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Hifthorn aus Elfenbein (Olifant)

Ident. Nr.: 586

ObjID: obj:1409070

Details (expert)

Date(s)
verbale Datierung: 11./12. Jahrhundert
Dimensions
Durchmesser: der Schallöffnung außen, max. 10,5 cm
Durchmesser: der Anblasöffnung, außen, max. 2,6 cm
Länge: 46,5 cm
Gewicht: 2,14 kg
Acquisition
Mit Ankauf der Sammlung Nagler 1835 in die Königliche Kunstkammer gelangt. Nach deren Auflösung 1875 von den Königlichen Museen übernommen und 1883 in die "Abteilung der Bildwerke christlicher Epochen" eingegliedert.

Object Description

Das aus dem Ende des Elefantenzahns gewonnene und innen hohle Hifthorn wurde von unterschiedlichen Schnitzerhänden innerhalb eines längeren Zeitraums bearbeitet. Die schmalen Ornamentbänder seitlich der Ringe lassen deutlich den Einfluss der hoch entwickelten fatimidischen Ornamentierkunst Ägyptens der Zeit um 1100 erkennen. Das breite und etwas abgetiefte, in der Ausführung härter und schematischer wirkende Ornamentband nahe der Mündung weist eher auf sizilische Einflüsse aus dem 12. Jh. hin. Hingegen belegen die Jagdszenen auf dem ursprünglich glatt belassenen Mittelstück, die in einem deutlich tiefer liegenden Relief ausgeführt sind, die Vertrautheit eines wohl erst im 12. Jh. tätigen dritten Schnitzers mit Stil und Vorbildern der byzantinischen Kunst. Auf drei umlaufende Zonen verteilt sind hier eine Löwen-, eine Hirsch- und eine Bärenjagd dargestellt, bereichert um landschaftliche Elemente (Bäume) und – gelegentlich – um einen Kranich. Die einzelnen Szenen entfalten sich erst, wenn man das Horn in Händen hält und von allen Seiten betrachten kann. Das Nebeneinander verschiedener Stile legt die Vermutung nahe, dass das Hifthorn in Unteritalien oder Sizilien entstand. Doch wurde auch Venedig vorgeschlagen, das ein ähnlicher Schmelztiegel aus orientalischen und byzantinischen Anregungen war. Die nachträgliche Ausarbeitung der Jagdszenen lässt erkennen, dass das Horn mehrfach den Besitzer gewechselt hatte. Die ursprüngliche Funktion der Olifanten war lange umstritten. Das spitze Ende weist eine Öffnung und einen Kanal auf, der mit der Pulpahöhle verbunden ist. Versuche, das Horn auch ohne aufgesetztes Mundstück zu blasen, ergaben einen tiefen und eindrucksvollen Ton, womit sich belegen lässt, dass derartige Hifthörner bei der Jagd benutzt worden sind. Jedenfalls muss es spätestens zu dem Zeitpunkt, als die Jagddarstellungen ausgeführt wurden, diesem Zweck gedient haben.
(Arne Effenberger)

Last updated: 27.10.2026

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Institution:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Würfelkapitell mit Blattornamenten

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Das Kapitell ist aus der Grundform des Würfels entwickelt und an allen vier Seiten ausgearbeitet. Aus einem mittig unter der Kämpferplatte hervorragenden Knopf wächst eine sich nach unten schildartig ausbreitende Palmette, deren oberer Rand nach vorn umgeschlagen ist. Es stammt aus dem Benediktinerkloster auf dem Huy, ein in fränkischer Zeit militärisch genutzter Höhenrücken im nördlichen Harzvorland. Von Beginn an stand das Kloster unter dem Schutz der Halberstädter Bischöfe, Burchard I. hatte neben der Marienkapelle auch eine Pfalz errichtet. Die Klosterchronik des 12. Jahrhunderts erwähnt die Fertigstellung des „monasteriums“ noch in der Regierungszeit Abt Alfrieds. Der Kreuzgang, der noch stehende, zweigeschossig gewölbte Bau an der Westseite des Südflügels und möglicherweise auch Gebäude östlich der Kirche können erst nach 1150 fertiggestellt worden sein. Dieser späteren Phase gehört wohl auch das Kapitell an. Im südlichen Abschnitt des Ostflügels hat es noch einen Zweistützenraum mit den bekannten Basen gegeben, in dem dieses Kapitell aufgestellt gewesen sein könnte. Die Bildhauer, die im dritten Viertel des 12. Jahrhunderts zum Ausbau der Huysburger Klausurgebäude herangezogen wurden, haben unter Verwendung des in Sachsen seit dem 11. Jahrhundert üblichen Würfelkapitells, aber auch der korinthischen Ordnung, vor allem durch die ausgeprägte Dreidimensionalität der Formen neue Maßstäbe in der Region gesetzt. Das ornamentale Kapitell ist eng mit der Bauskulptur des nördlichen Harzvorlandes verbunden und man kann davon ausgehen, dass die meisten der auf der Huysburg tätigen Bildhauer in sächsischen Werkstätten ausgebildet wurden und wohl auch an verschiedenen Baustellen der Region tätig waren.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)

