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Reliquiar in Sarkophagform

Ident. Nr.: 10/87

ObjID: obj:1604906

Details (expert)

Dating
5./6. Jahrhundert
Material / Technique
Gipsstein
Dimensions
Höhe: gesamt 30,5 cm
Breite: 39,5 cm
Tiefe: 18 cm
Gewicht: 29 kg

Object Description

Das Reliquiar, ehemals durch seitlich an Kasten und Deckel angebrachte eiserne Klammern verschlossen, besitzt eine hochgelegene Einfüllöffnung auf der Rückseite des Deckels und eine Ausflussöffnung im unteren Bereich der dekorierten Frontseite des Kastens. Oben konnte Öl eingegossen werden; es benetzte die im Inneren des Kastens befindlichen Reliquien, galt durch diese Berührung für geheiligt und konnte nach Austritt durch die untere Bohrung aufgefangen werden. Vielleicht sind die Bohrungen der Einfüll- und der Ausfüllöffnung erst etwas später hinzugefügt worden, um das Reliquiar für den Kult der Öl-Libation geeignet zu machen; darauf könnte die rückseitig gelegene obere Öffnung hindeuten. Bei etlichen anderen syrischen Reliquiaren sind nämlich die für das Öl vorgesehenen Öffnungen mit eindeutigem Vorbedacht platziert und passend geformt, indem die Einfüllöffnung auf dem First des Deckels angeordnet und ungefähr schalenförmig ausgearbeitet wurde, und auch die Ausflussöffnung mündet bisweilen in eine Aushöhlung, die eine gewisse Menge des ausgetretenen Öles aufnehmen konnte; ein Beispiel dafür bietet das zweite syrische Reliquiar Inv. 1/88. Abweichend von manchen der syrischen Reliquiare, die Innen nur teilweise, in der Regel halbkugelförmig, zur Aufnahme einer kleinen Reliquienmenge ausgehöhlt wurden, sind die beiden Berliner Exemplare kastenförmig, mit annähernd gleich bleibender Wandungsstärke, ausgearbeitet; möglicherweise waren die Reliquien in einem kleinen, in eine leichte Vertiefung des Bodens eingestellten Behältnis enthalten. In der Regel waren derartige Reliquiare in einem nördlich oder südlich der Apsis gelegenen Nebenraum des Sanktuariums von Kirchen Nord- und Mittelsyriens aufgestellt. Die Dekoration dieses Beispiels besteht aus zwei von Kreisen umgebenen Kreuzen (wobei die beiden gleichwertigen Motive absichtsvoll variiert sind, ein Verfahren, das zum Beispiel auch in der Ornamentik der Baudekoration der Kirchen Nordsyriens beobachtet werden kann), ferner je einem horizontalen Streifen mit Lorbeerstab an den Seiten der Front sowie dem traditionellen, hier bereits stark reduzierten Motiv der Halbpalmette auf den Akroteren an den vorderen Ecken des Deckels.

Last updated: 07.07.2026

Contact

Institution:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Heiliger Nikolaus

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Der schlanke Körper des heiligen Bischofs ist stark durchgebogen, der linke Fuß vorgestellt und das Knie deutlich nach innen geknickt. Dieses bereits Mitte des 14. Jahrhunderts beliebte Standmotiv wird kombiniert mit einer ausladenden rechten Hüfte, über der in der eng anliegenden rechten Hand drei goldene Kugeln, eines der Hauptattribute des Nikolaus von Bari, liegen. In der linken Hand befand sich ehemals ein Bischofsstab, der vielleicht bereits bei der Erwerbung nicht mehr als Original, sondern (mittlerweile ebenfalls verlorene) spätere Ergänzung vorhanden war. Die Hand umfasst den Stab mit einem im Mittelalter zu dessen Schutz gebräuchlichen Schweißtuch (Sudarium). Hinter dem Stab ist der um den linken Unterarm bzw. das Handgelenk gelegte Manipel, ein Rangabzeichen der höheren Kleriker, zu erkennen. Dazu muss man die Figur allerdings aus der Schrägansicht betrachten. Auch die beiden Enden der Stola, die Nikolaus seinem bischöflichen Rang gemäß zwischen Albe und Kasel über beide Schultern gelegt hat, sind nur aus den beiden Halbprofilansichten erkennbar. Der Oberkörper wirkt sehr gelängt – ein Eindruck, der durch Reduktion der Falten an der Kasel auf drei flache, parallel verlaufende Schüsseln verstärkt wird. Im unteren Bereich des Gewandes setzen sich diese stets nach links ausgerichteten Schüsselfalten in etwas voluminöserer Form, doch in ähnlich weiten Abständen fort.Ein auffälliges Motiv ist die schräge Kopfhaltung. Heute scheint es, als würde Nikolaus nach oben schauen, doch war sein Blick ursprünglich geradeaus gerichtet. Die Neigung des Haupts dürfte somit lediglich kompositorisch (und nicht durch eine entsprechende Blickrichtung auch noch szenisch) auf eine zur Rechten des Bischofs befindliche Figur verwiesen haben, der er zugleich die Kugeln präsentierte. Die Geste erhält durch die kostbare Mitra einen zusätzlichen Akzent. Das Haupt ist sehr schlank und mit Abstand am sorgfältigsten ausgearbeitet. Der Bart ist am Kinn gekräuselt, die Wangen mit hoch sitzenden Knochen erscheinen fast glatt, die Unterlippe ist sinnlich geschwungen, die Oberlippe hingegen fast vom hier glatt verlaufenden Bart verdeckt, sodass der Mund verschattet wirkt. Tiefe Augenhöhlen und ein sehr dünner, scharf nach vorn tretender Nasenrücken verleihen dem Antlitz eine asketische Wirkung. Der untere Rand der ansonsten regulär gestalteten Mitra pretiosa besitzt eine ungewöhnliche, wohl als künstlerisches Missverständnis zu deutende Gestalt: Der breite Saum über der Stirn mit zentraler Metallapplikation geht an beiden Seiten in Höhe der Schläfen unvermittelt in den dichten, voluminösen Haarkranz über, der auch die Ohren größtenteils verdeckt. Logischerweise kann es sich dabei nur um sich nach oben kräuselnde Locken handeln, wogegen jedoch der gerade obere Haarabschluss spricht. Der Bildschnitzer der Berliner Nikolausfigur, für deren Provenienz jeder Hinweis fehlt, orientierte sich zweifellos an Prager Werken der Parlerzeit.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen und im Alpenraum 1380 bis 1440. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2019)