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Fragmente von zwei quadratischen Einsätzen

Ident. Nr.: 9825 a-b

ObjID: obj:1414459

Details (expert)

Date(s)
verbale Datierung: 4./5. Jahrhundert
Systematics/Type
Material / Technique
Leinen & Wolle
Dimensions
Höhe x Breite: 20 x 26 cm (Fragment a)
Höhe x Breite: 39 x 41 cm (Fragment b)
Rahmenmaß: 23 x 28 x 1,5 cm (Fragment a)

Object Description

Das Fragment einer ursprünglich quadratischen Wirkerei zeigt Reste eines Kreisgeflechts in dunkler Farbe auf hellem Grund. Im Kreis oben links ist ein kniender Eros in der üblichen Wiedergabe als kleiner nackter Knabe dargestellt. Die kleine Gestalt wendet sich nach rechts, wobei sie im ausgestreckten Arm einen Kranz vor sich hält. Um ihren Hals ist ein grünes Tuch geschlungen, dessen Zipfel hinter dem Rücken flattert. Die dunkel-purpurfarbenen Punkte im Hintergrund deuten Blattmotive an. Ein weiterer Kreis mit entsprechendem Motiv ist rechts oben zu ergänzen. Erhalten ist nur noch der ausgestreckte Arm des Eros, der eine ockerfarbene Frucht hält. Im beschädigten mittleren Kreis ist eine nach links blickende Wachtel mit rotem Schnabel, umgeben von grünen Blattzweigen zu sehen. Die Halbkreise an der linken und oberen Seite enthalten kelchförmige Schalen mit roten Früchten (Granatäpfel?). Kleine Reben mit drei- und einlappigen Blättern und roten Trauben, welche von den Windungen des Halbkreises abzweigen, füllen den Hintergrund. Mit ihren wohlproportionierten Figuren, den fein aufeinander abgestimmten Farben, der ausgewogenen Bildkomposition und nicht zuletzt wegen der handwerklich geschickten Ausführung gehört diese Wirkerei zu den besonders qualitätvollen Beispielen spätantiker Webkunst.
Quadratische Einsätze mit einem Geflecht aus fünf Kreisen und in symmetrischer Anordnung wiederkehrenden Motiven wie beim vorgestellten Exemplar sind zahlreich erhalten. Sie sind ein typisches Dekorationselement in Kissen oder Leinendecken aus Schlingengewebe, in die sie direkt eingewirkt wurden. Charakteristisch ist die Ausführung des Musters in überwiegend dunkler Farbe auf hellem Grund. Bunte Farbtupfer sind für bestimmte Details als besonderer optischer Reiz eingearbeitet. In der Sammlung des Museums für Byzantinische Kunst befindet sich ein Pendant zu diesem Wirkereifragment, bei dem noch Reste des umgebenden Schlingengewebes erhalten sind (Inv. 9825b). Mehrere Exemplare dieses Typs wurden in Achmim gefunden, weitere verwandte Stücke werden demselben Fundort zumindest zugeschrieben. Man darf annehmen, dass es in Achmim Werkstätten gab, die auf die Herstellung von Decken und Kissen dieser Art spezialisiert waren.

Veröffentlichung: C. Fluck / K. Finneiser, Kindheit am Nil, Berlin 2009, S. 38-39, Nr. 14

(Cäcilia Fluck 2017)

