Details (expert)
- Involved
- Dating
- 1985
- Additional titles
- Collection title: Ein Genist aus SchweigenTranslation: A Nest of SilenceOriginal title: Nid de silence
- Material / Technique
- Kreide, Graphit, Sepia und Pastell auf Bütten
- Dimensions
- Höhe x Breite: 67 x 49 cm
- Permalink
- https://id.smb.museum/object/1386759
Object Description
Diese Darstellung, mit der Altenbourg wiederum das Kopfmotiv aufgegriffen hat, steht in einer langen Reihe von Köpfen, die 1985 zuvor und auch danach entstanden, sich jedoch in keinem Fall auf das Bildnis einer konkreten Person beziehen. Vielmehr werden mentale Befindlichkeiten, wird Meditatives aufgerufen, wie etwa hier, bei dem „Genist aus Schweigen“, bei dem der Künstler seine zeichnerischen Mittel mit äußerster Reduktion eingesetzt hat. Die mit der Pitt-Kreide erzielte, samtschwarze Flächigkeit der linken Gesichtshälfte kontrastiert mit der offenen Gesichtsfläche rechts, in die ganz sparsam lediglich die Sinnesorgane eingetragen sind. Anders als bei dem „Schreienden“ von 1949 (SSG 1) ist der Mund kaum wahrnehmbar, sind die Sinne nach innen gekehrt. Die frühen, in der Folge des Kriegserlebnisses entstandenen Zeichnungen mit ihrem virulenten Geschehen und den dichten Strukturen bezeichnete Altenbourg als „Gefechtsfelder". Sein „Schreiender“ ist verletzt und empört. Jetzt, mehr als drei Jahrzehnte später – vier Jahre vor dem Tod des Künstlers –, ist seine Sprache immer sublimer geworden. Seine Lebenserfahrung mit den fortwährenden Verletzungen und Demütigungen von Seiten der offiziellen Kulturbehörden der DDR haben ihn zu einem völligen Rückzug auf sich selbst bewogen. Seinem Naturell und der Verantwortung für seine Kunst gemäß hätte er aber wohl auch in einem anderen Gesellschaftssystem ein Leben in Zurückgezogenheit geführt. Das Schweigen hat einen hohen Stellenwert in vielen Religionen, besonders in der christlichen Mystik und im „Schweigen Buddhas“. Immer ist es mit dem Streben nach Konzentration, Reinheit und Wesentlichkeit verbunden, was auch für die Darstellungen des tiefreligiösen Altenbourg zutrifft. Das Genist aus Schweigen spielt im Titel vermutlich auf den Nestbau in der Vogelwelt an. Der lockere, nicht fest zu umreißende Aufbau solcher ‘Geniste’ kam dabei wohl seiner Vorliebe für das Ungefähre, nicht konkret Greifbare der Erscheinungswelt entgegen. | Anita Beloubek-Hammer
Last updated: 19.12.2025
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Institution:
Sammlung Scharf-Gerstenberg
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