Logo

Baumwollherstellung in der Provinz Kawauchi

Ident. Nr.: 3669

ObjID: obj:1079109

Schenkung Marie Meyer und Ernst Grosse

Details (expert)

Creator/Entity
zugeschrieben: Tosa Mitsuoki 土佐光起 (1617 - 1691),
Maler*in
Date(s)
Edo (Tokugawa)-Zeit
Mitte oder 2. Hälfte 17. Jh.
Systematics/Type
Geographical references
Japan,
Land
Dimensions
Objektmaß: Höhe 33,1 x Breite variabel 80 - 678,5 cm cm
Acquisition
Nachlass/Vermächtnis von Marie Meyer / Ernst Grosse: Schenkung Meyer-Grosse 1919

Object Description

Die Provinz Kawauchi bei Osaka gehört seit dem Mittelalter zu den wichtigen Produktionsstätten für Baumwolle in Japan. Die detaillierte Darstellung aller Stadien des Herstellungsprozesses – Pflücken der Baumwolle, Verarbeitung, Verschnüren der Pakete für den Schiffstransport, Garngewinnung, Weben – ist jedoch selten. Bekannt sind bisher vornehmlich Holzschnittbücher, in denen bestimmte Vorgänge abgebildet werden. Umso wertvoller ist dieses Werk, das offensichtlich aus der Hand eines vorzüglichen Malers des einheimischen Malstils (j. Yamato-e) stammt.
Charakteristisch für diesen Malstil sind die weichen gerundeten Konturlinien, der extensive Gebrauch von kostbaren Farbpigmenten wie Azurit-Blau und Malachit-Grün in opakem Auftrag sowie die Anwendung von Wolkenbändern als räumlichem Gliederungselement.
Zwar weist diese Querrolle auf ihrem ersten Blatt ein rundes Siegel und eine Signatur auf, die Tosa Mitsuoki als Maler benennen, aber da deren Platzierung am Anfang der Rolle überaus ungewöhnlich ist und das Siegel sonst nicht nachgewiesen werden kann, gilt die Signatur nicht als authentisch. Mitsuoki leitete von 1654 bis 1681 das Malereiamt, edokoro, am Kaiserhof in Kyoto und gilt als bedeutendster Vertreter der im vierzehnten Jahrhundert begründeten Tosa-Maltradition im 17. Jahrhundert. Tosa-Maler fertigten durchaus häufig Darstellungen von Herstellungsprozessen oder unterschiedlichen Berufsgruppen für ihre Auftraggeber aus der gesellschaftlichen Elite an. Zu dieser sozialen Verortung passt auch die Ausblendung der Härten und Mühen der Arbeit, die hier farbenfroh und mit Leichtigkeit von der Hand zu gehen scheint. Insofern ist eine Zuordnung an einen Maler im einheimischen Stil aus der Schaffenszeit Mitsuokis in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts trotz der zweifelhaften Signatur vorstellbar.

Last updated: 15.12.2025

Contact

Institution:

Museum für Asiatische Kunst

Additional items from the collections

Die Großen Sutren der Vollkommenen Weisheit

Die Großen Sutren der Vollkommenen Weisheit

Zu den heiligsten und wichtigsten Texten des Mahâyâna-Buddhismus gehören die insgesamt 600 Kapitel umfassenden "Großen Sutren der Vollkommenen Weisheit" (sanksr. Mahâ-prajnâpâramitâ-sûtra, jap. Dai-hannyaharamitta-kyô), welche der berühmte chinesische Pilgermönch Xuanzang (596-664) aus Indien mitgebracht und zwischen 659 und 663 ins Chinesische übersetzt hatte. Dieser buddhistische Lehrtext enthält Predigten, die Buddha in 16 Zusammenkünften auf dem Geierkopfberg in Magadha und an drei anderen Orten vor seinen Schülern und Laienanhängern gehalten haben soll. Seit dem achten Jahrhundert war es unter der Aristokratie und dem Klerus Japans ein beliebter Brauch, Sutrentexte auf kostbar verziertem Papier abzuschreiben. Die Vervielfältigung der heiligen Schrift wurde einerseits als religiöse Übung erachtet, andererseits erhoffte man damit auch heilbringende Wirkungen. Für die Sutrenabschriften wurde meist Papier verwendet, das mit Indigo dunkelblau gefärbt wurde. Für die Schrift und die begleitenden Illustrationen benutzte man Gold und Silber. Der Berliner Satz soll ursprünglich 60 Miniaturrollen umfasst haben. 10 Rollen wurden jedoch bereits im Jahre 1784 wegen Insektenfraß entfernt. Die übrig gebliebenen 50 Rollen enthalten je 10 Kapitel, wobei das äußere Deckblatt, hyôshi, mit prächtigen, stilisierten Blütenranken, hosoge, verziert ist. Auf dem Deckblatt ist auch eine Kartusche vorgesehen, in der die Nummerierung der jeweiligen Rolle sowie der Titel geschrieben ist. Auf der Innenseite fangen alle Rollen mit einer szenischen Darstellung von Buddhas Predigt vor seinen Schülern und Laienanhängern an. Eingebettet wird diese Szene in eine stilisierte, nicht näher identifizierbare Landschaft. Danach folgen die einzelnen Kapitel, die jeweils mit einem Titel voneinander getrennt sind. Mehrere Rollen sind jeweils in einem Schwarzlackkästchen untergebracht, das auf der Innenseite auf Rotlackgrund mystische Bannsilben im sogenannten Siddham-Alphabet trägt. Sechs solcher Kästchen, von Brokathüllen umgeben, füllen den großen, in der Negoro-Technik lackierten Aufbewahrungskasten. Der Kastendeckel ist mit einer chinesischen Gedichtaufschrift versehen. In einer illustrierten Chronik der Provinz Settsu aus dem Jahre 1797 wurde der Berliner Satz, der sich damals im Besitz des Jingu-Tempels in Sumiyoshi, Ôsaka, befand, erwähnt. Gemäß Akisato Ritô, dem Verfasser der Chronik, stammen Schrift und Bild von der Hand der Kaiserin Kômyô (701-760). Die technische Ausführung der Malerei deutet jedoch auf eine Arbeit des 12. Jahrhunderts hin.