Logo

Je suis venu comme j'avais promis, Adieu

Ident. Nr.: SSG 284

ObjID: obj:1066155

n/a

Details (expert)

Involved
Yves Tanguy (1900 - 1955),
Künstler*in
Dating
1926
Additional titles
Collection title: Je suis venu comme j'avais promis, Adieu
Ich bin gekommen, wie ich versprochen hatte, Adieu
Translation: I Have Come as I Promised, Goodbye
Geographical references
Material / Technique
Öl auf Leinwand und Collage
Dimensions
Höhe x Breite: 100 x 73 cm

Object Description

Yves Tanguy ist der große Landschaftsmaler unter den Pariser Surrealisten. Als künstlerischer Autodidakt, der sich einer Berufsausbildung fintenreich verweigerte, fertigte er 1925 erste Ölgemälde an. Vorher waren einige Zeichnungen und Gouachen entstanden, die teilweise vom Kubismus, Dadaismus oder auch von der Malerei Giorgio de Chiricos beeinflusst waren. 1925 kam er in Paris zu ersten Kontakten mit den Surrealisten. 1926 wurde er schließlich in den Kreis der Pariser Surrealisten aufgenommen. In diesem Jahr entstand auch das heute in der Sammlung Scharf-Gerstenberg befindliche Gemälde, das eines der frühesten erhaltenen Werke des Künstlers ist. Die rätselhafte Szenerie spielt in einer Dünenlandschaft; in der linken Bildhälfte des Hochformats befindet sich im Vordergrund ein schlanker, an eine Schultüte erinnernder Kegel, dessen Spitze nach oben in den Himmel ragt. In dunkelgrauer Farbe angelegt, wurde er von Tanguy anschließend mit einer ornamentalen Ritzzeichnung versehen. Begleitet und überlagert wird die Form von einer aus demselben Grauton mittels Beimischung von Weiß aufgehellten, in einzelnen Schwaden auslaufenden Rauchwolke. Ihr entspricht im Vordergrund der rechten Bildhälfte eine weißlich-blaue Formation, die über dem Sandboden zu schweben scheint. Am Horizont der Landschaft wird der Oberkörper einer menschlichen Figur sichtbar, die Tanguy als Collage in das Gemälde eingefügt hat. Auf Augenhöhe der Figur in der rechten Bildhälfte befindet sich vor einer grauen Wolke ein kleinerer Fisch. Von der Wolke geht ein aus acht schwarzen Linien gebildetes Strahlenbündel aus, das in Richtung der kreisförmigen Grundfläche des Kegels verläuft und in seinem Umriss wie ein Schatten des Kegelgebildes anmutet. Durch das Schweben der schlierenartigen Rauchgebilde und besonders durch den Fisch am Horizont ist unklar, ob es sich bei der von Tanguy erfundenen Darstellung um eine Landschaft unter Wasser (am Meeresboden) oder eine Strandlandschaft handelt. Den Titel des Werkes vergab Tanguy erst im Frühjahr 1927 anlässlich seiner ersten Einzelausstellung in der Pariser Galerie Surréaliste. Er verdankte diese dem Einfluss von André Breton, dem intellektuellen Kopf der Pariser Surrealisten. Als Quelle für den Titel ist auch die Publikation Traité de métapsychique von Charles Richet (1922) zu nennen, die bald den Rang eines parapsychologischen Klassikers erlangte. Der Titel des Werkes von Tanguy ist ein Zitat aus dem von Richet dokumentierten Bericht über die (telepathische) Voraussage eines Todesfalles durch einen bereits Verstorbenen. | Andreas Schalhorn

Last updated: 17.07.2026

Contact

Institution:

Sammlung Scharf-Gerstenberg

Additional items from the collections

Le petit pont

Le petit pont

Charles Méryons dokumentierte alte Pariser Straßen und Winkel, die von der abrisswütigen ‘Haussmannisation’ im 19. Jahrhundert betroffen waren. Alte Quartiere mit ihren kleinen Häusern und Gässchen mussten zwischen 1853 und 1869 den neuen Bebauungsplänen für die französische Hauptstadt, die von Georges-Eugène Baron Haussmann für Napoleon III. entworfen worden waren, weichen. Die Bauvorhaben mehrstöckiger Bauten europäischen Stils und großer Boulevards zerstörten viele der kleinen mittelalterlichen Straßen und Viertel von Paris. Die zwischen 1850 und 1854 entstandene Serie „Eaux-fortes sur Paris“ (Paris-Radierungen) umfasst 22 Blätter und zeigt vorwiegend das mittelalterliche Paris. „Le petit pont“ (Die kleine Brücke) ist als erstes Blatt dieser Reihe entstanden. Radierungen wie diese sind jedoch keine objektiven, rein dokumentarischen Ansichten des Künstlers der Stadt, sondern es sind persönliche Eindrücke, die als Metapher einer versinkenden Welt verstanden werden können. Die dargestellte alte Brücke und das „Hôtel Dieu“ (Armenkrankenhaus) wurden kurz nach Fertigstellung der Grafik abgerissen. Fotografische Aufnahmen der Commission pour la Conservation des Monuments Historiques zeigen allerdings, dass Méryon in der Darstellung „Le petit pont“ einen Straßeneinschnitt zwischen den Gebäuden unterschlagen hat und dennoch die Fassaden der Häuser nicht angeglichen sind, sodass die Häuserfront wie eine Montage wirkt. Durch Veränderungen der tatsächlichen topografischen Situation steigerte Méryon die Raumwirkung der städtischen Landschaft. | Melanie Wilken