Last updated: 29.07.2026

Contact

Institution:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Kindertunika

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Die vollständig erhaltene Kindertunika besteht aus einem einzigen Gewebestück aus ungefärbtem Leinen. Sie wurde, wie die meisten Tuniken aus dem spätantiken bis früh-islamzeitlichen Ägypten, quer gewebt, das heißt, der Weber oder die Weberin begann und endete mit den Ärmeln. Vorder- und Rückenteil mit den typischen parallelen Zierstreifen (clavi) lagen folglich bei der Herstellung horizontal auf dem Webstuhl, der Halsschlitz dagegen senkrecht. Für die Herstellung dieser Kindertunika war eine Webstuhlbreite von mindestens 131 cm erforderlich, was der doppelten Länge der Tunika entspricht. Alle Dekorelemente, die Ärmelstreifen, die beiden clavi sowie die Hals- und Nackenborte, sind direkt in das Grundgewebe eingewirkt worden. Die farbigen Wollfäden sind in den Ärmelstreifen völlig und in den übrigen Wirkereien zum Teil ausgefallen. Auch der Halsschlitz in der Mitte des Gewebes entstand bereits während des Webvorgangs. In diesem Bereich kehrten die Schussfäden beidseitig um, wodurch man einen geraden Spalt erhielt. Die fertig gewebte Tunika hatte die Form eines großen Kreuzes. Nach der Abnahme vom Webstuhl musste sie um 90 Grad gedreht und in der Horizontalachse gefaltet werden. Die Seiten und Ärmel waren ursprünglich bis auf einen Bewegungsschlitz unter den Achseln geschlossen. Heute sind die Nähte gelöst, Spuren von Einstichlöchern und Nähgarnreste sind noch erkennbar. Die Ärmel wurden zum Handgelenk hin etwas schmaler. Dafür schlug man die Längsseiten schräg nach innen ein. Eine kleine Stopfstelle in der Mitte des Vorder- bzw. Rückenteils beweist, dass Kleidung mit großer Sorgfalt behandelt wurde, so dass sie lange getragen werden konnte.Die clavi und Ärmelstreifen sind mit jeweils einer Reihe herzförmiger roter Blätter in heller Umrandung auf grünem Grund verziert. Jede Reihe endet mit länglichen halben Ovalen. In den Zwickeln sind kleine rote Punkte zu erkennen. Die herzförmigen Blätter kehren im doppelten Zierstreifen an der Halsöffnung, diesmal jedoch liegend, wieder. Darunter setzt eine Bogenreihe an. Die Flächen zwischen den Säulen mit verdickten Enden als Basis sind mit roten, dunkelvioletten und gelben gestielten Blättern mit heller Binnenzeichnung gefüllt.Ein wellenförmiges Randmotiv, das gemeinhin als „laufender Hund“ bezeichnet wird, verläuft zu beiden Seiten der clavi und Ärmelstreifen sowie an der oberen Kante der Zierstreifen an der Halsöffnung. Diese Kante ist zusätzlich mit einer geflochtenen, rot-weißen Schnur eingefasst.Veröffentlichung: C. Fluck / K. Finneiser, Kindheit am Nil, Berlin 2009, S. 12-13, Nr. 1(Cäcilia Fluck 2017)

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Das Relief ist aus Basalt, einem sehr harten vulkanischen Gestein. Weil es so schwer zu bearbeiten ist, ist das Relief nur ganz flach ausgeführt.Die Darstellung ist in einem modern anmutenden, fast Comic-artigen Stil gehalten. Rechts steht eine Säule auf einem Stufensockel. Auf der Säule erscheint ein bärtiger Mann, von dem nur der Oberkörper sichtbar ist. Der Unterkörper wird von einer Brüstung verdeckt, deren Oberkante durch eine dünne Linie angedeutet wird. Ein fliegender Vogel hält einen kleinen Kranz über ihn. An die Säule ist eine Leiter gelehnt, die ein zweiter Mann hinaufgestiegen ist. In seiner rechten Hand hält er ein Weihrauchgefäß. Es hat die Form eines Kelches und ist an einer Kette aufgehängt. Beide Männer tragen jeweils ein typisches Mönchsgewand. Es hat die Form eines langen, gegürteten Hemdes. Über den Kopf ist eine Kapuze gelegt, die mit einem Kreuz geschmückt ist.Der Mann auf der Säule stellt einen christlichen Heiligen, den syrischen Asketen Symeon d. Ä. (um 390-459) dar. Die historisch bezeugte Gestalt lebte zuerst als Mönch in einem Kloster im nordsyrischen Kalksteinmassiv nordöstlich von Aleppo. Als junger Mann zog sich Symeon auf einen Felsen zurück und widmete sich der Verehrung Gottes. Später wurde dort eine Säule errichtet, auf der er lebte, die Säule wurde mehrmals erhöht. Zuletzt war sie 17 bis 20 Meter hoch. 42 Jahre soll Symeon ununterbrochen auf dieser Säule zugebracht haben. Weil Symeon als heilig und weise galt, kamen bald große Mengen von Pilgern herbei, zu denen Symeon mehrmals täglich predigte und ihnen Ratschläge gab. Auch nach seinem Tod reisten zahlreiche Pilger zu der Säule, um dort zu dem Heiligen zu beten. Sie nahmen von dem Pilgerort Andenken mit, an deren heilkräftige Wirkung sie glaubten. Um den Standort der Säule herum wurde das große Pilgerheiligtum Qal’at Sim’an mit einer christlichen Kirche, einem Baptisterium und Pilgerwohnungen errichtet, um den Pilgern Platz und einen Raum für Gottesdienste zu bieten. Weihrauch wurde bei christlichen Gottesdiensten verwendet. Der Mönch auf der Leiter mit dem Weihrauchgefäß könnte auf Gottesdienste im Symeons-Heiligtum hinweisen.Symeon war nicht der einzige christliche Mönch, der ein Leben auf einer Säule führte, aber einer der frühesten und der berühmteste. Diese Mönche werden Säulensteher oder Styliten genannt, nach dem griechischen Wort „stylos“ für Säule. Sie stellten sich auf Säulen, um sich von dem als sündig angesehenen Alltagsleben zu entfernen und sich ganz Gott zu widmen.Das Relief war möglicherweise an der Fassade einer frühchristlichen Kirche im syrischen Kalksteingebiet eingelassen. Solche Reliefs sind von anderen Kirchen in dieser Gegend bekannt. Zeitlich und stilistisch vergleichbare Darstellungen befinden sich im Museum von Damaskus und im Louvre zu Paris.GM