Logo

Runder Besatz mit Eroten und Tieren

Ident. Nr.: 9169

ObjID: obj:1414462

Details (expert)

Date(s)
verbale Datierung: 601 - 900
Systematics/Type
Geographical references
Ägypten,
Land/Region
Material / Technique
Wolle & Leinen
Dimensions
Durchmesser: 17 cm

Object Description

Der runde Besatz diente vermutlich zum Schmuck einer Tunika im Schulter- oder Kniebereich. Während beispielsweise der Dekor von Tunika Inv. 9104 direkt in das Grundgewebe eingewebt wurde, ist dieser Besatz mit weiteren zugehörigen Teilen im Set separat gewirkt und im Nachhinein aufgenäht worden. Dem ursprünglichen Kontext einmal entnommen, sind ehemalige Ein- und Besätze auf den ersten Blick nicht zu unterscheiden. Für Einsätze werden immer die Kettfäden des Grundgewebes verwendet, die am Übergang zur Wirkerei oft zwei-, drei- oder vierfach gebündelt, aber niemals gezwirnt werden. Die Kettfäden von Besätzen dagegen bestehen in der Regel aus gezwirnten Kettfäden. Beim runden Besatz sind sie an der oberen, leicht beschädigten Kante sichtbar. Die gut erhaltenen, bunten Farben des Dekors vermitteln einen Eindruck von der Farbenvielfalt und Prächtigkeit spätantiker Kleidung.
Im Zentrum bewegt sich auf rotem Grund ein nackter Eros nach rechts. Im vorgestreckten Arm hält er einen Fruchtkorb. Auf seinem Rücken flattert ein Mantelzipfel. In der breiten, umlaufenden grüngrundigen Bildzone sind in symmetrischer Anordnung links und rechts stilisierte Löwen, oben und unten Fruchtkörbe und in den Diagonalen schwebende, dickbäuchige Eroten mit oranger Haarkappe und kleinem sichelförmigen Flügel über dem Rücken zu sehen. Gegenüber Inv.9825 sind vor allem die figürlichen Bildmotive nicht mehr naturalistisch ausgeführt sondern deutlich abstrakter gestaltet. Die Formen sind aufgelöst, die Körperteile wirken wie aneinander gefügte „Bausteine“. Herzförmige Blätter, E-förmige und kleine rechteckige Motive füllen die Zwischenräume. Außen verläuft ein Band aus polychromen, sogenannten Chevrons (verzahnte V- oder W-förmige Ornamente).




Veröffentlichung: C. Fluck / K. Finneiser, Kindheit am Nil, Berlin 2009, S. 40-41, Nr. 15

(Cäcilia Fluck 2017)

Last updated: 29.07.2026

Contact

Institution:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

Additional items from the collections

Allegorie des Wahnsinns

Allegorie des Wahnsinns

Die auf einem Segmentbogen lagernde Aktfigur eines kahlköpfigen, finster dreinblickenden Mannes scheint in einem Anfall von Wut mit weit geöffnetem Mund zu brüllen. Aufgrund seines unberechenbaren Temperaments sind die Hände an den Gelenken miteinander verkettet. Nicht nur der sanft geschwungene Giebel, auch die Komposition der darauf ausgestreckten Figur erinnert an Michelangelos lagernde, die Zeiten des Tages symbolisierende Gottheiten aus der Medici-Kapelle in San Lorenzo in Florenz. Insbesondere das Motiv des sich auf dem Unterarm stützenden Armes, der die Aufrichtung des Oberkörpers erlaubt, ist Michelangelos Figur des „Abends“ entlehnt.Das bei seiner Erwerbung 1908 zunächst noch Pietro Tacca (1577-1640) zugeschriebene Modell konnte inzwischen mit überzeugenden Argumenten dem dänischen und überwiegend in England tätigen Bildhauer Caius Gabriel Cibber zugewiesen werden. Die hier dargestelte Allegorie des Wahnsinns ist das Pendant zur Liegefigur der Melancholie, die der Bildhauer als Giebelfiguren für das Hauptportal des Royal Bethlem Hospitals in Moorfields schuf. Das 1247 in Bedlam, vor den Toren Londons gegründete Hospital war seit dem Ende des 14. Jahrhunderts ein Heim für Geisteskranke. Als die Stadt 1666 einem Brand weitgehend zum Opfer fiel, ließ man zwischen 1674 bis 1676 einen Neubau nach den Plänen des Architekten Robert Hooke (1635-1703) außerhalb der Stadt in Moorfields errichten, wofür Cibber schließlich die beiden lebensgroßen Liegefiguren in Stein schuf. Bei dem hier ausgestellten Werk handelt es sich um einen ersten künstlerischen Entwurf des Künstlers.