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Gussform für mehrere Schmuckstücke, Hälfte

Ident. Nr.: 2527

ObjID: obj:1372762

Details (expert)

Involved
Dr. phil. Wilhelm von Bode (1845-1929),
Vorbesitzer*in; Archive
Material / Technique
dunkler Stein, Schiefer?
Dimensions
Höhe: 5,7 cm
Breite: 7,3 cm

Object Description

Die an den Schmalseiten gerade beschnittenen, an den Längsseiten schwach gerundete Platte aus dunklem Stein diente als eine Hälfte einer Gussform für Schmuckanhänger. In negativem Relief sind von links nach rechts ein kleiner Halbmond mit Öse, ein Medaillon mit einem Reiterheiligen und ein ornamentiertes Kreuz eingetieft. Vom oberen Rand führen trichterförmige Gusskanäle zu den Schmuckformen. Auch Medaillon und Kreuz besaßen - quer gestellte - Ösen. Nuten von den beiden Schmalseiten der Gussform führten auf diese Ösen zu und über sie hinaus. Inn diese wurde vor dem Guss ein Stab aus einem Material höheren Schmelzpunktes eingelegt, um dadurch die Öffnung der Öse vom Gussmaterial freizuhalten.
Der Reiter auf dem Medaillon bewegt sich nach links. In der Hand hält er eine kreuzverzierte Lanze, mit der er einen am Boden liegenden Drachen durchstößt. Er wird durch die Beischrift in griechischen Buchstaben Ο Λ ΓEO abgekürzt als 'der heilige Georg' bezeichnet. Bei dem Λ handelt es sich wahrscheinlich um ein nachlässig eingraviertes A als Abkürzung für AΓIΟΣ, heilig. Die zugehörige zweite Hälfte der Gussform ist nicht erhalten.
Die Gussformhälfte wird seit dem Zweiten Weltkrieg vermisst.

Last updated: 24.07.2026

Contact

Institution:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Heiliger Nikolaus

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Der schlanke Körper des heiligen Bischofs ist stark durchgebogen, der linke Fuß vorgestellt und das Knie deutlich nach innen geknickt. Dieses bereits Mitte des 14. Jahrhunderts beliebte Standmotiv wird kombiniert mit einer ausladenden rechten Hüfte, über der in der eng anliegenden rechten Hand drei goldene Kugeln, eines der Hauptattribute des Nikolaus von Bari, liegen. In der linken Hand befand sich ehemals ein Bischofsstab, der vielleicht bereits bei der Erwerbung nicht mehr als Original, sondern (mittlerweile ebenfalls verlorene) spätere Ergänzung vorhanden war. Die Hand umfasst den Stab mit einem im Mittelalter zu dessen Schutz gebräuchlichen Schweißtuch (Sudarium). Hinter dem Stab ist der um den linken Unterarm bzw. das Handgelenk gelegte Manipel, ein Rangabzeichen der höheren Kleriker, zu erkennen. Dazu muss man die Figur allerdings aus der Schrägansicht betrachten. Auch die beiden Enden der Stola, die Nikolaus seinem bischöflichen Rang gemäß zwischen Albe und Kasel über beide Schultern gelegt hat, sind nur aus den beiden Halbprofilansichten erkennbar. Der Oberkörper wirkt sehr gelängt – ein Eindruck, der durch Reduktion der Falten an der Kasel auf drei flache, parallel verlaufende Schüsseln verstärkt wird. Im unteren Bereich des Gewandes setzen sich diese stets nach links ausgerichteten Schüsselfalten in etwas voluminöserer Form, doch in ähnlich weiten Abständen fort.Ein auffälliges Motiv ist die schräge Kopfhaltung. Heute scheint es, als würde Nikolaus nach oben schauen, doch war sein Blick ursprünglich geradeaus gerichtet. Die Neigung des Haupts dürfte somit lediglich kompositorisch (und nicht durch eine entsprechende Blickrichtung auch noch szenisch) auf eine zur Rechten des Bischofs befindliche Figur verwiesen haben, der er zugleich die Kugeln präsentierte. Die Geste erhält durch die kostbare Mitra einen zusätzlichen Akzent. Das Haupt ist sehr schlank und mit Abstand am sorgfältigsten ausgearbeitet. Der Bart ist am Kinn gekräuselt, die Wangen mit hoch sitzenden Knochen erscheinen fast glatt, die Unterlippe ist sinnlich geschwungen, die Oberlippe hingegen fast vom hier glatt verlaufenden Bart verdeckt, sodass der Mund verschattet wirkt. Tiefe Augenhöhlen und ein sehr dünner, scharf nach vorn tretender Nasenrücken verleihen dem Antlitz eine asketische Wirkung. Der untere Rand der ansonsten regulär gestalteten Mitra pretiosa besitzt eine ungewöhnliche, wohl als künstlerisches Missverständnis zu deutende Gestalt: Der breite Saum über der Stirn mit zentraler Metallapplikation geht an beiden Seiten in Höhe der Schläfen unvermittelt in den dichten, voluminösen Haarkranz über, der auch die Ohren größtenteils verdeckt. Logischerweise kann es sich dabei nur um sich nach oben kräuselnde Locken handeln, wogegen jedoch der gerade obere Haarabschluss spricht. Der Bildschnitzer der Berliner Nikolausfigur, für deren Provenienz jeder Hinweis fehlt, orientierte sich zweifellos an Prager Werken der Parlerzeit.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen und im Alpenraum 1380 bis 1440. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2019)