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Stilleben, Fischfang

Ident. Nr.: M 209

ObjID: obj:1360872

Details (expert)

Involved
Umkreis: Jean-Antoine Houdon (20.3.1741)
Dating
um 1777
Geographical references
Material / Technique
Marmor mit Holzrahmen
Dimensions
Höhe x Breite: 50 x 40 cm (ohne Rahmen)
Gewicht: 15 kg
Höhe x Breite x Tiefe: 60 x 50 x 9,5 cm (Transportmaße mit Rahmen)

Object Description

Das ovale Relief gehört wie sein Pendant (Inv. M 210) zu den wenigen in Marmor ausgeführten Stillleben.

Es zeigt eine Ansammlung toter, an einem Ring aufgehängter Meerestiere. In der Mitte die scherenlose Languste, um die weitere Fische wie u.a. ein Hecht, eine Dorade und zwei Rochen dekorativ arrangiert sind. Die Darstellung schildert eindrücklich den Artenreichtum des Elements Wasser, während das bereits erwähnte Pendant mit der Darstellung von Vögeln das Element Luft widerspiegelt.

Die Gattung des Stillebens erfreute sich in der Malerei des 17. und 18. Jahrhunderts aufgrund ihrer täuschend echten Wiedergabe großer Beliebtheit. Unser Bildhauer, der vermutlich im Umkreis von Jean Baptiste Houdon zu suchen ist, stellte sich hier der Herausforderung, die farbigen Vorbilder mit den Mitteln seiner Kunst - einem monochromen, jedoch dreidimensionelen Stein - noch zu übertreffen. Indem er nicht nur die Materialität des Panzers der Languste und die Schuppen der Fische nachbildete, sondern auch durch die dreiminsionale Schichtung der Tiere ein bewegtes Schattenspiel erzeugte, gelang es ihm, den leblosen, monochromen Stein zum Leben zu erwecken.

Wir haben es hier mit einem so genannten "Paragone" zu tun, womit der Wettkampf der Kunsgattungen gemeint ist, also den Streit, ob die Kunst der Malerei oder die der Skulptur höher zu bewerten sei. Hiermit wird ein bereits seit der Antike überlieferter Wettstreit nachgeeifert, bei der die Künstler die Natur zu übertreffen suchten. Schon der antike Schriftsteller Plinius beschrieb im 35. Buch seiner "Naturalis Historiae" einen Mann namens Possi, der aus Ton Früchte und Trauben schuf, die den echten täuschend ähnlich sahen. Die überzeugende, dreidimensionale Wiedergabe des Bildhauers wurde somit den Werken des antiken Malers Zeuxis gleichgesetzt, dessen gemalte Trauben angeblich sogar die Vögel anlockten.

Last updated: 13.07.2026

Contact

Institution:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Kruzifixus

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Das Kruzifix stammt mit größter Wahrscheinlichkeit aus der Stabkirche von Vang im Valdres-Tal (Oppland, Norwegen), die der Maler Johan Christian Dahl am 18. Januar 1841 für den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. erwerben ließ. Der König wollte die Stabkirche zunächst auf die Pfaueninsel unweit seiner Potsdamer Residenz versetzen. Doch bereits im Winter 1841/42 entschied Friedrich Wilhelm IV., die Kirche nicht als Baudenkmal in Hauptstadtnähe, sondern als Gotteshaus im schlesischen Riesengebirge in Brückenberg (Karpacz Górny) in der Nähe seiner Sommerresidenz Erdmannsdorf (Mysłakowice) wieder aufbauen zu lassen. Von den beweglichen Ausstattungsstücken begleiteten lediglich zwei Leuchter die Kirche nach Schlesien. Es ist unklar, was mit den weiteren Werken aus Norwegen geschah. Sicher ist, dass Friedrich Wilhelm IV. 1845, das Kruzifix als Geschenk an die Kunstkammer überwiesen hat, von wo aus es später in den Besitz des Deutschen Museums überging. Die zeitliche Nähe dieser Schenkung zu der überlieferten Lagerung des Vanger Kruzifixes in Berlin, die Tatsache, dass es sich um königlichen Privatbesitz handelte und die Singularität einer norwegischen Skulptur in den Königlichen Museen lassen keinen anderen sinnvollen Schluss zu, als dass es sich bei Inv. 364 um das Kruzifix aus Vang handelt.Das Kruzifix ist schwer einzuordnen. Sämtliche Details gehören dem 13. Jahrhundert an, sind aber sehr roh und eigentlich kaum verstanden, wie Tuchfalten, Oberkörper und Gesicht demonstrieren. Unter den erhaltenen norwegischen Werken findet sich keines mit einer über Motive hinausgehenden Verwandtschaft. Der erhobene Kopf und die gezackten Locken sind ohne Parallele. Es fragt sich angesichts des ausgeprägten Zickzackverlaufs der Haare und der zeichenhaften Ausbildung des Oberkörpers, ob dem Schnitzer nicht eine Buchmalerei als Vorlage gedient hat, wo gerade diese Elemente besonders ausgeprägt waren. Überhaupt scheint es, als wäre der Bildschnitzer ungeübt im Schnitzen eines Kruzifixus gewesen, hätte aber streng nach einer Vorlage aus dem 13. Jahrhundert gearbeitet. Diese Arbeitsweise spricht jedoch auch gegen die im 19. Jahrhundert übliche Vorgehensweise neugotischer Bildschnitzer. Außerdem muss das Werk deutlich vor 1840 entstanden sein, da es damals keine liturgische Funktion mehr in der Stabkirche hatte. Gemeinsam mit den technologischen Befunden, vor allem zur Fassung (keine älteren Reste unter der heute sichtbaren), und den Erwerbungsumständen bleibt daher nur der Schluss, dass es sich um eine Arbeit der Zeit vor 1800, vielleicht des 18. Jahrhunderts handelt, bei der ein möglicherweise beschädigtes Kruzifix des 13. Jahrhunderts nachgeahmt wurde. Solche Fälle sind im Norwegen des 17. und 18. Jahrhunderts nicht selten.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)