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Venus am Ufer (»La Venere Spinaria«)

Ident. Nr.: 860-24

ObjID: obj:1617747

Details (expert)

Involved
Ausführung: Marco Dente (um 1490-1527),
Stecher*in
Dating
Herstellung: um 1516
Geographical references
Material / Technique
Kupferstich
Dimensions
Blattmaß: 26,5 x 17,7 cm

Object Description

Das ligierte Monogramm »RS« ist in »Ravenates Sculpsit/Sculptor« aufzulösen und auf den meisten der über 60 Kupferstiche des Marco Dente zu finden. In der grundsätzlichen Organisation des Strichbildes gibt sich der Künstler als lernfähiger Adept Marcantons zu erkennen, im malerischen Ausdruck einzelner Partien jedoch kann er diesen durch einen herber und tiefer ansetzenden Grabstichel übertreffen (ersichtlich hier am Weidenstumpf über der Sitzenden). Zu seinen eigenwilligsten Arbeiten zählt die »Venus«. Sie gehört zu einer Serie von Stichen nach den Fresken der »Stufetta« des Kardinals Bibbiena (Bernini Pezzini u.a. 1985, S. 61 ff., Nr. I-V, Beitrag Massari) und überliefert in abgewandelter Form das Sujet eines zerstörten Bildes, das nach einer Vorlage Raffaels 1516 von Giulio Romano ausgeführt wurde. Die Geschichte ist in den »Idyllen« des Theokrit und der »Hypnerotomachia Poliphili« von Francesco Colonna erzählt (1499): Die Göttin sei nach dem Tode ihres geliebten Adonis durch einen Wald geirrt und in einen Dorn getreten; durch das austropfende Blut hätten die Rosen ihre Blütenfarbe erhalten.
Marco Dente setzt die Gestalt der Venus, von der sich eine seitenverkehrte Zeichnung aus dem Raffael-Kreis erhalten hat (Knab/Mitsch/Oberhuber 1983, Nr. 532, Abb.), in eine Landschaft eigener Erfindung, welche nordische Züge trägt und an Dürerstichen orientiert ist. So vermag er, unterstützt durch die pittoreske Umgebung und den Kontrast zwischen wilder und von Menschen bewohnter, geordneter Natur, eine Metamorphose besonderer Art zu schildern. Dichter Wald und dornige Wege versinnbildlichen die Verwirrung und den Schmerz der Venus, die sich – in einem ebenso figurativen Verständnis – durch das Entfernen des Stachels von ihrer Leidenschaft befreit. Der Tribut, den dieser Akt erfordert, veredelt die Natur und macht diese im Bild der Rose selbst zum Symbol der Liebe. In einer derart verwandelten Landschaft verkörpert die nackte Gestalt der Venus gleichrangig sowohl sinnliche als auch ideale Schönheit. Nach dem strengen, die geistige Schönheit favorisierenden neoplatonischen Geist des Quattrocento kommt in dem Stich Marco Dentes ein neues Verständnis der »bellezza« von Natur und Kunst, von Leidenschaft und Tugend zum Vorschein, wie es sich etwa in den »Asolaner Gesprächen« (1505) von Pietro Bembo anbahnte.

Hein-Th. Schulze Altcappenberg in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 260, Kat. V.19 (mit weiterer Literatur)

Last updated: 15.12.2025

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Institution:

Kupferstichkabinett

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