandes. Andere mutmaßten, Klinger versuche »das Publikum durch Absonderlichkeiten und Verschrobenheiten seines Sujets anzulocken «. Das aber war Klingers Intention nicht: Die intime Form der Zeichnung erschien ihm, ähnlich der Poesie, als eine Möglichkeit, »gegen das Unschöne « anzugehen. Klinger, ein Bewunderer Goyas und Böcklins, erfand mit Leichtigkeit treffende, suggestive Bilder und Motive. Der vorliegende Zyklus schildert Zustände heftiger Verliebtheit. Die Ängste und Wünsche machen sich an dem Handschuh fest, den die Begehrte auf der Rollschuhbahn verlor. Nach zwei realistischen Einleitungsblättern gewinnt das Geschehen ein fantastisches Eigenleben. Der verlorene Handschuh wird zum Fetisch, der stellvertretend die Gefahren und Freuden der Liebe erleidet: Er wird aus Seenot gerettet, gleitet als Triumphator bei aufgehender Sonne über die See, empfängt am Ufer die Huldigung der rosengespickten Wellen, wächst, wieder im Wasser, zu bedrohlicher Größe an, liegt ganz real und scheinbar sicher auf einem Tischchen und wird auf dem nächsten Blatt von einem drachenartigen Wesen durch die nachtdunklen Lüfte entführt. Durch die geborstenen Fensterscheiben recken sich ihm zwei Arme nach, aber sie können das Tier mit der kostbaren Reliquie im Schnabel nicht zurückhalten. Die letzte, morgendliche Ansicht zeigt Amor mit abgelegten Waffen und dem nun ruhenden Handschuh unter einem Rosenbusch. Klinger, der seine Bilder oft im Halbschlaf entwickelte, kannte wohl bereits frühe Veröffentlichungen zur Traumforschung, das bereicherte seine Symbolik. Er bringt, wie es in Träumen häufig vorkommt, in seinen Bildern entfernte Dinge zueinander oder verrätselt reale Situationen, wie er es an Böcklin bewundert hatte. De Chirico wiederum sah seine Arte metafisica bei Klinger vorgeprägt. Ein handgeschriebenes Gedicht, Hommage überschrieben, verzierte er mit einer Skizze nach dem gleichlautenden sechsten Blatt der Paraphrasen über einen Handschuh. | Angelika Wesenberg

Le papier timbré

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Auf diffus-grauem Grund, mit Akzenten in Gelb, Türkis und Rosé versetzt, verläuft leicht links von der Bildmitte eine vertikale Achse feiner Stricheleien und Gekritzel, durchbrochen von einigen horizontalen Elementen. Oben links im Bild ist ein Stempel der Französischen Republik zu erkennen, in dem Justitia mit Zepter und Waaagschale dargestellt ist, ihm gegenüber ist auf der rechten Seite die Nummer RB37950 platziert. Diese systematisch erstellte Nummer steht im Gegensatz zu der wilden Zeichenexplosion des Blattes, aus dem immer wieder anthropomorphe Gebilde aufblitzen. Unter dem Symbol der Gerechtigkeit findet ein Gemetzel statt, gewaltsam entstehen Krater und Wunden, an einigen Stellen meint man Narben zu entdecken, an anderen gar Spuren von Schießpulver. Zwischen schriftähnlichen Zügen entdeckt man Gesichter, Körper, hier eine Figur wie von Giacometti, dort ein Segelschiff. Die wie sehr häufig in WOLS’ Werken um eine zentrale Achse konstruierte Komposition erinnert darüber hinaus entfernt an einen Rorschachtest, der die Befindlichkeit des Patienten durch Assoziationen ausloten soll. Geht es hier um die Befindlichkeit der Republik nach dem Zweiten Weltkrieg? Zahlreich waren die Deutschen, darunter auch WOLS selbst, gewesen, die sich in diesem Land auf der Flucht vor dem nationalsozialistischen Regime in der Falle gesehen hatten, insbesondere nachdem die Regierung von Vichy dieses aktiv und in vorauseilendem Gehorsam unterstützt hatte. Besonders reizvoll an diesem Werk ist die von WOLS inszenierte Konfrontation der aufgestempelten, formell-bürokratischen Elemente mit dem ästhetischen Chaos seiner Zeichnung und Farbgebung. | Kristina Lowis

Kinder, die Frühling spielen (Konstruktionen mit Tzirfgelenken)

Kinder, die Frühling spielen (Konstruktionen mit Tzirfgelenken)