Bildnis Baron Otto Hermann Vietinghoff-Scheel

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Über einem knappen Schulterausschnitt erhebt sich der leicht nacht rechts gewendete Kopf des ca. 55-jährigen Barons Otto Hermann von Vietinghoff-Scheel. Er trägt unter dem Rock eine Weste mit einem darüber diagonal verlaufenden Ordensband, weiter ein über die Brust reichendes Halstuch, das so genannte Jabot, mit dem der vordere Ausschnitt der Weste verdeckt wird. Sein Haar ist nach der im 18. Jahrhundert in Mode gekommenen Zopftracht mit Seitenlocken frisiert, die dem wohlgenährten Gesicht eine natürliche Würde verleiht.Der 1722 in Riga geborene Baron von Vietinghoff gehörte dem deutschbaltischen Uradel an und zählte zu den bedeutendsten Persönlichkeiten Livlands. Neben seinen Aufgaben als livländischer Gouvernementsregierungsrat in Riga, später Geheimrat und Senator, sowie am Hof von St. Petersburg, wo er im Dienste Katharina der Großen stand, machte er sich vor allem durch sein kulturelles, der Aufklärung verpflichtetes Engagement einen Namen. Sein immenser Reichtum erlaubte es ihm, die Kirche in Marienburg errichten zu lassen und ein großes Haus zu führen, im dem er die "Gesellschaft der Muße" gründete und ein Liebhaber-Theater einrichtete, deren Direktor er lange Zeit war. Darüber hinaus unterhielt er ein Orchester mit hervorragenden Musikern. Seine breitgefächerte Bildung und Kunstkenntnisse wie auch seinen ausgeprägten, in verschiedenen zeitgenössischen Quellen gerühmten Geschmack erwarb er durch zahlreiche ausgedehnte Reisen durch Frankreich und Italien. Unter seinem Einfluß erlebte seine Heimatstadt Riga einen kulturellen Aufschwung.Auf einer seiner zahlreichen Reisen in die französische Hauptstadt suchte der Baron - vermutlich 1777 - auch die Werkstatt von Jean-Antoine Houdon auf, um sich von dem erst 36-Jährigen, aber schon im Zenit seines Ruhmes stehenden Billdhauer porträtieren zu lassen. Houdon, der sculpteur der französischen Aufklärung, hatte sich vor allem durch seine Büsten der philosophes, der Pariser Intellektuellen wie u. A. Denis Diderot (1771) hervorgetan.Die zunächst in Gips ausgeführte Büste des Baron von Vietinghoff wurde im Pariser Salon von 1777 - wohl nur kurze Zeit nach ihrer Entstehung - mit 25 weiteren Werken Houdons ausgestellt, wie das livret unter der Nr. 238 vermerkt: "Portrait de M. le Baron de Vietinghoff (buste platre)". Diese frühe Fassung, von der noch weitere, nicht datierte Gipsrepliken existieren, dürfte als Modell für das hier gezeigte Marmorporträt von 1791 gedient haben, den es zeigt zweifellos den Mittfünfziger und nicht den 69-Jährigen, am Ende seines Lebens stehenden Baron. Houdon erfaßte in diesem Porträt nicht nur den selbstbewußten Staatsmann, dessen energisches Durchsetzungsvermögen uns in der Profilansicht besonders hervortritt, sondern auch den aufmerksamen lebensbejahenden Menschen, charkterisiert durch die leicht geöffneten Lippen und vor allem seinen offenen Blick, der einen Eindruck von jener Aktivität vermitttelt, mit der er durch sein wohltätiges Handeln einen kulturellen Wandel in seiner Heimatstadt herbeiführte. Houdon hat mit dieser Büste den Ruhm und die Verdienste des Barons auf eindrucksvolle Weise der Nachwelt überliefert.Hans-Ulrich Kessler