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Sitzende Maria mit Kind

Ident. Nr.: 5901

ObjID: obj:1376231

Details (expert)

Dating
um 1440
Dimensions
Höhe: 72 cm
Breite: 41,8 cm
Tiefe: 6,2 cm

Object Description

Bei dem formal sehr bemerkenswerten Werk handelt es sich um ein hochformatiges Brett, aus dem das vertiefte Bildrelief und der Rahmen herausgeschnitzt wurden. Nicht aus diesem Holzbrett gearbeitet, sondern eingesetzt war lediglich ein Schleierbrett, das – wie Spuren eindeutig zeigen – ehemals im oberen Drittel zwischen den beiden Rahmenleisten eingespannt war. Es bedeckte einst die heute seltsam erscheinende glatte Fläche. Die seitlichen Rahmen besitzen ein Kehlprofil, wie ursprünglich auch der obere, der später bis auf ein geringes Stück rechts oben ersetzt wurde und dessen Platz heute ein jüngeres Brett einnimmt. Am unteren Rand hingegen reicht das Bildrelief bis an die Kante heran, ein Rahmen fehlt hier.

Auf einem breiten Kissen mit Quasten und aufgesetzten Perlen an den Enden sitzt Maria, zu ihren Füßen breitet sich ihr Mantel über einer Fläche aus, die möglicherweise ursprünglich durch entsprechende Fassung als Rasen gekennzeichnet war, ansonsten aber durch keine schnitzerische Gestaltung charakterisiert wird. Es kann sich auch um kaum mehr als die Andeutung einer räumlichen Angabe gehandelt haben, da der erstaunlich umfangreiche Mantelstoff den weitaus größten Bereich ausfüllt. Oberhalb des Kissens und hinter der Muttergottes weist, wie gesagt, das glatte Brett ebenfalls keinerlei Gestaltung auf.

Dem Knaben wendet sich die Muttergottes vollkommen zu, mit beiden Händen umgreift es seine Brust und zieht ihn zu sich heran. Das Kind wiederum hat seinen rechten Arm weit um ihren Hals gelegt, um mit der Hand ihren Schleier ergreifen und teilweise zurückziehen zukönnen. Es handelt sich um eine sehr lebendige Version des im 14. und 15. Jahrhunderts beliebten Passionsmotivs, die vor der nachträglichen Abschnitzung des Schleiers zugunsten einer Krone auf dem Haupt Marias noch auffälliger gewesen sein muss. Oberhalb der rechten Kindeshand und der auch heute sichtbaren Haarsträhnen lag der Schleier ursprünglich noch auf dem Kopf, sodass die Geste des Knaben dynamisch und momenthaft gewirkt hatte.

In unbekannter Zeit, wohl relativ früh, wurde die Tafel aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang genommen und mit Flügeln ver sehen – also wohl zur Mitteltafel eines Triptychons umgestaltet. Darauf weisen die Aus kerbungen an den seitlichen Rändern zur Befestigung von Scharnieren, die alt sind, da Fassung auf ihnen liegt. Möglicherweise zur selben Zeit wurde das Schleierbrett entfernt und die Metallkrone hinzugefügt. Warum auch der obere innere Rahmen herausgesägt wurde, ist unklar. Einer letzten Phase, in der die Tafel wohl erstmals als Einzelbildwerk fungierte, wurde der noch heute sichtbare neue Rahmen hinzugefügt, wohl erst im fortgeschrittenen 19. Jahrhundert und außerhalb eines sakralen Umfelds.

(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen und im Alpenraum 1380 bis 1440. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2019)

Last updated: 07.07.2026

Contact

Institution:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Die Haltung des Torsos wirkt in der Frontalansicht starr, da der Oberkörper sehr gerade aufgerichtet ist sowie Kopf und Knie nur nach vorn, aber kaum zur Seite hin ausladen. Wie der parallele Verlauf der scharfgratigen Schienbeine zeigt, standen bzw. lagen die weitgehend erneuerten Füße auch ursprünglich nebeneinander. Unklar bleibt, ob es ein schräges Suppedaneum (stützendes Fußbrett) gegeben hat, da die in kleinen Teilen erhaltene originale Unterseite der Füße sorgfältig ausgearbeitet wurde. Das längliche Gesicht wird gerahmt von einem Bart aus breiten und spitz zulaufenden Einzelsträhnen, abstehenden Ohren sowie sanft gewelltem, auf die Schultern fallendem Haar mit schildförmiger Kontur, das nur an den vorderen Rändern geschnitzte Strähnen aufweist. Verloren gegangen ist eine separat und möglicherweise aus Metall gearbeitete Krone. Die Augen unter scharf gezeichneten Brauen sind weit geöffnet, der Mund ist trotz der großen Lippen schmal und geschlossen. Der schlanke Oberkörper ist gut durchgebildet, Schlüsselbein, Rippen und Brustkorb zeichnen sich deutlich ab. Das Lendentuch ist über der rechten Hüfte geknotet, lässt an dieser Seite das Knie frei und ist straff um den linken Oberschenkel gespannt. Über dem Brustbein befindet sich eine hochovale Vertiefung, in die eine Reliquie hinter Bergkristall, Glasfluss oder einer kleinen Metalltür platziert gewesen sein dürfte. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)

