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Thronender Christus

Ident. Nr.: 7772

ObjID: obj:1369311

Details (expert)

Dating
Um 1260/80
Dimensions
Höhe x Breite x Tiefe: 65 x 33,5 x 16 cm
Gewicht: 6 kg

Object Description

Die sehr flach und nahezu reliefartig geschnitzte Figur zeigt einen sitzenden Mann, mit größter Wahrscheinlichkeit Christus, auf einer flachen, schlicht profilierten Bank und wendet sich nach links. Die Komposition wirkt lebendig und dynamisch, nicht zuletzt, da der stoffreiche, über die linke Schulter nach vorn und über den rechten Oberarm geworfene Mantel sowie das Gewand mit relativ sparsam eingesetzten Falten auf die Körperhaltung und vorausgehende Bewegungen reagieren. Die Rechte war weit erhoben, wie die noch erkennbare Position des Ellbogens zeigt, wohl um Maria zu krönen, die neben Christus auf einer eigenen Thronbank gesessen hat.
Infolge des fragmentarischen Erhaltungszustands kann die Figur nicht mit absoluter Gewissheit als Christus aus einer Marienkrönung identifiziert werden. Doch ist dies aus mehreren Gründen am wahrscheinlichsten. Zwar passt die höfische Frisur mit kinnlangem Schnitt eher zu einem alttestamentarischen König, etwa David oder Salomon, die im 13. Jahrhundert an Schreinen oder Portalen häufig paarweise nebeneinander sitzend und einander zugewandt dargestellt wurden. Doch deuten die aktive Wendung zur Seite und der sehr hoch erhobene, leider knapp oberhalb des Ellbogens abgebrochene rechte Arm auf eine Handlung und keine rhetorische Geste wie bei einem König des Alten Testaments und entsprechen eindeutig der Christusikonografie bei einer Krönungsszene.
Die Figur besitzt lediglich eine Ansichtsseite und ist nur leicht auf Untersicht gearbeitet. Die Feinheiten besonders im Gesicht sprechen dafür, dass es auch aus einer gewissen Nähe gesehen werden konnte. Diese Aspekte sowie die Aushöhlung und flache Gestaltung der Rückseite sprechen für eine Platzierung in einem Lettner oder wahrscheinlicher in einem Retabel.
Die frühesten bekannten Beispiele einer Marienkrönung in einem französischen Retabel stammen allerdings erst aus späterer Zeit und haben meist ein geringeres Format. Doch bezeugt der etwas umfangreichere Bestand in Deutschland die allgemeine Beliebtheit des Themas als Hauptszene eines Retabels spätestens zu Beginn des 14. Jahrhunderts.
Bei der bislang kaum beachteten Figur, deren hohe Qualität trotz erheblicher Zerstörungen noch erkennbar ist, handelt es sich zweifellos um eines der wichtigsten Werke der in nur geringer Zahl erhaltenen französischen Holzskulptur des 13. Jahrhunderts.
Kompositorisch und stilistisch nahe stehen einige Skulpturen und Reliefs von der Westfassade der Kathedrale von Auxerre, besonders die eindrucksvollen sitzenden Propheten der Sockelzone des mittleren Portals. Die Haltung der Berliner Skulptur wirkt wie eine weitere Variante der eleganten, dabei naturalistischen und durch unruhige Beinstellungen geprägten schrägen Sitzpositionen der fünf Figurenpaare. Man muss wohl davon ausgehen, dass die Westportale der Bischofskirche in Auxerre mit ihren nahsichtigen, höchst variantenreichen Darstellungen und ikonografischen Merkwürdigkeiten bzw. Provokationen große Ausstrahlungskraft besonders auf die zeitgenössischen Bildhauer hatten. Eine Datierung der Berliner Holzfigur um 1260 oder wenig später scheint daher am wahrscheinlichsten.

(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)

Last updated: 22.06.2026

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Institution:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Kruzifixus

