Logo

Antilope (auch: Steinbock) (Postkarte an Else Lasker-Schüler)

Ident. Nr.: SZ Marc 25 recto

ObjID: obj:1393247

Details (expert)

Involved
Ausführung: Franz Marc (1880 - 1916),
Zeichner*in
Else Lasker-Schüler (1869-1945),
Genannt
Dating
Herstellung: 1913
Additional titles
Collection title: Antilope (auch: Steinbock) (Postkarte an Else Lasker-Schüler)
Steinbock
Provenance
Nationalgalerie, Sammlung der Zeichnungen,
bis 1992
Dimensions
Blattmaß: 8,9 x 14,1 cm

Object Description

Die kleine Wasserfarbenmalerei auf Postkarte, die Franz Marc der Dichterin Eise Lasker-Schüler widmete, entstand im Entstehungsjahr seiner Hauptwerke »Der Turm der blauen Pferde« und »Tierschicksale«. Sie folgt dem kristallinen Aufbau der Gemälde, ist aber weniger pathetisch. Die Tiergestalt ist weder monumental überhöht, noch dramatisch in den flächig zergliederten Umraum verspannt. Sie ist im Augenblick der Ruhe, der Ankunft gezeigt. Die gezackte Linie der Felsen wiederholt leicht verändert die Brust- und Bauchlinie der Antilope, der blaue Himmel überwölbt den Rücken des nach unten gebeugten Tieres. Die abstrahierten Formen der Felslandschaft umschließen den Körper und signalisieren die Bereitschaft, ihn in sich aufzunehmen. Der dunkle blaue Himmel und das schwarze Gestein im Vor¬dergrund künden die Nacht an.
Im Zusammenhang mit dem Text auf der Rückseite der Postkarte wird deutlich, daß es sich um eine Todesanzeige in Tiergestalt, um einen Abschied handelt. (»Frau /Eise Lasker-/Schüler/Berlin Grunewald/13, Humboldtstr 13/11« >üebster Jussuff, unser guter Vater hat ausgelitten, morgen begraben wir ihn. Es ist alles so traurig. Montag wollen wir Dich besuchen, Nachmittag, ist es recht? Dein Frz. u. M. W. 2. Hinter der Kathol. Kirche.<).
Marc hatte ausgezeichnete zoologische Kenntnisse. Seine Tiere sind selbst in der Vereinfachung präzise gezeichnet. Das lange Gehörn und der Körperbau ordnen das Tier der Gattung der Antilopen zu, wie Justi in seiner Erstveröffentlichung 1919 richtig vermutete. In der späteren Literatur wurde das Aquarell fälschlich als Steinbock betitelt.
Die am 12. Dezember 1913 in Berlin abgestempelte Postkarte ist eine von 28 Kartengrüßen, die der blaue Reiter Franz Marc dem Prinzen Jussuf, alias Eise Lasker-Schüler, zwischen 1912 und 1914 geschickt hat. Der Sammlung der Zeichnungen der Nationalgalerie gelang es 1919, alle Karten von Franz Marc aus dem Besitz der in Not geratenen Dichterin zu erwerben. 1937 wurden 22 davon als >entartet< von den Nationalsozialisten beschlagnahmt.

Text: Eugen Blume: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 455, Kat. VIII.19 (mit weiterer Literatur)

Last updated: 17.03.2026

Contact

Institution:

Kupferstichkabinett

Additional items from the collections

Christus in der Vorhölle

Christus in der Vorhölle

Der Abstieg zur Hölle, wo Christus nach dem Kreuzestod und vor der Auferstehung die Gerechten - angefangen von Adam und Eva bis hin zu Johannes dem Täufer - aus der Gewalt Satans befreite, wird im apokryphen Nikodemus-Evangelium erwähnt. Das Thema war im 15. Jahrhundert weit verbreitet. Mantegna könnte Anregungen von einem kleinen Bild seines Schwiegervaters Jacopo Bellini (Padua, Museo Civico) und von einem Bronzerelief Donatellos erhalten haben (Florenz, San Lorenzo). Unter den Zeichnungen des Kabinetts befindet sich noch eine exakte Wiederholung der Christusfigur, die auf einer um 1490/92 entstanden Gemäldeversion Mantegnas erscheint (KdZ 622; Kat. [Andrea Mantegna, London / New York 1992], Nr. 71, Farbabb.).Die Auseinandersetzung mit der Mantegna-Graphik ist von ständig wechselnden Zu- und Abschreibungen geprägt und in vielen Punkten noch klärungsbedürftig. Erst kürzlich wurden aus Anlaß der Londoner Ausstellung wieder zwei völlig divergierende Meinungen vertreten. Während Suzanne Boorsch vermutet, das gesamte Œuvre sei nur unter der Aufsicht des Meisters entstanden (ebd., S. 56ff.), verzeichnet der von David Landau erstellte Katalog sieben eigenhändige Werke und vier Attributionen. Unter den letzten wird auch der »Abstieg in die Hölle« aufgeführt. Die Argumente für eine Zuschreibung des Stichs an Mantegna überwiegen. So weicht die Komposition nur in wenigen, aber doch wichtigen Details von der Vorzeichnung in der École des Beaux-Arts zu Paris ab, einem unbestrittenen Autograph (ebd., Nr. 66, Farbabb.). Veränderungen und Zusätze wären einem rein reproduzierenden Graveur nicht erlaubt gewesen. Gewichtiger als dies ist aber der unvollendete Zustand der Platte, die nur in den zentralen Partien und auch hier ohne feine Tonnuancen durchgearbeitet ist, welche ein Stecher zum Schluß hinzufügen würde. Ein solches Nonfinito war wohl kaum für den Markt gedacht. Es ist Resultat des künstlerischen Experiments. Dieser Neugier mag ebenfalls verdankt werden, daß das Berliner Blatt in brauner Farbe abgezogen ist, welche die koloristischen Effekte der Federzeichnung imitiert (ein gleichartiger Abzug in London; Hind [Catalogue of Early Italian Engraving, London] 1910,S. 347, Nr. 5a).Text: Hein-Th. Schulze Altcappenberg in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 252-253, Kat. V.10 (mit weiterer Literatur)