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Kasten eines Riefel-Sarkophages mit Dach-Deckel

Ident. Nr.: 3020

ObjID: obj:1436139

Details (expert)

Date(s)
Datierung: 1. Viertel 4. Jahrhundert
Geographical references
Material / Technique
Marmor
Dimensions
Höhe x Breite x Tiefe: 105 x 242,5 x 81,5 cm (Kasten mit Deckel)
Höhe x Breite x Tiefe: 73 x 241 x 81,5 cm (Kasten)
Höhe x Breite x Tiefe: 32 x 242,5 x 81,5 cm (Deckel)
Gewicht: 1340 kg (Kasten)
Gewicht: 1069 kg (Deckel)
Acquisition
1904 durch Ludwig Pollaks Vermittlung in Rom erworben und als anonyme Schenkung in die Sammlung aufgenommen.

Object Description

Der Sarkophag, der bereits 1891 bei Syrakus gefunden wurde, gehört zu den wenigen Stücken mit vollständig erhaltenem Deckel. Der Deckel ahmt die Form eines Daches nach. In der Mitte ist eine hochragende Tabula angebracht, deren (einst gemalte?) Inschrift heute fehlt. Die Front des Sarkophagkastens ist mit S-förmig geschwungenen und in paralleler Folge angeordneten Riefeln (sog. strigilis) verziert. Diese sind auf zwei in sich geschlossene Felder verteilt und oben und unten von einem profilierten Rahmen eingefasst. In der Mitte und an den Enden blieben drei schmale Bildfelder ausgespart, die Raum für jeweils eine Figur boten. Im Zentrum steht vor einem aufgespannten Vorhang (parapetasma), der Grabherr mit ausgearbeiteten Porträtzügen. Er trägt eine lange Tunika und eine Toga (toga contabulata), in deren geschwungenen Bausch er mit seiner Rechten greift. Die anspruchsvolle Gebärde, die vornehme senatorische Tracht und der Vorhang sollen deutlich machen, dass der Verstorbene in eine höhere Sphäre entrückt ist. Durch die Schriftrolle in seiner Linken und das zusammengeschnürte Rollenbündel am Boden ist er als Philosoph gekennzeichnet. Im linken Eckfeld steht ein bärtiger Hirte nach außen gewandt, bekleidet mit kurzer, gegürteter Ärmeltunika, Schulterkragen (alicula) und Stiefelchen. Von seinem linken Arm hängt eine Hirtentasche herab. Auf den Schultern trägt er eine Ziege, deren Beine er mit der Linken zusammenhält, während er in der Rechten einen Kantharos empor hält, um das Tier zu tränken. Links unten neben ihm sitzt ein Hund, rechts sprosst ein Zweig empor. Der jugendliche Hirte im rechten Eckfeld wiederholt das Motiv des linken Hirten in spiegelbildlicher Anordnung, trägt jedoch ein Schaf auf den Schultern. Als Allegorien des erhofften Jenseitsfriedens stehen beide Hirtenfiguren in fortdauerndem Sinnbezug zu dem bereits entrückten Toten.

Last updated: 30.07.2026

Contact

Institution:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Heiliger Martin

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Wandkonsole mit reichem Blattbesatz (Laubwerkkonsole)

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Die Konsole hat eine kelchförmige Gestalt mit Blattornamenten und rechteckiger Deckplatte. Die Deckplatte zeigt ein halbiertes Sechseck und ist wohl dadurch zu erklären, dass sie im schrägen Gewände des Portals gestanden haben wird. Der vegetabile Schmuck besteht aus einer Reihe von Blättern, die dem Kelch aufgelegt sind und zur eckigen Form der Deckplatte vermitteln. Dadurch wird die tektonische Strenge überspielt, ohne gegen die Konventionen des Aufbaus einer gotischen Konsole zu verstoßen.Die Kirche des in den 1030er-Jahren am linken Aaufer gegründeten Damenstifts Liebfrauen war von Beginn an zugleich Pfarrkirche der Bürger der Münsteraner Vorstadt Überwasser. Diese Doppelfunktion, die sich auch in der Finanzierung und Nutzung des 1340 begonnenen Neubaus spiegelt, dürfte für die Konzeption des Westportals von Bedeutung gewesen sein. Mit der Errichtung des Turms wurde, wie man aus einem Bauvertrag weiß, 1363/64 begonnen. 1374 ließ Fürstbischof Florenz von Wevelinghoven (amt. 1364–78) mehrere Reliquien in der rechten Schulter des Marienbildes am Portal einschließen und man hat zu Recht angenommen, dass zu diesem Zeitpunkt das Portal mit seinem Figurenschmuck vollendet war, vielleicht auch schon bereits seit mehreren Jahren. Die Funktion der Konsolen ist die Vermittlung zwischen der streng geometrischen Architektursprache des kunstvollen Portalgebildes und der menschlichen Figur. Daher wurden auch die einzelnen Glieder (Halsring und Kelch) in fantasievolle pflanzliche Gebilde aufgelöst, deren wohl kalkulierter Verismus nicht auf effektvolle Überraschung abzielt, sondern der Wirkungs- und Bedeutungseinheit von Architektur und Skulptur dient.Die Konsolen des Westportals der Liebfrauenkirche passen gut in die Genese gotischer Laubwerkgestaltung, bei der um 1350 eine Tendenz zur stärkeren Bewegung und einem Verwischen der Grenzen zwischen Wand und Ornament festzustellen ist. Die Werkstatt hat, wie die geringere Qualität der späteren Konsolen in Münster zeigt, die Stadt wieder verlassen, möglicherweise, um in Utrecht zu arbeiten, wo sich am Dom um 1380 vergleichbare figürliche Darstellungen finden. Der Steinmetz hat sich eindeutig an der Bauornamentik des Kölner Doms orientiert, wie eine Durchsicht der dortigen Kapitelle im Chor und Langhaus zeigt. (Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)