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Muttergottes, das Kind nährend

Ident. Nr.: 1789

ObjID: obj:1448256

Details (expert)

Dating
1. Hälfte 13. Jahrhundert
Additional titles
Collection title: Muttergottes, das Kind nährend
Maria lactans
Material / Technique
Lindenholz, polychromiert
Dimensions
Höhe x Breite x Tiefe: 41 x 17 x 14 cm
Gewicht: 1,5 kg

Object Description

Das kleinformatige Werk gehört zu den frühen bekannten Skulpturen der stillenden Muttergottes, eines Bildtyps, der sich von Byzanz ausgehend zunächst in der abendländischen Malerei etabliert hatte. Deutlich erkennbar ist das Bemühen des Bildschnitzers, die neue Ikonografie, für die ihm nur wenige Bildvorlagen zur Verfügung gestanden haben können, aus dem traditionellen Typ der frontal thronenden Muttergottes (Sedes Sapientiae) zu entwickeln. Der Aspekt der Königswürde dürfte ursprünglich stärker artikuliert gewesen sein. Trotz des Fehlens der vorderen Pfosten erinnert das gesamte Sitzmöbel an einen Thron, wie er für Sitzmadonnen des 12. Jahrhunderts obligatorisch gewesen ist. Ganz anders ist die obere Hälfte der Statuette gestaltet. Maria bettet das quer über ihrem Schoß liegende Kind in ihren Mantel, den sie mit der Rechten hält und wie eine Decke um ihren Sohn legt. Ihr Oberkörper vollführt eine starke Drehung zum Kind hin, dem sie mit der Linken die rechte Brust reicht. Ihr unbedecktes Haupt mit offenen Haaren hat Maria weit herab zum Kind gewandt, dem sie in die Augen zu schauen scheint; und auch das Gesicht mit gewölbten Wangen, großen Augen und lächelndem, schmalem Mund ist das einer gänzlich auf ihr Kind konzentrierten Mutter.

Bei aller Intimität der Darstellung ist das Bild der stillenden Muttergottes ebenso symbolisch aufgeladen wie das der thronenden Muttergottes. Es existierte bereits in frühchristlicher Zeit, konnte sich als plastischer Bildtyp im Abendland aber erst im 13. Jahrhundert durchsetzen. Eines der wenigen früheren Beispiele ist die berühmte Madonna des Dom Ruppert, ein meist um 1150/60 datiertes Steinrelief aus der Lütticher Benediktinerabtei Saint-Laurent (Collection des Musées d’Archéologie et d’Arts décoratifs de la Ville de Liège – Grand Curtius). Dieser neue Bildtyp in der Skulptur muss vor dem Hintergrund einer zunehmenden Marienfrömmigkeit gesehen werden, die nach Veranschaulichung der theologischen Grundsätze der Gottesmutterschaft, Himmelskönigin und Heilsvermittlerin verlangte.
Da die Figur hinten leicht abgeflacht ist, dürfte sie vor einer Rückwand, wahrscheinlich auch in einem kleinen Schrein gestanden haben, wie im 12. und 13. Jahrhundert üblich. Ihre geringe Größe und die Kleinteiligkeit der Motive sprechen für einen privaten Kontext. Man muss die Madonna aus großer Nähe und von links wie von rechts betrachtet haben können. Zweifellos diente sie in erster Linie der andächtigen Versenkung in das Geheimnis der leiblichen Mutterschaft Marias.
Die freiere Bewegung des Oberkörpers lässt sich mit sitzenden Marienfiguren in Verbindung bringen, die um 1230 am Niederrhein und im Rhein-Maas-Gebiet entstanden sind.

(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)

Last updated: 02.07.2026

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Institution:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Kruzifixus

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Das Kruzifix stammt mit größter Wahrscheinlichkeit aus der Stabkirche von Vang im Valdres-Tal (Oppland, Norwegen), die der Maler Johan Christian Dahl am 18. Januar 1841 für den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. erwerben ließ. Der König wollte die Stabkirche zunächst auf die Pfaueninsel unweit seiner Potsdamer Residenz versetzen. Doch bereits im Winter 1841/42 entschied Friedrich Wilhelm IV., die Kirche nicht als Baudenkmal in Hauptstadtnähe, sondern als Gotteshaus im schlesischen Riesengebirge in Brückenberg (Karpacz Górny) in der Nähe seiner Sommerresidenz Erdmannsdorf (Mysłakowice) wieder aufbauen zu lassen. Von den beweglichen Ausstattungsstücken begleiteten lediglich zwei Leuchter die Kirche nach Schlesien. Es ist unklar, was mit den weiteren Werken aus Norwegen geschah. Sicher ist, dass Friedrich Wilhelm IV. 1845, das Kruzifix als Geschenk an die Kunstkammer überwiesen hat, von wo aus es später in den Besitz des Deutschen Museums überging. Die zeitliche Nähe dieser Schenkung zu der überlieferten Lagerung des Vanger Kruzifixes in Berlin, die Tatsache, dass es sich um königlichen Privatbesitz handelte und die Singularität einer norwegischen Skulptur in den Königlichen Museen lassen keinen anderen sinnvollen Schluss zu, als dass es sich bei Inv. 364 um das Kruzifix aus Vang handelt.Das Kruzifix ist schwer einzuordnen. Sämtliche Details gehören dem 13. Jahrhundert an, sind aber sehr roh und eigentlich kaum verstanden, wie Tuchfalten, Oberkörper und Gesicht demonstrieren. Unter den erhaltenen norwegischen Werken findet sich keines mit einer über Motive hinausgehenden Verwandtschaft. Der erhobene Kopf und die gezackten Locken sind ohne Parallele. Es fragt sich angesichts des ausgeprägten Zickzackverlaufs der Haare und der zeichenhaften Ausbildung des Oberkörpers, ob dem Schnitzer nicht eine Buchmalerei als Vorlage gedient hat, wo gerade diese Elemente besonders ausgeprägt waren. Überhaupt scheint es, als wäre der Bildschnitzer ungeübt im Schnitzen eines Kruzifixus gewesen, hätte aber streng nach einer Vorlage aus dem 13. Jahrhundert gearbeitet. Diese Arbeitsweise spricht jedoch auch gegen die im 19. Jahrhundert übliche Vorgehensweise neugotischer Bildschnitzer. Außerdem muss das Werk deutlich vor 1840 entstanden sein, da es damals keine liturgische Funktion mehr in der Stabkirche hatte. Gemeinsam mit den technologischen Befunden, vor allem zur Fassung (keine älteren Reste unter der heute sichtbaren), und den Erwerbungsumständen bleibt daher nur der Schluss, dass es sich um eine Arbeit der Zeit vor 1800, vielleicht des 18. Jahrhunderts handelt, bei der ein möglicherweise beschädigtes Kruzifix des 13. Jahrhunderts nachgeahmt wurde. Solche Fälle sind im Norwegen des 17. und 18. Jahrhunderts nicht selten.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)

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