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Kubisches Architekturelement mit Relief eines männlichen Kopfes zwischen zwei zurückblickenden Löwen

Ident. Nr.: 6391

ObjID: obj:1442659

Details (expert)

Date(s)
11. Jahrhundert
Geographical references
Material / Technique
Marmor
Dimensions
Höhe x Breite x Tiefe: 30 x 58 x 58 cm
Gewicht: 190 kg

Object Description

Der an drei Seiten verzierte Block war, wie so viele Spolien aus älterer Zeit, an der Stadtmauer von Konstantinopel nahe der Festung Yedikule eingemauert, vermutlich im Zusammenhang mit einer Reparatur. Er stammte jedoch aus einem unbekannten architektonischen Zusammenhang und diente ursprünglich als Konsole oder Pfeilerkämpfer. Auf der Vorderseite sitzen zwei Löwen nach außen gewendet. Die übergroßen Köpfe – der linke ist weggebrochen – sind zur Mitte zurückgedreht, ihre Hinterleiber berühren sich. Den rhombenförmigen Zwischenraum füllt eine jugendliche männliche Maske mit scharf geschnittenen Zügen und starrem Ausdruck. Auf der linken Nebenseite sitzen innerhalb eines vertieften Bildfeldes zwei Greifen mit zurückgewendeten Köpfen – auch hier ist der linke weggebrochen. Ihre Hinterleiber und Flügelspitzen berühren sich wieder in der Bildmitte. Auf der rechten Nebenseite sind um eine zentrale Kreuzrosette zwei gegenständige Papageien angeordnet, die auf Kugeln sitzen. Ihre Schwänze überkreuzen sich, die Köpfe sind zurückgedreht, die Schnäbel picken an den Blättern der Rosette. Halsbänder und Gefieder sind durch einfache Kerbstiche angedeutet, die Flügeldecken sind mit Rosetten verziert. Die Tiermotive und die heraldische Kompositionsweise gehen wohl auf Anregungen aus der sasanidischen Kunst zurück, die zunächst über die Textilkunst (Seidenweberei) in Byzanz Eingang gefunden hatten. Besonders die gegenständigen Papageien gehörten zum Repertoire der mittelbyzantinischen Kapitelldekoration.

Last updated: 29.07.2026

Contact

Institution:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Das Kapitell ist aus der Grundform des Würfels entwickelt und an allen vier Seiten ausgearbeitet. An den vier Schildflächen erscheinen leicht alternierende vegetabile Ornamente im flachen Relief. Es stammt aus dem Benediktinerkloster auf dem Huy, ein in fränkischer Zeit militärisch genutzter Höhenrücken im nördlichen Harzvorland. Von Beginn an stand das Kloster unter dem Schutz der Halberstädter Bischöfe, Burchard I. hatte neben der Marienkapelle auch eine Pfalz errichtet. Die Klosterchronik des 12. Jahrhunderts erwähnt die Fertigstellung des „monasteriums“ noch in der Regierungszeit Abt Alfrieds. Der Kreuzgang, der noch stehende, zweigeschossig gewölbte Bau an der Westseite des Südflügels und möglicherweise auch Gebäude östlich der Kirche können erst nach 1150 fertiggestellt worden sein. Dieser späteren Phase gehört wohl auch das Kapitell an. Im südlichen Abschnitt des Ostflügels hat es noch einen Zweistützenraum mit den bekannten Basen gegeben, in dem dieses Kapitell aufgestellt gewesen sein könnte. Die Bildhauer, die im dritten Viertel des 12. Jahrhunderts zum Ausbau der Huysburger Klausurgebäude herangezogen wurden, haben unter Verwendung des in Sachsen seit dem 11. Jahrhundert üblichen Würfelkapitells, aber auch der korinthischen Ordnung, vor allem durch die ausgeprägte Dreidimensionalität der Formen neue Maßstäbe in der Region gesetzt. Das ornamentale Kapitell ist eng mit der Bauskulptur des nördlichen Harzvorlandes verbunden und man kann davon ausgehen, dass die meisten der auf der Huysburg tätigen Bildhauer in sächsischen Werkstätten ausgebildet wurden und wohl auch an verschiedenen Baustellen der Region tätig waren.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)