Bellmers zentrales Motiv ist die Puppe, von der in den 1930er Jahren mehrere Varianten auch in Form von Objekten entstanden. Frei von den moralischen Zwängen der Gesellschaft schaffte Bellmer sich ein künstliches Wesen mit jenen Reizen, die ihn faszinierten. Immer wieder wird sein erotisches Verhältnis zu dieser Kunstfigur als Symbol für seine persönlichen psychischen Konflikte sowohl mit der eigenen Kindheit als auch mit der Erotik der Kind-Frau (Femme-enfant) gesehen. Das in den Puppen entwickelte Motiv der Gestänge und Kugelgelenke kehrt in seinem Œuvre häufig wieder. Auch in „Kinder, die Frühling spielen (Konstruktionen mit Tzirf gelenken)“ sind Gelenkkonstruktionen wie Stangen und Scharniere prothesenartig mit einzelnen Körperfragmenten, Brust, Gesäß und Teilen des Kopfes, kombiniert. Umspielt werden die Fragmente von kindhaften Plisseeröckchen und Schleifen, Attributen, die Mädchen zu eigen sind. Im Hintergrund spielt das konstruktive Fragment eines Mädchens mit einem Reifen, ein Motiv, das Bellmer häufig in seinen Werken verwendet. Auch die Glasmurmel, nach der das Gelenk des vorderen Mädchens greift, wird aus dem Bereich des Kindlichen ins Sexuelle verschoben, denn für Bellmer ist sie Zeichen seines Begehrens: „Tatsächlich waren gewisse Dinge ihres Bereiches seit je begehrt. […] Doch war eine farbige Glasmurmel […] allein im Stande, die Vorstellungen nach einer offenbar beunruhigenden Seite zu erweitern.“ Der harmlose Titel, der das unbekümmerte Spiel junger Mädchen suggeriert, steht der Pervertierung entgegen. Durch Deformation und Mechanisierung des kindlichen Körpers verwandelt Bellmer die menschlichen Körperteile in Zentren sexueller Wünsche. Zeitgleich setzte er diese Obsessionen in dreidimensionaler Form um. Er konstruierte ein Objekt aus hölzernen Gelenken („Mitrailleuse en état de grâce“ (Maschinengewehr im Stande der Gnade), 1937), welches ebenfalls aus anthropomorphen Versatzstücken, Gesicht-Gesäß, Kugelbrüsten und Gesäß- oder Beinschaufeln, besteht. | Melanie Franke/Nadine Ott

Komposition

Komposition

Baumeister entwickelte eine Formensprache, die den traditionellen Bildraum thematisiert und zugleich infrage stellt. In der Komposition treffen verschiedene Durchreibungen von Formelementen aufeinander, sie werden so angeordnet, dass eine verhaltene Schwingung sie scheinbar schwebend trägt. Die organische Anmutung der Grundformen, ihr irregulärer Zuschnitt, ein mäandernder Verlauf im Bild sowie eine reliefartige Andeutung verleihen den Elementen Zeichenhaftigkeit. Baumeister erkannte in den Symbolen, Zeichen und Figuren der Höhlenmalerei eine Bildsprache, auf die er in seinem Œuvre immer wieder Bezug nahm. Er beschäftigte sich mit Felszeichnungen, die im damaligen Rhodesien entdeckt worden waren, sowie mit anderen alten Kulturen, sammelte prähistorische Funde, Kleinskulpturen und Werkzeuge. So begegnet man in „Komposition“ Formen, mit denen sich Verschiedenes assoziieren lässt wie unbekannte Kleinstlebewesen, kalligrafische oder zufällige Fragmente, die sich zu einer geheimnisvollen Ordnung konstellieren. Hierin vermag sich Baumeisters mystische Sicht auf die Welt auszudrücken, in der er unbekannte Kräfte vermutete. In seiner noch 1943 während des Krieges entstandenen und 1947 veröffentlichten Schrift „Über das Unbekannte in der Kunst“ legte er seine Auffassung von der Kunst dar. Demnach kommt dem Schaffensprozess bei der Motivfindung eine besondere Rolle zu, denn das Motiv entsteht erst aus diesem heraus, scheinbar ganz von selbst. Baumeister zufolge setzt sich der Künstler zu Beginn des Schaffens zwar immer ein Ziel, allerdings kann dieses nur ein „Scheinziel“ sein. Denn während des Prozesses schleichen sich andere, unbekannte Kräfte ein. Sie lassen den Künstler zunächst scheitern, verhindern sie doch, dass er zu einem anderen Resultat als dem vorher anvisierten kommt. In Baumeisters Sinne ist die Abweichung freilich kein Verlust, sondern der erstrebenswerte „schöpferische Winkel“. Seine Schrift „Über das Unbekannte in der Kunst“ gehört zu den künstlerischen Statements gegen die Herrschaft des Nationalsozialismus, die in der Nachkriegszeit fundamentale Bedeutung für die Rezeption der Moderne erlangten. | Melanie Franke