Logo

Die Landschaft mit dem Fichtenzweig

Ident. Nr.: 965-13

ObjID: obj:1250019

Details (expert)

Creator/Entity
Ausführung: Hercules Pietersz. Seghers (1589/90 - nach 1633),
Stecher*in
Date(s)
Herstellung: um 1620/1630
Dimensions
Blattmaß: 13,9 x 19,4 cm

Object Description

Seghers' Kunst bildet durch ihre Intensität und ihre Abseitigkeit einen Sonderfall in der niederländischen Kunst des 17. Jahrhunderts und vielleicht in der Kunst aller Zeiten. Sein Einsatz künstlerischer Techniken ist, was die Radierungen betrifft, so eigenwillig, daß dies allein geeignet ist, den Betrachter in den Bann zu schlagen. Aber auch die Darstellungen seiner fast ausschließlich landschaftlichen Gemälde und Radierungen strahlen eine Melancholie aus, die kaum zu überbieten ist. Rembrandt setzte in eine von Seghers Druckplatten seine eigenen Figuren (B. 56), was man nur als Hochachtung vor dessen Graphik verstehen kann.
Zu den Eigentümlichkeiten der Radierungen gehört die Tatsache, daß sie für Seghers offenbar Selbstzweck waren. Unter den 183 bekannten Drucken sind 22 Unikate, d.h. jeweils die einzigen Abzüge von der betreffenden Platte. Unser Stück ist dagegen von einer Platte gedruckt, die in verschiedenen Zuständen zu relativ vielen Abzügen verwendet wurde. Dennoch sind keine zwei Drucke von Seghers identisch. Abzüge auf Papiersorten sowie verschieden feinen Stoffen, die zum großen Teil vorher farbig behandelt sind, Druck in farbigen Tinten, Zerschneiden der Druckplatten zu neuen Kompositionen und mehr oder weniger intensive Übermalung des Druckbildes machen die einzelnen Werke zu Individuen.
Der Druck scheint nicht mehr als ein Gerüst zu geben, in dem erst der Pinsel räumliche Wirkungen installiert. Beispielsweise ist die mittlere Erhebung im bläulichen Hintergrund unseres Stückes im Druck selbst als solche nicht erkennbar. Trotzdem wird sie auch in mehreren anderen Abzügen an diese Stelle gesetzt, ein Zeichen dafür, daß der Künstler sehr bestimmte Ziele verfolgte.

Text: Gero Seelig in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 207f., Kat. IV.55 (mit weiterer Literatur)

Last updated: 24.09.2026

Contact

Institution:

Kupferstichkabinett

Additional items from the collections

Entwurf zu einem Denkmal für Friedrich den Großen auf dem Leipziger Platz in Berlin

Entwurf zu einem Denkmal für Friedrich den Großen auf dem Leipziger Platz in Berlin

1797 sah der junge Karl Friedrich Schinkel in der Berliner Akademie-Ausstellung den epochalen Entwurf des aufstrebenden, von der französischen Revolutionsarchitektur beeinflussten Architekten Friedrich Gilly für ein Denkmal Friedrichs des Großen auf dem Leipziger Platz. Das Werk beeindruckte ihn zutiefst, es war das Inaugurationsbild für seine eigene Laufbahn als Künstler und Architekt.Friedrich Gilly schuf das Denkmal für Friedrich den Großen anlässlich eines Preisausschreibens von 1796. Das Werk gilt als das Schlüsselbild der nachbarocken, modernen Architektur in Berlin um 1800. Es reflektiert das veränderte Selbstverständnis des Baumeisters als Baukünstler und stellt eine mediale Neuheit dar. Denn zweifellos geht nicht nur von dem Thema und der eigenartigen Verbindung ägyptischer und griechisch-römischer Stilelemente ein besonderer Reiz aus, sondern vor allem auch von der suggestiven Kraft des leicht über Eck gestellten, untersichtigen und raffiniert beleuchteten Architekturbildes. In einer derartig malerischen Inszenierung und pathetischen Entrückung des Denkmals gehen Bild, Bau und Thema eine Symbiose ein. Überdies ist das Architekturbild nicht mehr im Werkprozess verortet. Es kann vorlaufender Entwurf wie nachträgliches Dokument oder auch eine zeitlose Architekturphantasie sein und wirkt dann unmittelbar ins Geschichtliche hinein, wenn es sich um eine Rekonstruktion handelt, sei es einer Idee, die ungebaut blieb oder verunklärt wurde, sei es eines historischen Denkmals. Ein reales Gebäude kann schon in der Planung vom Entwurf abweichen, gewiss aber verändert es sich, verfällt oder verschwindet in der Zeit. Starke Bilder dagegen konservieren die Absichtsgestalt mitsamt dem räumlichen Ambiente und vermitteln diese an die Mit- und Nachwelt. Das gehört bis heute zum Kalkül eines modernen Architekten.Weitere Forschungen sowie eine gründliche technische Untersuchung und vorsichtige Restaurierung werden das Verhältnis des hier ausgestellten, bekannten Stücks zu einer Variante klären, die sich ebenfalls im Kupferstichkabinett befindet (Kupferstichkabinett, Inv. SZ Gilly 1).Text: Heinrich Schulze Altcappenberg, 2012 (nach dem Ausstellungskatalog Schinkel 2012)