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Ein Genist aus Schweigen

Ident. Nr.: SSG 3

ObjID: obj:1386759

n/a

Details (expert)

Involved
Gerhard Altenbourg (1926-1989),
Künstler*in
Dating
1985
Additional titles
Collection title: Ein Genist aus Schweigen
Translation: A Nest of Silence
Original title: Nid de silence
Dimensions
Höhe x Breite: 67 x 49 cm

Object Description

Diese Darstellung, mit der Altenbourg wiederum das Kopfmotiv aufgegriffen hat, steht in einer langen Reihe von Köpfen, die 1985 zuvor und auch danach entstanden, sich jedoch in keinem Fall auf das Bildnis einer konkreten Person beziehen. Vielmehr werden mentale Befindlichkeiten, wird Meditatives aufgerufen, wie etwa hier, bei dem „Genist aus Schweigen“, bei dem der Künstler seine zeichnerischen Mittel mit äußerster Reduktion eingesetzt hat. Die mit der Pitt-Kreide erzielte, samtschwarze Flächigkeit der linken Gesichtshälfte kontrastiert mit der offenen Gesichtsfläche rechts, in die ganz sparsam lediglich die Sinnesorgane eingetragen sind. Anders als bei dem „Schreienden“ von 1949 (SSG 1) ist der Mund kaum wahrnehmbar, sind die Sinne nach innen gekehrt. Die frühen, in der Folge des Kriegserlebnisses entstandenen Zeichnungen mit ihrem virulenten Geschehen und den dichten Strukturen bezeichnete Altenbourg als „Gefechtsfelder". Sein „Schreiender“ ist verletzt und empört. Jetzt, mehr als drei Jahrzehnte später – vier Jahre vor dem Tod des Künstlers –, ist seine Sprache immer sublimer geworden. Seine Lebenserfahrung mit den fortwährenden Verletzungen und Demütigungen von Seiten der offiziellen Kulturbehörden der DDR haben ihn zu einem völligen Rückzug auf sich selbst bewogen. Seinem Naturell und der Verantwortung für seine Kunst gemäß hätte er aber wohl auch in einem anderen Gesellschaftssystem ein Leben in Zurückgezogenheit geführt. Das Schweigen hat einen hohen Stellenwert in vielen Religionen, besonders in der christlichen Mystik und im „Schweigen Buddhas“. Immer ist es mit dem Streben nach Konzentration, Reinheit und Wesentlichkeit verbunden, was auch für die Darstellungen des tiefreligiösen Altenbourg zutrifft. Das Genist aus Schweigen spielt im Titel vermutlich auf den Nestbau in der Vogelwelt an. Der lockere, nicht fest zu umreißende Aufbau solcher ‘Geniste’ kam dabei wohl seiner Vorliebe für das Ungefähre, nicht konkret Greifbare der Erscheinungswelt entgegen. | Anita Beloubek-Hammer

Last updated: 19.12.2025

Contact

Institution:

Sammlung Scharf-Gerstenberg

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Le stryge

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Le petit pont

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Eine weibliche Aktfigur, die wie eine Skulptur aus einem Steinblock herauswächst, lockt ein gazellenartiges Tier mit einer Blume. Das Tier erhebt sich auf den Hinterläufen und macht so ‘Männchen’. Laut Klee symbolisiert es „das Tier im Menschen (im Manne)“. Während in der ersten, im Juli 1903 entstandenen Fassung der Radierung ein geifernder Köter das Geschlecht einer hilflos gestikulierenden Frau beschnüffelt, ist das Verhältnis in der zweiten Fassung, die vom November 1904 datiert, ausgeglichener. Das Tier ist schlanker und mit einem Bockshorn ausgestattet, die Frau steht zwar abgewandt, doch wendet sie Kopf und Arm dem Tier zu. „In Beziehung auf die Psychologie der Handlung steht die Arbeit jetzt insofern höher“, erläuterte Klee seiner Verlobten Lily, „als das Weib sich nicht mehr passiv verhält, das heißt erschrickt, sondern seinen Trieb, zu coquettieren, auch im Moment der brutalen Entscheidung nicht lassen kann.“ Für den satirischen Kommentar auf das Verhältnis der Geschlechter zueinander verwendete Klee verschiedene Motive aus der Kunstgeschichte. Die Frauenfigur geht auf eine antike Statue des Praxiteles zurück, wobei Klee das Venus-pudica- Motiv des Verhüllens der Scham zu einem „Venus- Koketterie-Motiv“ (Gregor Wedekind) des Enthüllens macht. Die sexuell aufgeladene Beziehung zwischen Frau und Tier ist der Grafik des 19. Jahrhunderts entlehnt und begegnet dort unter anderem bei Max Klinger und Félicien Rops. Der zeichnerische Stil, den Klee 1919 rückblickend als „gotisch-klassisch“ bezeichnete, verweist auf die Grafik des 15. Jahrhunderts, vermittelt durch den Einfluss Ferdinand Hodlers, was insbesondere die monumentale Isolierung der Figuren vor dem schwarzen Aquatinta-Hintergrund betrifft. Klee nutzt die groteske bis hässliche Abweichung von der klassischen Form, um die Fragwürdigkeit gesellschaftlicher Ideal- und Rollenbilder wie etwa der reinen und keuschen Frau oder des Edelmannes zu demonstrieren. Die zweite Fassung der Darstellung nahm Klee als Nummer 1 in seinen elf Radierungen umfassenden Zyklus „Inventionen“ auf, mit dem er sich als Grafiker etablieren wollte. | Dieter Scholz

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