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"Iz gekummen der ochs..." (aus: Chad Gadya)

Ident. Nr.: 7-1992, h

ObjID: obj:1583800

Details (expert)

Creator/Entity
Ausführung: El Lissitzky (1890-1941),
Zeichner*in
Ausführung: Kultur-Liga (Kultur-Lige), Kiew,
Verleger*in
Date(s)
Herstellung: 1919
Material / Technique
Farblithographie
Dimensions
Blattmaß: 28,0 x 26,0 cm

Object Description

1914 schließt Lissitzky sein 1909 an der Polytechnischen Hochschule in Darmstadt begonnenes Studium der Architektur mit dem Diplom ab und muß Deutschland nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs verlassen. 1916 tritt er in ein Moskauer Architekturbüro ein. In der ersten Hälfte des Jahres 1919 hält er sich einige Monate in Kiew auf, »einem der führenden Zentren jüdischer Kultur und die Heimat der neu gegründeten ›Kultur-Liga‹, mit der Lissitzky eng zusammenarbeitete« (Peter Nisbet in Kat. Hannover 1988, S. 12) und in deren Verlag im selben Jahr Chad Gadya erscheint. Im Sommer 1919 wird er an die Kunstschule in Witebsk berufen, wo er bald schon Kasimir Malewitsch begegnet (vgl. Inv.Nr. 51-1986) und sodann eine geometrisch-abstrakte Bildsprache entwickelt (vgl. Inv.Nr. 66-62 (N)), für die sich Ansätze freilich auch schon in seinem vorangehenden Schaffen finden.
Chad Gadya, zu deutsch: ein Zicklein, ist der Titel eines ursprünglich jiddischen Volksliedes, dessen früheste schriftliche Fassungen vom Beginn des 16. Jahrhunderts stammen und das zum ersten Mal 1590 in Prag gedruckt erscheint. In zehn Strophen wird erzählt von einer kleinen Ziege, die von einer Katze gefressen wird; die Katze wird von einem Hund gebissen; den Hund schlägt ein Stock; der Stock verbrennt im Feuer; Wasser löscht das Feuer; ein Ochse (s. das abgebildete Blatt) trinkt das Wasser; ein Fleischer schlachtet den Ochsen; der Todesengel tötet den Schlachter, und den Tod vernichtet Gott, der Herr.
Zwar hat das Lied einen kindlichen Klang, aber es lud auch ein »zu einer allegorischen Interpretation. Die geläufigste sieht in ihm eine Allegorie des Schicksals des jüdischen Volkes, das von der kleinen Ziege repräsentiert wird. Und alle, die sich gegen sie wenden, symbolisieren die Feinde dieses Volkes im Wechsel der Jahrhunderte: die Katze steht für das Königreich Assyrien, der Hund für Babylon, der Stock für das Königreich der Perser, das Feuer für Griechenland, das Wasser für Rom, der Ochse für den Islam, der Schlach¬ter für die Kreuzritter und der Todesengel für die Türken, die das Land Israel eroberten und seine Erlösung verhinderten bis Gott sich zum Eingreifen entschloß. Chad Gadya mag aber auch verstanden werden als eine Geschichte von der Zerstörung bestehender Ordnungsgefüge, vom Kampf zwischen kriegerischen Mächten und der Erschaffung einer neuen Ordnung.« (übersetzt nach Moshenson 1986, S. 4)
In einem Eingangsblatt und den zehn Hauptillustrationen erzählt Lissitzky die Geschichte des Zickleins in Bildern, die sich von der russischen Folklorekunst herleiten. In den Illustrationen selbst erinnern nur einzelne kubistische Elemente an die zeitgenössische Avantgarde, während Lissitzky die Innenseiten des Bucheinbandes in den Formen der geometrischen Abstraktion gestaltet hat, die bereits auf seine sich anschließende Werkphase verweisen.
Die Lithographien des Buches und ihnen nahe verwandte Aquarelle und Gouachen im Tel Aviv Museum regten Frank Stella an zu der Folge »Illustrations after El Lissitzky's Had Gadya« (vgl. Inv.Nr. Lb 15-1989, 1-10 und A,B).

Text: Alexander Dückers in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 466 f., Kat. VIII.32 (mit weiterer Literatur)

Last updated: 25.08.2026

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Kupferstichkabinett

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