Skizzenblatt: Die Versöhnung von Jakob und Esau (oben) und Mucius Scaevola vor Porsenna (unten)
Ident. Nr.: KdZ 3241
ObjID: obj:1582408
Details (expert)
- Creator/Entity
- Date(s)
- Herstellung: 1622-1623Abweichende Datierung: 1626-1628Abweichende Datierung: 1617-1619
- Provenance
- Matthäus Merian der Jüngere (1621-1687),
798273Friedrich Wilhelm, Kurfürst von Brandenburg und Herzog in Preußen (1620-1688),
1688Friedrich Wilhelm I. König von Preußen (1688-1740),
174976Königliche Bibliothek ,
ca. 1780-1814Überweisung: Königliche Akademie der Künste zu Berlin,
1814-1831 - Material / Technique
- Feder in Braun
- Dimensions
- Blattmaß: 31,9 x 20,6 cmWasserzeichenmaß: max. 90 x 52 mm
- Acquisition
- 1831 von der Königlichen Akademie der Künste an das neu gegründete Kupferstichkabinett überwiesen
- Permalink
- https://id.smb.museum/object/1582408
Object Description
Das Blatt wurde beidseitig genutzt. Die Vorderseite teile Rubens in zwei Register auf und entwarf zwei Kompositionen zu Themen, die auf den ersten Blick nichts miteinander gemein haben. Die beiden Gemäldeentwürfe entstanden jedoch für denselben Ort: den Salón nuevo im Alcázar, der Residenz des spanischen Königs Philipp IV.
Rubens wurde vermutlich bereits 1622/23 mit einem Auftrag zur Ausstattung des Raumes betraut, für dem auch andere Maler Gemälde beisteuerten. Die beiden Zeichnungen auf einem Blatt entstanden vermutlich als erste Ideenskizzen, denn Rubens passte die Formate noch einmal an, nachdem er exakte Vorgaben aus Spanien erhalten hatte und das Gemälde für die obere Reihe ein Hochformat sein sollte. McGrath vermutete, dass die Zeichnung sogar einen Vorschlag zur Hängung der Gemälde als Pendants übereinander darstellen könnte. Rubens lieferte seine insgesamt acht Bilder 1628 selbst als diplomatischer Gesandter an den spanischen Hof. Der Alcázar allerdings wurde 1734 bei einem Brand zerstört und mit ihm über 500 der 2.000 dort verwahrten Gemälde, darunter etliche von Rubens wie das Reiterbildnis Philipps IV.
Die obere Szene der Zeichnung stellt einen Moment der Vergebung im Alten Testament dar: Jakob hatte mit einer List seinen älteren Bruder Esau um das Erstgeburtsrecht und den Segen des (blinden) Vaters Isaak betrogen. Aus Angst vor der Rache seines Bruders floh Jakob in die Ferne und kehrte erst 20 Jahre später auf Gottes Geheiß in seine Heimat zurück, wo sich die beiden Brüder versöhnten (1 Mose 27-33). Das Gemälde war für die Hängung im oberen Wandbereich des Salón gedacht. Es befindet sich heute in Schloss Schleißheim, weil Maria Anna von Pfalz-Neuburg, die Gemahlin des spanischen Königs Carlos II., es ihrem Bruder Johann Wilhelm von der Pfalz nach Deutschland geschickt hatte, sodass es vor dem Brand bewahrt blieb. Die Ölstudie von Rubens zur Vorbereitung des Gemäldes ist heute in der National Gallery of Scotland, Edinburgh.
Vermutlich auf derselben Wand des Salóns in der unteren Reihe hing das Bild mit Mucius Scaevola vor Porsenna. Die dargestellte Begebenheit wird von Livius überliefert. Als Rom im frühen 6. Jahrhundert v. Chr. von den Etruskern belagert wurde, schlich sich der Römer Gaius Mucius ins feindliche Lager, um den Anführer der Etrusker, Lars Porsenna, zu töten. Er wurde ergriffen und vor Porsenna gebracht, dem er seine Mitstreiter verraten sollte. Vor den Augen Porsennas hielt Mucius seine Hand ins Feuer, um seine Standhaftigkeit zu beweisen. Beeindruckt von Mucius' Furchtlosigkeit und Ehrgefühl, entließ ihn Porsenna in die Freiheit, begann Verhandlungen mit Rom und brach die Belagerung der Stadt ab. Gaius Mucius führte fortan den Beinamen "Scaevola" (linke Hand), weil seine Rechte verbrannt war. Das Gemälde ging bei dem Brand der spanischen Residenz verloren, eine Werkstattreplik wird heute im Museum der Bildenden Künste in Budapest aufbewahrt.
Die mythologische Szene auf der Rückseite mit Meleager und Atalante wurde nicht als Gemälde ausgeführt.
Während der Corpus Rubenianum (Elizabeth McGrath) ebenso wie Frits Lugt, Julius S. Held, Ludwig Burchard, Roger-Adolf d’Hulst und Hans Mielke die Zeichnung als eigenhändig akzeptierten, wird die Zuschreibung von Anne-Marie Logan in Frage gestellt. Sie schlägt eine Zuschreibung an Abraham van Diepenbeeck, einen Rubens-Schüler, vor. In der Forschung wurde auch eine Zuschreibung an Anton van Dyck erwogen (Max Rooses, Elfried Bock, Jakob Rosenberg, Michael Jaffé), jedoch vom Corpus Rubenianum abgelehnt.
Last updated: 11.09.2026
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