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Blick auf St. Peter in Rom (Architektonisches Capriccio)

Ident. Nr.: KdZ 4533

ObjID: obj:1386903

Details (expert)

Creator/Entity
Ausführung: Hubert Robert (1733 - 1808),
Zeichner*in
Date(s)
Herstellung: 1772
Geographical references
Dimensions
Blattmaß: 36,5 x 28,7 cm

Object Description

Im Durchblick durch ein antikes Bogenmonument erscheint lichtvoll die Kuppel der Peterskirche. Die Architektur wird von den Figuren einer Genreszene belebt, zwei Frauen nach Vorbildern Bouchers, einem Kind und einem sitzenden Mann mit großem Hut und Wanderstock. Der antike Bogen ist über das ganze Blatt geführt. Seine Konturen sind mit Feder in schwarzer Tinte und mit Rötel in durchbrochenen, oft nur andeutenden Strichen umrissen, die Steinfugen mit dem Pinsel in brauner Tusche und mit wenig cremefarbener Deckfarbe hervorgehoben. Große Partien sind fleckhaft mit dem Pinsel gedunkelt. Mit gleichen Mitteln, jedoch feinteiliger, ist das Gesimsfragment mit seinem reichen Ornamentschmuck am Boden rechts unten beschrieben. Die unregelmäßige Fläche des Erdbodens dagegen ist mit brauner Tusche ungleichmäßig bestrichen. Darüber sind am unteren Blattrand locker gesetzte Pinselstriche und Rötel gelegt, die vegetabile Formen andeuten, in die darüberhinaus an wenigen Stellen mit Feder in Schwarz die Andeutung eines Schattens, einer pflanzlichen Form und eines Steines gesetzt sind. In einem letzten Schritt wurde nahezu die gesamte Bildfläche unter Aussparung der Bogenöffnung mit Rötel übergangen, in ungleichmäßig starken parallelen Schraffen auf dem Monument und mit kürzeren, weicher gesetzten auf der Bodenfläche. Hierdurch ist der diesseitige Raum mit der antiken Architektur und den Menschen verschattet. Um so heller gleichsam im Ausblick erstrahlt jenseits des antiken Monuments das Bild der Peterskirche. Mit feinen Federstrichen und gleichzeitig Rötel umrissen, die ein flirrendes Licht hervorrufen, und mit hellem Graublau laviert, wirkt der christliche Dom lichtdurchschienen zwar, doch von körperhaftem Volumen.
Die Zeichnung ist von meisterhafter Qualität und von Robert wohl als autonomes Blatt angefertigt, worauf auch die Pentimente mit weißer Deckfarbe an der Innenwandung des Bogens, am Korb der Frauenfigur und am Gesimsfragment hinweisen. In phantastischer Zusammenstellung zeigt das Blatt zwei Bauwerke, die Robert während seines Rom-Aufenthalts (1754-1765) mehrfach gezeichnet hat. Das antike Bauwerk ist der Drususbogen, der außerhalb des Stadtzentrums an der Porta Appia auch im 18. Jahrhundert bis zu den Grundmauern freistand. Robert fügt hier wie auch auf einer anderen Zeichnung des gleichen Sujets im Musée des Beaux-Arts in Valence (Inv. D. 117), datiert 1775, zwei Pilaster hinzu. Möglicherweise ist auch unser Blatt erst nach der Rückkehr aus Rom in Paris entstanden.

Text: Margret Kampmeyer-Käding in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 327-328, Kat. VI.27 (mit weiterer Literatur)

Last updated: 13.08.2026

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Institution:

Kupferstichkabinett

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Jan Gossaert, seinerzeit berühmt und hoch geschätzt, war bei verschiedenen Fürsten als Hofmaler tätig und gilt als der Begründer des neuen romanistischen Stils in den Niederlanden. 1508-09 reiste er in Begleitung Philipps von Burgund, eines humanistisch gelehrten Fürsten, nach Rom, wo er im Auftrag seines Mäzens nach antiken Monumenten zeichnete. Zu einem nicht erhaltenen römischen Skizzenbuch dürfte die Berliner Ansicht des Kolosseums gehört haben. Das sogenannte Kolosseum, ein um 80 n. Chr. errichtetes Amphitheater – bis zum heutigen Tag ein Wahrzeichen Roms −, ist von Westen her gesehen. Der Zeichner stand dicht am Bauwerk, sodass er nur wenige Achsen wiedergab. Der Baubefund, wie er sich in jenen Jahren darstellte, ist mit der feinen, spitzen Feder minuziös erfasst: die einzelnen Mauerringe und ihre Abbrüche, die Säulenordnungen und die aus dem Mauerwerk hervorwachsenden Bäume. Gossaert war wie alle nordischen Künstler vor und nach ihm von dem ruinösen Zustand des antiken Monumentes, das die Zeit überdauert hatte, fasziniert. Doch er sah das Bauwerk mit den am spätgotischen Stil geschulten Augen des Nordländers: Es gelang ihm nicht so recht, seine wahre Monumentalität zu erfassen. Text: Holm Bevers, in: Wir suchen das Weite. Reisebilder von Albrecht Dürer bis Olafur Eliasson im Kupferstichkabinett, hg. von Hein-Th. Schulze Altcappenberg und Ina Dinter, Berlin 2016, S. 72Jan Gossaert, famous and highly valued already during his lifetime, worked as a court painter for several princes and was considered the founder of the new Roman-influenced style of painting in the Netherlands. In 1508 and 1509, he traveled to Rome in the entourage with the humanistically trained Philip of Burgundy to Rome. There he was commissioned by his patron to draw the ancient monuments. The Berlin view of the Colloseum is most likely from this no longer extant Roman sketchbook. The so-called Colosseum, an amphitheater built in 80 AD that remains a trademark of the city today, is depicted from the West. The draftsman is close to the structure, so that he only presents a few of the axes. The state of the structure in the years of its depiction is captured with the fine, sharp pen meticulously: the individual rings of the wall and the ruined arches, the lines of columns and the trees emerging from the brickwork. Gossaert, like all Northern artists, was interested especially in the ruinous state of the Ancient objects that had lasted through the ages. But he also saw the structure with the eyes of a northerner, schooled in the late Gothic style. He was not quite able to do justice to its true monumentality. Text: Holm Bevers, in: We’re off then. Travel Pictures from Albrecht Dürer to Olafur Eliasson in the Kupferstichkabinett, published by Hein-Th. Schulze Altcappenberg and Ina Dinter, Berlin 2016, p. 72