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Ident. Nr.: NG 18/69

ObjID: obj:1437173

Details (expert)

Involved
Ausführung: Wols (1913 - 1951),
Zeichner*in
Dating
Herstellung: 1940 - 1942
Material / Technique
Schwarze Feder auf Papier
Dimensions
Blattmaß: 28,0 x 21,5 cm

Object Description

Ehe sich Wols der bildenden Kunst zuwandte, arbeitete er erfolgreich als Fotograf. Wols verließ Deutschland zwischen 1932 und 1933, um zunächst in Spanien, dann in Frankreich zu leben. Die Begegnung mit den Surrealisten war der entscheidende Impuls für seine bildkünstlerische Arbeit. In den späten dreißiger Jahren entstanden Zeichnungen, die absurden, surrealen Phantasien folgen.
Gegen 1940 veränderte Wols seine Zeichenweise. Die bis dahin figurativen, im surrealen Kontext agierenden Zeichnungen, lösen den gegenständlichen Bezug immer weiter auf. Sie bewegen sich zunächst noch im Umkreis von Yves Tanguy und führen in der zweiten Hälfte der vierziger Jahre in die Problematik des »informel«, zu dessen Begründern er neben Jean Fautrier, Henri Michaux, Jackson Pollock oder Mark Tobey zählt. Wie diese hatte Wols sein Werk unabhängig erarbeitet.
Die schwarzweiße Zeichnung, nach Wols' Internierung in Cassis entstanden, ist von den organoiden Formen des surrealistischen Malers Tanguy beeinflußt, geht aber in der Struktur eigene Wege. Die unmittelbare Realität ist bereits weitgehend aus dem Bildraum verbannt. Die Zeichnung wächst aus dem Automatismus der wie im Rausch über das Blatt geführten Feder. Die durch Zusammenführen der an verschiedenen Punkten verdichteten Linien entstandenen Figurationen zeigen eine unbewußte Phantasiewelt, die die Wirklichkeit nur noch verhalten anklingen läßt. Assoziationen von mit Lebewesen bevölkerten Gebirgslandschaften, und sich scheinbar zeigende Perspektiven zerfallen bei genauerer Betrachtung in undefinierbare Gebilde. Dennoch ist das Lineament nicht beliebig in das Format gesetzt, sondern folgt einer unkontrollierten, intuitiven Komposition. Das Zeichnen ist für Wols das wesentliche Ausdrucksmittel, welches nicht nur sein gesamtes Werk durchzieht, sondern auch der entscheidende Unterbau seiner Malerei bleibt. Ähnlich wie bei Klee haben seine Zeichnungen eine musikalische Qualität, die rhythmisch durch die Verästelungen seiner Welten schwingt.

Text: Eugen Blume in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 476f., Kat. VIII.42 (mit weiterer Literatur)

Last updated: 28.01.2026

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Institution:

Kupferstichkabinett

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