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Das Kruzifix stammt mit größter Wahrscheinlichkeit aus der Stabkirche von Vang im Valdres-Tal (Oppland, Norwegen), die der Maler Johan Christian Dahl am 18. Januar 1841 für den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. erwerben ließ. Der König wollte die Stabkirche zunächst auf die Pfaueninsel unweit seiner Potsdamer Residenz versetzen. Doch bereits im Winter 1841/42 entschied Friedrich Wilhelm IV., die Kirche nicht als Baudenkmal in Hauptstadtnähe, sondern als Gotteshaus im schlesischen Riesengebirge in Brückenberg (Karpacz Górny) in der Nähe seiner Sommerresidenz Erdmannsdorf (Mysłakowice) wieder aufbauen zu lassen. Von den beweglichen Ausstattungsstücken begleiteten lediglich zwei Leuchter die Kirche nach Schlesien. Es ist unklar, was mit den weiteren Werken aus Norwegen geschah. Sicher ist, dass Friedrich Wilhelm IV. 1845, das Kruzifix als Geschenk an die Kunstkammer überwiesen hat, von wo aus es später in den Besitz des Deutschen Museums überging. Die zeitliche Nähe dieser Schenkung zu der überlieferten Lagerung des Vanger Kruzifixes in Berlin, die Tatsache, dass es sich um königlichen Privatbesitz handelte und die Singularität einer norwegischen Skulptur in den Königlichen Museen lassen keinen anderen sinnvollen Schluss zu, als dass es sich bei Inv. 364 um das Kruzifix aus Vang handelt.Das Kruzifix ist schwer einzuordnen. Sämtliche Details gehören dem 13. Jahrhundert an, sind aber sehr roh und eigentlich kaum verstanden, wie Tuchfalten, Oberkörper und Gesicht demonstrieren. Unter den erhaltenen norwegischen Werken findet sich keines mit einer über Motive hinausgehenden Verwandtschaft. Der erhobene Kopf und die gezackten Locken sind ohne Parallele. Es fragt sich angesichts des ausgeprägten Zickzackverlaufs der Haare und der zeichenhaften Ausbildung des Oberkörpers, ob dem Schnitzer nicht eine Buchmalerei als Vorlage gedient hat, wo gerade diese Elemente besonders ausgeprägt waren. Überhaupt scheint es, als wäre der Bildschnitzer ungeübt im Schnitzen eines Kruzifixus gewesen, hätte aber streng nach einer Vorlage aus dem 13. Jahrhundert gearbeitet. Diese Arbeitsweise spricht jedoch auch gegen die im 19. Jahrhundert übliche Vorgehensweise neugotischer Bildschnitzer. Außerdem muss das Werk deutlich vor 1840 entstanden sein, da es damals keine liturgische Funktion mehr in der Stabkirche hatte. Gemeinsam mit den technologischen Befunden, vor allem zur Fassung (keine älteren Reste unter der heute sichtbaren), und den Erwerbungsumständen bleibt daher nur der Schluss, dass es sich um eine Arbeit der Zeit vor 1800, vielleicht des 18. Jahrhunderts handelt, bei der ein möglicherweise beschädigtes Kruzifix des 13. Jahrhunderts nachgeahmt wurde. Solche Fälle sind im Norwegen des 17. und 18. Jahrhunderts nicht selten.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)

Bildnis des Bischof Philipp von Freising

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Das markante Gesicht des Dargestellten ist im strengen Profil nach links wiedergeben, während der Oberkörper sich ein wenig zum Betrachter hinwendet, was eine leichte Bewegung suggeriert. Das Barett mit herabgeschlagener Krempe wie auch der Mantel mit pelzverbrämtem Kragen, der so genannten Schaube, zeigen an, dass hier eine vornehme Persönlichkeit porträtiert wurde, ist doch die beschriebene Tracht allein dem ersten Stand vorbehalten gewesen. Das Relief weist weder eine Inschrift noch ein Familienwappen auf, die die Identität des hier Dargestellten preisgibt. Das scharf gezogene Profil mit der leicht gebogenen Nase und dem runden Kinn lassen den Porträtierten nicht zuletzt auch aufgrund seiner halblangen, die Ohren bedeckenden Haare, leicht als den Bischof Philipp von Freising und Naumburg identifizieren, wie der Vergleich zu zahlreich gesicherten Porträts des Dargestelllten belegen. Neben Gemälden existieren von ihm auch weitere Bildnisreliefs, von denen das von Loy Hering (1484/85-nach 1554) in Solnhofener Stein gearbeitete (Germanischen Nationalmuseum, Nürnberg) zu den prominentesten zählt. Das hier vorgestellte Brustbild Philipps ist hingegen für die Zeit von ungewöhnlicher Größe. Wie bereits festgestellt wurde, handelt es sich hier wohl um eine eigenhändige Wiederholung von Friedrich Hagenauers Medaille des Bischofs Philipp von Freising und Naumburgs. Durch die Übertragung vom ausgewogenen rund der Medaille in das hochrechteckige Format entstand ein ungewöhnlicher, weitaus steilerer Bildausschnitt. Es wird vermutet, dass Friedrich Hagenauer die Vergrößerung auf Wunsch des Auftraggebers ausführte. Der vorgesehene Bestimmungsort des Reliefs blieb bis heute unbekannt.Hans-Ulrich Kessler