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Thronende Maria

Ident. Nr.: 8015

ObjID: obj:1616542

Details (expert)

Date(s)
um 1310/30
Systematics/Type
Material / Technique
Buchsbaumholz
Dimensions
Höhe x Breite x Tiefe: 29,5 x 15 x 13 cm
Acquisition
Erworben 1918 als Schenkung aus der Sammlung James Simon, Berlin.

Object Description

Maria sitzt mit stark nach rechts gewandten Knien auf einer polygonalen, schlicht profilierten Thronbank; auf ihrem linken Oberschenkel stand ursprünglich der Christusknabe. Die gedrehte Haltung Marias, die sich vor allem am Oberkörper, aber auch in der gespannten Beinstellung zeigt, veranlasst den Betrachter, die Statuette von mehreren Seiten anzusehen. Über einem locker fallenden Kleid, unter dem sich Schultern und Brüste abzeichnen, trägt die Muttergottes einen Mantel aus schwerem Stoff. Lebendig sind die Falten auf der Manteloberfläche, auch wenn ihre Verläufe und Differenzierungen durch Abnutzung und Abarbeitung von Graten, die erwähnten Erneuerungen im Sockelbereich, die falsch ergänzte rechte Hand und besonders das Fehlen des Kindes zum Teil unverständlich sind.
Die Funktion der frühen Buchsbaumstatuetten aus dem 13. und frühen 14. Jahrhundert ist nicht dokumentiert, doch legen vor allem Übernahmen von Figurentypen aus der Elfenbeinskulptur nahe, dass sie wie diese der privaten Andacht gedient haben. Zudem deuten die wenigen Provenienzhinweise auf ein monastisches Umfeld. Für private Andachtsübungen konnte die Berliner Madonna auch in die Hand genommen, zumindest aber von allen Seiten betrachtet werden. Die sehr breite Bohrung an der Rück- und mehrere auf der Unterseite dokumentieren einen späteren Funktionswechsel; möglicherweise wurde die Statuette nun in einem Schrein oder Kabinett aufgestellt und sollte mit Dübeln gesichert werden.
Auch über die frühen Produktionsstätten von Buchsbaumstatuetten im 13. und 14. Jahrhundert ist wenig bekannt, immerhin sprechen aber die erhaltenen Stücke trotz einer relativ weiten Streuung für eine Konzentration in Nordfrankreich und den südlichen Niederlanden. Dorthin hat man die Berliner Sitzmadonna – ein in dieser Gattung eher seltener Typ – bislang auch eingeordnet. Der Stil der Statuette geht letztlich auf die Pariser Hofkunst des frühen 14. Jahrhunderts zurück.

(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)

Last updated: 06.02.2026

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Institution:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Reliefplatte mit dem Heiligen Symeon

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Das Relief ist aus Basalt, einem sehr harten vulkanischen Gestein. Weil es so schwer zu bearbeiten ist, ist das Relief nur ganz flach ausgeführt.Die Darstellung ist in einem modern anmutenden, fast Comic-artigen Stil gehalten. Rechts steht eine Säule auf einem Stufensockel. Auf der Säule erscheint ein bärtiger Mann, von dem nur der Oberkörper sichtbar ist. Der Unterkörper wird von einer Brüstung verdeckt, deren Oberkante durch eine dünne Linie angedeutet wird. Ein fliegender Vogel hält einen kleinen Kranz über ihn. An die Säule ist eine Leiter gelehnt, die ein zweiter Mann hinaufgestiegen ist. In seiner rechten Hand hält er ein Weihrauchgefäß. Es hat die Form eines Kelches und ist an einer Kette aufgehängt. Beide Männer tragen jeweils ein typisches Mönchsgewand. Es hat die Form eines langen, gegürteten Hemdes. Über den Kopf ist eine Kapuze gelegt, die mit einem Kreuz geschmückt ist.Der Mann auf der Säule stellt einen christlichen Heiligen, den syrischen Asketen Symeon d. Ä. (um 390-459) dar. Die historisch bezeugte Gestalt lebte zuerst als Mönch in einem Kloster im nordsyrischen Kalksteinmassiv nordöstlich von Aleppo. Als junger Mann zog sich Symeon auf einen Felsen zurück und widmete sich der Verehrung Gottes. Später wurde dort eine Säule errichtet, auf der er lebte, die Säule wurde mehrmals erhöht. Zuletzt war sie 17 bis 20 Meter hoch. 42 Jahre soll Symeon ununterbrochen auf dieser Säule zugebracht haben. Weil Symeon als heilig und weise galt, kamen bald große Mengen von Pilgern herbei, zu denen Symeon mehrmals täglich predigte und ihnen Ratschläge gab. Auch nach seinem Tod reisten zahlreiche Pilger zu der Säule, um dort zu dem Heiligen zu beten. Sie nahmen von dem Pilgerort Andenken mit, an deren heilkräftige Wirkung sie glaubten. Um den Standort der Säule herum wurde das große Pilgerheiligtum Qal’at Sim’an mit einer christlichen Kirche, einem Baptisterium und Pilgerwohnungen errichtet, um den Pilgern Platz und einen Raum für Gottesdienste zu bieten. Weihrauch wurde bei christlichen Gottesdiensten verwendet. Der Mönch auf der Leiter mit dem Weihrauchgefäß könnte auf Gottesdienste im Symeons-Heiligtum hinweisen.Symeon war nicht der einzige christliche Mönch, der ein Leben auf einer Säule führte, aber einer der frühesten und der berühmteste. Diese Mönche werden Säulensteher oder Styliten genannt, nach dem griechischen Wort „stylos“ für Säule. Sie stellten sich auf Säulen, um sich von dem als sündig angesehenen Alltagsleben zu entfernen und sich ganz Gott zu widmen.Das Relief war möglicherweise an der Fassade einer frühchristlichen Kirche im syrischen Kalksteingebiet eingelassen. Solche Reliefs sind von anderen Kirchen in dieser Gegend bekannt. Zeitlich und stilistisch vergleichbare Darstellungen befinden sich im Museum von Damaskus und im Louvre zu Paris.GM