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Gewebefragment mit weinlesenden Eroten

Ident. Nr.: 9050

ObjID: obj:1605474

Details (expert)

Date(s)
verbale Datierung: 5. Jahrhundert
Geographical references
Material / Technique
Dimensions
Höhe x Breite: 27,5 x 27,5 cm

Object Description

Das Fragment ist in neuerer Zeit aus einem größeren Leinenbehang herausgeschnitten worden, der wohl an allen vier Ecken mit gleichartigen Bildeinsätzen verziert war. Dort, wo die dunklen Wollfäden ausgefallen sind, erkennt man deutlich den Verlauf der Kette. Gearbeitet wurde am senkrechten Webstuhl, weshalb der Wirker die Schussfäden im rechten Winkel zu den hängenden Kettfäden eintragen musste. Um das Bild herstellen zu können, benutzte er eine Mustervorlage in Form eines bemalten Papyrusblattes, das hinter die Kette geschoben und von einzelnen Kettfäden gehalten wurde. Die Binnenzeichnung der Figuren und Ornamente ist mit hellen Leinenfäden in der Technik der »fliegenden Fadens« in den dunklen Purpurgrund eingetragen worden. Der quadratische Bildeinsatz weist einen äußeren Rahmen auf, der mit einer umlaufenden Ranke aus alternierenden Blattwedeln, Blüten, Blättern und Granatäpfeln gefüllt ist. Im inneren Bildfeld erscheinen in symmetrischer Anordnung zwei halbnackte Knaben mit wehenden Mantelzipfeln und kurzen Flügeln. Sie verharren in ausholender Schrittstellung und wenden ihre Köpfe aus dem Bild heraus. Mit der einen Hand umfassen sie den Stamm eines Weinstocks, in der anderen halten sie ein sichelförmiges Messer, um damit die Trauben abzuschneiden. Zwischen den Weinstöcken steht am Boden ein großer gefüllter Korb, eingefasst von jeweils zwei aufsprießenden Rebstöcken. Das Bild der Weinlese bezieht sich auf den Monat September, weshalb man annehmen darf, dass auch die übrigen Einsätze des Tuches oder Behangs mit Monatsbildern geschmückt waren.

Last updated: 29.07.2026

Contact

Institution:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Würfelkapitell mit Palmetten- und Blattornament

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Das Kapitell ist aus der Grundform des Würfels entwickelt und an allen vier Seiten ausgearbeitet. An den vier Schildflächen erscheinen leicht alternierende vegetabile Ornamente im flachen Relief. Es stammt aus dem Benediktinerkloster auf dem Huy, ein in fränkischer Zeit militärisch genutzter Höhenrücken im nördlichen Harzvorland. Von Beginn an stand das Kloster unter dem Schutz der Halberstädter Bischöfe, Burchard I. hatte neben der Marienkapelle auch eine Pfalz errichtet. Die Klosterchronik des 12. Jahrhunderts erwähnt die Fertigstellung des „monasteriums“ noch in der Regierungszeit Abt Alfrieds. Der Kreuzgang, der noch stehende, zweigeschossig gewölbte Bau an der Westseite des Südflügels und möglicherweise auch Gebäude östlich der Kirche können erst nach 1150 fertiggestellt worden sein. Dieser späteren Phase gehört wohl auch das Kapitell an. Im südlichen Abschnitt des Ostflügels hat es noch einen Zweistützenraum mit den bekannten Basen gegeben, in dem dieses Kapitell aufgestellt gewesen sein könnte. Die Bildhauer, die im dritten Viertel des 12. Jahrhunderts zum Ausbau der Huysburger Klausurgebäude herangezogen wurden, haben unter Verwendung des in Sachsen seit dem 11. Jahrhundert üblichen Würfelkapitells, aber auch der korinthischen Ordnung, vor allem durch die ausgeprägte Dreidimensionalität der Formen neue Maßstäbe in der Region gesetzt. Das ornamentale Kapitell ist eng mit der Bauskulptur des nördlichen Harzvorlandes verbunden und man kann davon ausgehen, dass die meisten der auf der Huysburg tätigen Bildhauer in sächsischen Werkstätten ausgebildet wurden und wohl auch an verschiedenen Baustellen der Region tätig waren.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)