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Die grazile Frauengestalt, in Mieder und einem bodenlangen, die Füße vollständig bedeckenden Kleid gehüllt, ist in einer ausgewogenen Torsion dargestellt. Dem leicht einwärts gekehrten Spielbein, das sich unter dem vom Wind erfassten Stoff deutlich abzeichnet, antwortet der nach links gewendete Oberkörper, während der Kopf sich wiederum über die rechte vorgeschobene Schulter neigt. Die schwungvolle Körperbewegung wird durch die gleichmäßigen, von allen Seiten fein ausgearbeiteten Gewandfalten effektvoll nachgezeichnet. Von gleicher handwerklicher Raffinesse ist die Ausarbeitung der anmutigen Physiognomie und des am Hinterkopf zum Knoten geschlungene Haares. Über die Identität der kleinen Figur lässt sich nur spekulieren. Die frei angesetzten Unterarme mit den zur Seite ausgerichteten und zum Gebet zusammengefalteten Händen, sind wohl eine spätere Ergänzung. In den frühesten Inventareintragungen (1655 und 1757), als sich die Statuette noch in der Brandenburgisch-Preußischen Kunstkammer befand, wurde sie mal mit Turm, mal mit Kelch beschrieben, womit sie eindeutig als hl. Babara zu identifizieren wäre.Bislang konnte kein Künstler dem Werk eindeutig zugeordnet werden. Allerdings finden sich von dem in Regensburg tätigen Maler Albrecht Altdorfer (1480-1538) einige Zeichnungen, in denen nicht nur der gleiche Frauentypus vorkommt, sondern auch ein ganz ähnlicher Körperaufbau mit geradezu identischen Faltenzügen. Es ist daher plausibel, den Autor dieser anmutigen Mädchenfigur in Regensburg, im Umkreis Albrecht Altdorfers zu suchen.

Heiliger Nikolaus

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Der schlanke Körper des heiligen Bischofs ist stark durchgebogen, der linke Fuß vorgestellt und das Knie deutlich nach innen geknickt. Dieses bereits Mitte des 14. Jahrhunderts beliebte Standmotiv wird kombiniert mit einer ausladenden rechten Hüfte, über der in der eng anliegenden rechten Hand drei goldene Kugeln, eines der Hauptattribute des Nikolaus von Bari, liegen. In der linken Hand befand sich ehemals ein Bischofsstab, der vielleicht bereits bei der Erwerbung nicht mehr als Original, sondern (mittlerweile ebenfalls verlorene) spätere Ergänzung vorhanden war. Die Hand umfasst den Stab mit einem im Mittelalter zu dessen Schutz gebräuchlichen Schweißtuch (Sudarium). Hinter dem Stab ist der um den linken Unterarm bzw. das Handgelenk gelegte Manipel, ein Rangabzeichen der höheren Kleriker, zu erkennen. Dazu muss man die Figur allerdings aus der Schrägansicht betrachten. Auch die beiden Enden der Stola, die Nikolaus seinem bischöflichen Rang gemäß zwischen Albe und Kasel über beide Schultern gelegt hat, sind nur aus den beiden Halbprofilansichten erkennbar. Der Oberkörper wirkt sehr gelängt – ein Eindruck, der durch Reduktion der Falten an der Kasel auf drei flache, parallel verlaufende Schüsseln verstärkt wird. Im unteren Bereich des Gewandes setzen sich diese stets nach links ausgerichteten Schüsselfalten in etwas voluminöserer Form, doch in ähnlich weiten Abständen fort.Ein auffälliges Motiv ist die schräge Kopfhaltung. Heute scheint es, als würde Nikolaus nach oben schauen, doch war sein Blick ursprünglich geradeaus gerichtet. Die Neigung des Haupts dürfte somit lediglich kompositorisch (und nicht durch eine entsprechende Blickrichtung auch noch szenisch) auf eine zur Rechten des Bischofs befindliche Figur verwiesen haben, der er zugleich die Kugeln präsentierte. Die Geste erhält durch die kostbare Mitra einen zusätzlichen Akzent. Das Haupt ist sehr schlank und mit Abstand am sorgfältigsten ausgearbeitet. Der Bart ist am Kinn gekräuselt, die Wangen mit hoch sitzenden Knochen erscheinen fast glatt, die Unterlippe ist sinnlich geschwungen, die Oberlippe hingegen fast vom hier glatt verlaufenden Bart verdeckt, sodass der Mund verschattet wirkt. Tiefe Augenhöhlen und ein sehr dünner, scharf nach vorn tretender Nasenrücken verleihen dem Antlitz eine asketische Wirkung. Der untere Rand der ansonsten regulär gestalteten Mitra pretiosa besitzt eine ungewöhnliche, wohl als künstlerisches Missverständnis zu deutende Gestalt: Der breite Saum über der Stirn mit zentraler Metallapplikation geht an beiden Seiten in Höhe der Schläfen unvermittelt in den dichten, voluminösen Haarkranz über, der auch die Ohren größtenteils verdeckt. Logischerweise kann es sich dabei nur um sich nach oben kräuselnde Locken handeln, wogegen jedoch der gerade obere Haarabschluss spricht. Der Bildschnitzer der Berliner Nikolausfigur, für deren Provenienz jeder Hinweis fehlt, orientierte sich zweifellos an Prager Werken der Parlerzeit.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen und im Alpenraum 1380 bis 1440. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2019)