Weib u. Tier

Weib u. Tier

Eine weibliche Aktfigur, die wie eine Skulptur aus einem Steinblock herauswächst, lockt ein gazellenartiges Tier mit einer Blume. Das Tier erhebt sich auf den Hinterläufen und macht so ‘Männchen’. Laut Klee symbolisiert es „das Tier im Menschen (im Manne)“. Während in der ersten, im Juli 1903 entstandenen Fassung der Radierung ein geifernder Köter das Geschlecht einer hilflos gestikulierenden Frau beschnüffelt, ist das Verhältnis in der zweiten Fassung, die vom November 1904 datiert, ausgeglichener. Das Tier ist schlanker und mit einem Bockshorn ausgestattet, die Frau steht zwar abgewandt, doch wendet sie Kopf und Arm dem Tier zu. „In Beziehung auf die Psychologie der Handlung steht die Arbeit jetzt insofern höher“, erläuterte Klee seiner Verlobten Lily, „als das Weib sich nicht mehr passiv verhält, das heißt erschrickt, sondern seinen Trieb, zu coquettieren, auch im Moment der brutalen Entscheidung nicht lassen kann.“ Für den satirischen Kommentar auf das Verhältnis der Geschlechter zueinander verwendete Klee verschiedene Motive aus der Kunstgeschichte. Die Frauenfigur geht auf eine antike Statue des Praxiteles zurück, wobei Klee das Venus-pudica- Motiv des Verhüllens der Scham zu einem „Venus- Koketterie-Motiv“ (Gregor Wedekind) des Enthüllens macht. Die sexuell aufgeladene Beziehung zwischen Frau und Tier ist der Grafik des 19. Jahrhunderts entlehnt und begegnet dort unter anderem bei Max Klinger und Félicien Rops. Der zeichnerische Stil, den Klee 1919 rückblickend als „gotisch-klassisch“ bezeichnete, verweist auf die Grafik des 15. Jahrhunderts, vermittelt durch den Einfluss Ferdinand Hodlers, was insbesondere die monumentale Isolierung der Figuren vor dem schwarzen Aquatinta-Hintergrund betrifft. Klee nutzt die groteske bis hässliche Abweichung von der klassischen Form, um die Fragwürdigkeit gesellschaftlicher Ideal- und Rollenbilder wie etwa der reinen und keuschen Frau oder des Edelmannes zu demonstrieren. Die zweite Fassung der Darstellung nahm Klee als Nummer 1 in seinen elf Radierungen umfassenden Zyklus „Inventionen“ auf, mit dem er sich als Grafiker etablieren wollte. | Dieter Scholz

Modemadonna

Modemadonna

Abgegriffen und zerknittert, erscheint die „Mode-Madonna“ auf den ersten Blick wie ein oft betrachtetes und berührtes Ikonenbildchen. Bei genauerem Hinsehen entpuppt sie sich jedoch als eine der „Merz“zeichnungen Kurt Schwitters. Eine schwarz-weiße gedruckte Mariendarstellung hat der Künstler auf ein farbiges Etikett geklebt. Nachträglich hinzufügte Rillen bilden – einem Heiligenschein gleich – einen Halbkreis um den Kopf der Muttergottes. Unter ihr lassen sich die Worte „Manoli“ und „Diva“ entziffern, die sich unten im Rahmen wiederholen. Kurt Schwitters war selbst in der Werbung tätig und schätzte die wechselseitige Einflussnahme von Kunst und Reklame. Daher verwendete er kaum zufällig ein Zigarettenetikett der Marke „Diva“ der Berliner Firma Manoli, welche in ihrer Reklame das Bild der mondänen Frau prägte. Schwitters spielt hier auf das Rollenverständnis der Frau der 1920er Jahre zwischen Modernität und Mütterlichkeit an. Die Frauen konnten nun der Passivität entfliehen, seit 1919 durften sie wählen und sich an der Universität habilitieren. Erstmals rauchten Frauen. Besonders in Berlin zeigte sich die neue Freiheit auch in der Mode: Bubikopf, Hosen und vor allem die Zigarettenspitze waren Kennzeichen der weiblichen Emanzipation, die gerade erst begonnen hatte. Die Geburtenrate hingegen war stark rückläufig, daher wählte Schwitters für seine Ikone eine Maria ohne Jesuskind. Das Blatt stammt aus dem Besitz von Hannah Höch, der einzigen Frau unter den Berliner Dadaisten, mit der Kurt Schwitters eng befreundet war und deren poetisch-skurrile Collagen seiner eigenen Arbeit sehr nahestehen. | Silke Krohn