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Adam und Eva mit Kain und Abel

Ident. Nr.: 3-24

ObjID: obj:1569867

Details (expert)

Involved
Ausführung: Cristofano Robetta (1462 - 1535),
Stecher*in
Dating
Herstellung: um 1500-1510
Geographical references
Florenz,
Stadt
Material / Technique
Kupferstich
Dimensions
Blattmaß: 26,4 x 18,6 cm

Object Description

Vor einem tief und kontinuierlich erschlossenen Landschaftsraum, der Dürers Stich »Madonna mit der Meerkatze« von 1498 entlehnt ist (Bartsch, Nr. 42), sitzt das erste Menschenpaar mit Kain und Abel auf einer Felsenbank. Die öde Umgebung, das Attribut der Hacke in den Händen Adams, die nachdenklich gesenkten Blicke und die Beschäftigung Evas mit den Kindern spielen auf die Situation nach dem Sündenfall und das verdammende Urteil Gottes an (Genesis 3,16ff.).
Der Stich krönt das gut 40 Blätter umfassende Œuvre Robettas, der, etwas zu Unrecht, oft als Eklektizist eingestuft wird. Mit schwellenden, teils durch feine Doppelungen vitalisierten Linien sind die Figuren umrissen; haarfeine Punkte, Striche, Parallel- und Kreuzschraffen gliedern in unterschiedlicher Dichte die Binnenformen, erzeugen weiche Lichtreflexe (Gesicht Adams!) und versuchen, auch die Landschaft stofflich zu differenzieren. Deutlich ist der Einfluß zweier Künstler der Zeit um 1500 zu spüren. Schon genannt wurde Albrecht Dürer, der andere ist Filippino Lippi. Der Kopftypus von Lippis Mariendarstellungen ist hier in der Eva aufgegangen, die auch durch ihre Haltung mit dem Knaben auf den Knien den in der christlichen Typologie geläufigen Vergleich Eva-Maria vergegenwärtigt – eine Beziehung, die in diesem Fall durch Nacktheit, gelöst flatterndes Haar und Perlenhalskette die Gestalt der antiken Venus miteinschließt. Weiter präfiguriert die ganze Gruppe das neutestamentliche Sujet der »Heiligen Familie mit dem Johannesknaben« (vgl. Inv. Nr. 716-20). Verkörpert in einem schönen Paar, das – ganz anders als die Maria im Vorbild Dürers – die Landschaft nur als Folie nutzt und dem Betrachter wie im Spiegel gegenübersteht, und verstärkt durch die Assoziation an die Göttin der Liebe, verwandelt sich die christliche Ikonographie unter Robettas Händen in ein weltliches, sehr anspruchsvolles Thema der florentinischen Hochrenaissance.

Hein-Th. Schulze Altcappenberg in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 257, Kat. V.15 (mit weiterer Literatur)

Last updated: 15.12.2025

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Institution:

Kupferstichkabinett

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