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Runde Zierplatte (Patera)

Ident. Nr.: 19

ObjID: obj:1408594

Details (expert)

Dating
Datierung: 13. Jahrhundert
Geographical references
Material / Technique
Marmor
Dimensions
Durchmesser x Tiefe: 38,0 x 12,0 cm

Object Description

Die unabhängige Seemacht Venedig war über Jahrhunderte Knotenpunkt des Orienthandels, so dass sich in der Lagunenstadt Einflüsse verschiedener Kulturen bemerkbar machten. Seit dem 11. Jahrhundert wurde es eine beliebte Sitte, Fassaden venezianischer Paläste mit Reliefs zu schmücken, die weniger architektonische, als vielmehr gliedernde Funktion besaßen. Zwei Grundtypen herrschen vor: Hochrechteckige Zierplatten mit rund-, spitz- oder kielbogenförmigem oberen Abschluß (sog. formelle) oder kreisrunde Ziersteine (sog. patere). Beide wurden gern im Wechsel nebeneinander verwendet. In ihrem Bildschmuck mischen sich spätantike, byzantinische, sasanidische oder arabische Motive und Themen, die nicht immer leicht zu enträtseln sind: Ein nackter Mann mit übergroßen Füßen, spindeldürren Beinen und Armen schreitet nach rechts und trägt über seiner linken Schulter einen leblos zu beiden Seiten herabhängenden Löwen. Um das Bildfeld der kreisförmigen Patera auszufüllen,
wurde das Tier kräftig in die Länge gezogen. Vielleicht ist eine der zwölf Taten des Muskelprotzes Herakles gemeint: Die Bezwingung des Löwen von Nemea. Man könnte aber auch an den mit übermenschlicher Kraft begabten Helden Simson denken, der einen Löwen in zwei Hälften riss (Richter 14,4-6). Schmunzeln muss man in jedem Fall, weil das Männchen im Bild eher einen Antihelden verkörpert.
(Theun-Mathias Schmidt 2006)

Last updated: 24.07.2026

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Institution:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Heiliger Nikolaus

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Der schlanke Körper des heiligen Bischofs ist stark durchgebogen, der linke Fuß vorgestellt und das Knie deutlich nach innen geknickt. Dieses bereits Mitte des 14. Jahrhunderts beliebte Standmotiv wird kombiniert mit einer ausladenden rechten Hüfte, über der in der eng anliegenden rechten Hand drei goldene Kugeln, eines der Hauptattribute des Nikolaus von Bari, liegen. In der linken Hand befand sich ehemals ein Bischofsstab, der vielleicht bereits bei der Erwerbung nicht mehr als Original, sondern (mittlerweile ebenfalls verlorene) spätere Ergänzung vorhanden war. Die Hand umfasst den Stab mit einem im Mittelalter zu dessen Schutz gebräuchlichen Schweißtuch (Sudarium). Hinter dem Stab ist der um den linken Unterarm bzw. das Handgelenk gelegte Manipel, ein Rangabzeichen der höheren Kleriker, zu erkennen. Dazu muss man die Figur allerdings aus der Schrägansicht betrachten. Auch die beiden Enden der Stola, die Nikolaus seinem bischöflichen Rang gemäß zwischen Albe und Kasel über beide Schultern gelegt hat, sind nur aus den beiden Halbprofilansichten erkennbar. Der Oberkörper wirkt sehr gelängt – ein Eindruck, der durch Reduktion der Falten an der Kasel auf drei flache, parallel verlaufende Schüsseln verstärkt wird. Im unteren Bereich des Gewandes setzen sich diese stets nach links ausgerichteten Schüsselfalten in etwas voluminöserer Form, doch in ähnlich weiten Abständen fort.Ein auffälliges Motiv ist die schräge Kopfhaltung. Heute scheint es, als würde Nikolaus nach oben schauen, doch war sein Blick ursprünglich geradeaus gerichtet. Die Neigung des Haupts dürfte somit lediglich kompositorisch (und nicht durch eine entsprechende Blickrichtung auch noch szenisch) auf eine zur Rechten des Bischofs befindliche Figur verwiesen haben, der er zugleich die Kugeln präsentierte. Die Geste erhält durch die kostbare Mitra einen zusätzlichen Akzent. Das Haupt ist sehr schlank und mit Abstand am sorgfältigsten ausgearbeitet. Der Bart ist am Kinn gekräuselt, die Wangen mit hoch sitzenden Knochen erscheinen fast glatt, die Unterlippe ist sinnlich geschwungen, die Oberlippe hingegen fast vom hier glatt verlaufenden Bart verdeckt, sodass der Mund verschattet wirkt. Tiefe Augenhöhlen und ein sehr dünner, scharf nach vorn tretender Nasenrücken verleihen dem Antlitz eine asketische Wirkung. Der untere Rand der ansonsten regulär gestalteten Mitra pretiosa besitzt eine ungewöhnliche, wohl als künstlerisches Missverständnis zu deutende Gestalt: Der breite Saum über der Stirn mit zentraler Metallapplikation geht an beiden Seiten in Höhe der Schläfen unvermittelt in den dichten, voluminösen Haarkranz über, der auch die Ohren größtenteils verdeckt. Logischerweise kann es sich dabei nur um sich nach oben kräuselnde Locken handeln, wogegen jedoch der gerade obere Haarabschluss spricht. Der Bildschnitzer der Berliner Nikolausfigur, für deren Provenienz jeder Hinweis fehlt, orientierte sich zweifellos an Prager Werken der Parlerzeit.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen und im Alpenraum 1380 bis 1440. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2019)