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Ident. Nr.: IV Ca 46871

ObjID: obj:108599

Details (expert)

Creator/Entity
Walter Lehmann (16.9.1878 - 2.7.1939),
Sammler*in
Geographical references
Material / Technique
Stein
Dimensions
Objektmaß: 39 x 36,5 x 61,5 cm
Andere Maße: Stärke (Arbeits-/Sitzfläche): 4,5 cm

Object Description

Großer, unverzierter Reibtisch mit drei hohen, zylindrischen Beinen. Das steinerne Objekt besitzt einen planen, rechteckigen Bodenstein, dessen Schmalseiten nach oben gewölbt sind. Seine schrägen Beine haben spitz zulaufende Enden. Die restaurierte Arbeitsplatte besitzt eine große Bruchstelle, die entlang ihrer zweibeinigen Schmalseite verläuft.

Das unverzierte Objekt scheint für alltägliche Zwecke benutzt worden zu sein. Es kann keiner archäologischen Kultur zugeordnet werden. Soziale Bedeutung: Reibtische dienten vor allem zur Zubereitung von Wurzelknollen und Körnerpflanzen, die spätestens seit der Periode IV (500d.C.-1000a.C.) bei vielen indigenen Gruppen des südlichen Zentralamerika eine große Bedeutung für die Ernährung besaßen. Auf randlosen Bodensteinen wurden hauptsächlich Yuca und Mais zerrieben. Eingetiefte Arbeitsflächen zeigen wahrscheinlich die Verarbeitung von Baumfrüchten (Pejibaye, Cacao) an. Torres de Araúz (1972) vermutet, daß die Zeremonialmetates des Fundorts Barriles (Region Gran Chiriquí) zur Vorbereitung kollektiver Trinkfeste (chichadas) dienten. Die rituellen Gelage spielten wahrscheinlich eine wichtige Rolle im Totenkult und bei der Widerverteilung von Nahrungsmitteln. Große Reibtische wurden außerdem als Sitze (Hartman 1907: 20, Fig. 13). Kleine metates verwendete man dagegen zur Verarbeitung von Schoten (Pfeffer) und Farberden (curiol) sowie als Ablage für rituelle Gaben (Mason 1945: 222). Symbolische Bedeutung: Reibtische treten als unverzierte Haushalts- und als dekorierte Zeremonialobjekte auf. Die flachen, schmucklosen Gebrauchsgegenstände des Zentralen Hochlands hatten oft nur eine geringe Größe. Die reich verzierten Ritualmetates der Region Gran Chiriquí konnten dagegen über zwei Meter lang sein. Hartman (1907: 39, Pl. 47) schätzt, daß allein im Gräberfeld von Las Huacas (Region Gran Nicoya) über 2000 Zeremonialmetates niedergelegt wurden. Historisch-ethnographische Analogie: die modernen cuna der panamaischen Atlantikküste (Narganá-Yantup) verwendeten für Reibtische und -steine genderspezifische Benennungen. Wannenförmige Untersteine galten als “Muttersteine“ (akkwanan). Kurze Läufersteine wurden als “Tochtersteine“ (akkwa siskwa) bezeichnet (Wassén 1947: 17, Fig. 4).

Kulturelle Bedeutung: Reibtische (metatl) zählen zu den Steinartefakten, die aus Geröll hergestellt wurden. Sie bilden zusammen mit Reibsteinen (metlapilli) einen Funktionskomplex, der im südlichen Zentralamerika ab 1000a.C. den Beginn bodenbäuerlicher Praktiken anzeigt (Cooke 1984: 263-304; Corrales Ulloa et al. 1988: 65f.; Drolet 1988: 173f.; Hoopes 1996: 31f.; Linares und Ranere 1980: 245). Nach der Gestaltung des Bodensteins werden wannenförmige, rechteckige, ovale und runde Objekte unterschieden. Sie können Beine oder Füße besitzen. Nur der wannenförmige Typ hat keine Stützelemente (Chaves Chaves und Fontana Coto 1993: 42, 51-62, 64-69). Im Zentralen Hochland von Costa Rica, im Alantischen Tiefland, in der Region Gran Chiriquí und im Gebiet des Gran Coclé treten vor allem vierbeinige Reibtische auf, die eine rechteckige, ovale oder runde Arbeitsfläche haben. In der Region Gran Nicoya wurden dagegen hauptsächlich dreibeinige Reibtische hergestellt, die über eine gewölbte, rechteckige Arbeitsplatte verfügen. Die Objekte wurden in Haushaltskontexten, Vorratsgruben und Gräberfeldern dokumentiert. Sie waren sowohl mit Körper- als auch mit Brandbestattungen assoziiert.
(Künne 2005)

Last updated: 29.07.2026

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Institution:

Ethnologisches Museum

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