Logo

Stachelschwein

Ident. Nr.: KdZ 1812

ObjID: obj:1352333

Details (expert)

Creator/Entity
Ausführung: Jean-Baptiste Oudry (17.3.1686–30.4.1755),
Zeichner*in
Date(s)
Herstellung: um 1730-1740
Systematics/Type
Dimensions
Blattmaß: 22,1 x 26,9 cm
Acquisition
Alter Bestand

Object Description

Blickfang der Zeichnung ist das Stachelkleid, das Oudry mit kurzen, unregelmäßig und explosionsartig gesetzten Strichen auf blauem Tonpapier zu malerischer Wirkung bringt. Es dient ebenso wie das in weichen Strichen hell aufzüngelnde Stirnhaar dem effektvollen Ausdruck des Erschreckens. Das Auge weit geöffnet, die Krallen auf den Boden gestemmt und die Stacheln hoch aufgerichtet, zeigt der Zeichner das Tier im Moment der Gefahr. Indes teilt sich die Erregung durch den Tierkörper selbst, dem atmenden Organismus, nicht mit. Trotz des weich und dunkel gezeichneten Fells gewinnt er kein körperfestes Volumen. Auch die Nackenlinie und die linke Hinterpfote bleiben anatomisch unklar. Deshalb wurde die Zeichnung wahrscheinlich nicht nach der Natur angefertigt. Opperman [Jean-Baptiste Oudry, London 1977, II, Nr. D 739] nimmt an, daß Oudry hier eine Ölstudie von Pieter Boel, Musée de Rennes, vorlag, entstanden als Entwurf für die Gobelins-Manufaktur in Paris. Oudry wurde 1734 Direktor der Manufaktur in Beauvais und kannte spätestens seit diesem Zeitpunkt die Vorlagen Boels, die er mehrfach kopierte.
Gleichwohl zeigt das Blatt in der effektvollen Gestaltung die charakteristischen Merkmale der Tierdarstellungen Oudrys. In exaltierten Bewegungen, elegant silhouettierten Körperlinien und detailgetreuer Wiedergabe der Außenhaut bringt Oudry die Tiere zu dekorativer Wirkung, die er allerdings nur um den Preis einer naturnahen Darstellung erreicht. Das Raffinement seiner Jagd- und Tierstücke ließ ihn zu einem der geschätztesten und bedeutendsten Tiermaler seiner Zeit werden. Seine Kompositionen waren am Hofe Ludwigs XV. und beim französischen Adel begehrt; auch der Großherzog Christian-Ludwig II. zu Mecklenburg-Schwerin gehörte zu seinen Gönnern; deshalb besitzt das Staatliche Museum Schwerin die reichste Sammlung von Gemälden und Zeichnungen Oudrys.

Text: Margret Kampmeyer-Käding in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 319-320, Kat. VI.17 (mit weiterer Literatur)

Last updated: 15.12.2025

Contact

Institution:

Kupferstichkabinett

Additional items from the collections

Ansicht der Stadt Olevano (Provinz Rom, Italien) mit dem Regenbogen

Ansicht der Stadt Olevano (Provinz Rom, Italien) mit dem Regenbogen

Nahezu während der ganzen Dauer seines jahrzehntelangen Lebens in Rom beschäftigte sich Joseph Anton Koch mit dem Thema Olevano, nachdem er schon 1804 zum künstlerischen Entdecker dieser malerischen Bergstadt geworden war. [...] Fast am Ende einer langen Entwicklung stellt er mit dem vorliegenden Blatt das malerische Sujet in überhöhter, komponierter Übersichtlichkeit dar. Aus vorausgegangenen Naturstudien vom gleichen Standort, von der Casa Baldi aus aufgenommen, die den deutschen Künstlern häufig als Unterkunft diente, gelingt dem Künstler eine Summe seiner Eindrücke. Mit den Mitteln der Vordergrundgruppen, der seitlichen Bäume, des übergreifenden Regenbogens, schließlich der Wolkenbildungen wird Bildmäßigkeit und Wirkung erzielt. Ein kleinerer Entwurf (Kupferstichkabinett, ID-Nr. SZ Koch 19) wird mit unserem Blatt zu Klarheit und Räumlichkeit geführt, wozu die meisterhaft eingesetzten Wirkungen von Licht und Schatten viel beitragen, so daß eine vollendete Zeichnung klassischer Landschaftsauffassung entstand. Für Kochs, aus souveräner Kenntnis urteilenden Biographen, Otto v. Lutterotti, ist sie »...in Komposition und Auffassung, Format und Durchführung wohl der schönste Hymnus, den Koch auf sein geliebtes, hochgebautes Bergnest angestimmt hat. Das Städtchen mit der verfallenen Burg der Colonna ist organisch wie ein Kristall dem Felsen entwachsen, im Vordergrund die ländliche Szene am Brunnen, das Ganze zusammengefaßt vom Regenbogen.«Text: Gottfried Riemann, in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 360., Nr. VII.5 (mit weiterer Literatur)