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Faust und Mephisto am Rabenstein. Illustration zu Goethes Faust

Ident. Nr.: SZ Cornelius 98

ObjID: obj:1617925

Details (expert)

Creator/Entity
Ausführung: Peter von Cornelius (1783 - 1867),
Zeichner*in
Johann Wolfgang von Goethe (28.8.1749 - 22.3.1832),
Autor*in
Date(s)
Herstellung: 1811
Provenance
Nationalgalerie, Sammlung der Zeichnungen,
bis 1992
Material / Technique
Feder in Braun, gelbliches Papier
Dimensions
Blattmaß: 34,8 x 51,9 cm

Object Description

Nach dem frühen Tod Franz Pforrs erhielt der Bund der sogenannten Nazarener nicht zuletzt durch Peter Cornelius, der Ende 1811 nach Rom kam, Aufschwung und neue Zielstrebigkeit. In ihrer Werkstattgemeinschaft, die nach mittelalterlichem Vorbild gemeinsame Interessen verband, belebte er vor allem den Gedanken einer Erneuerung der Monumentalmalerei. Beeindruckt hatte er den Freundeskreis zunächst mit sieben großen Zeichnungen zu Goethes Faust, die er aus Frankfurt am Main mitgebracht hatte und als Stichvorlagen zu einer Suite von zwölf Blättern zu erweitern gedachte. Auch Goethe, dem Sulpiz Boisseree diese ersten, sorgfältig mit Feder in grauer Tusche ausgeführten Zeichnungen in Weimar vorgelegt hatte, spendete Lob (vgl. seinen Brief vom 8. Mai 1811 an Cornelius, zitiert bei Ernst Förster, Peter Cornelius, Berlin 1974, Bd. 1, S. 80). In Rom vollendete Cornelius die restlichen Blätter noch bevor er 1815 mit seiner Arbeit an den beiden Wandbildern zur Josephsgeschichte in der Casa Bartoldy begann. 1816 erschien die von Ferdinand Ruscheweyh gestochene Folge bei Friedrich Wenner in Frankfurt am Main. Der nicht rechtzeitig fertiggewordene »Osterspaziergang« erschien von Julius Thaeter gestochen erstmalig 1825 in der Neuauflage in Berlin.
In seinem Willen, die Kunst durch Rückbesinnung auf altmeisterliche Tradition zu erneuern, dabei Vergangenheit und Gegenwart mit höchster geistiger und künstlerischer Kraft verbindend, muß man dieses Werk als Inkunabel nazarenischer Zeichenkunst betrachten. Vor allem Dürer war das inspirierende Vorbild für Cornelius, das ihn zugleich zwang, Eigenes, den Goetheschen gegenwärtigen Gedankenbildern Adäquates, zu schaffen. In der Ausführung war Cornelius sorgfältig bemüht, bereits im Zeichnerischen den gebundenen Charakter des Kupferstiches zu treffen. Zuerst wurden feine Bleistiftstudien gemacht (zwei befinden sich im Städelschen Kunstinstitut Frankfurt am Main, eine davon zu unserer Szene), danach Federzeichnungen in Umrissen. Kräftig und spontan wirkend, fixierten diese bereits ganz exakt Größe und Proportionen der Komposition, um als Modell dienend auf das letzte Blatt übertragen zu werden. Dort wurde die Zeichnung mit feinster, modellierender Binnenzeichnung ausgeführt mit der Feder vollendet. In unserem Blatt muß man eine solche Modellzeichnung sehen. Im Charakter ähneln diese den virtuosen Umrißzeichnungen Franz Pforrs zu Goethes »Götz von Berlichingen« von 1810, von denen aber unbekannt ist, ob Cornelius sie kannte. (Weitere Federumrißzeichnungen: Zur Szene »Zwinger« mit Gretchen vor der Mater dolorosa, Kupferstichkabinett Berlin; zum Titelblatt, Städelsches Kunstinstitut, wo sich außer den erwähnten Bleistiftentwürfen alle 12 ausgeführten Federzeichnungen befinden.)
Die kurze Szene von sechs Versen »Nacht, offen Feld«, die auf unserer Umrißzeichnung Faust und Mephisto »auf schwarzen Pferden daherbrausend« zeigt, wie Goethe anweist, liegt zwischen den Szenen »Trüber Tag«, der der Walpurgisnacht folgt, und »Kerker«. Sie wurde bereits 1808, als der erste Teil des Faust erschien, von einem gewissen »Osiander« als eine von vier Szenen illustriert. Cornelius' Zeichnung verbindet Fausts Frage: »Was weben die dort um den Rabenstein?« mit Fausts Vision, die ihm gegen Ende der Walpurgisnacht das Gretchen auf dem Gang zur Hinrichtung vorgegaukelt hatte; diese war es, die ihn Mephistopheles verfluchend, seine eigene Schuld gewahr werden ließ, um daraufhin den Teufel zur Rettung treibend, auf dessen Zauberpferden zum Kerker zu fliegen.

Text: Marie Ursula Riemann-Reyher in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 368, Kat. VII.14 (mit weiterer Literatur)

Last updated: 06.08.2026

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Kupferstichkabinett

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Jan Gossaert, seinerzeit berühmt und hoch geschätzt, war bei verschiedenen Fürsten als Hofmaler tätig und gilt als der Begründer des neuen romanistischen Stils in den Niederlanden. 1508-09 reiste er in Begleitung Philipps von Burgund, eines humanistisch gelehrten Fürsten, nach Rom, wo er im Auftrag seines Mäzens nach antiken Monumenten zeichnete. Zu einem nicht erhaltenen römischen Skizzenbuch dürfte die Berliner Ansicht des Kolosseums gehört haben. Das sogenannte Kolosseum, ein um 80 n. Chr. errichtetes Amphitheater – bis zum heutigen Tag ein Wahrzeichen Roms −, ist von Westen her gesehen. Der Zeichner stand dicht am Bauwerk, sodass er nur wenige Achsen wiedergab. Der Baubefund, wie er sich in jenen Jahren darstellte, ist mit der feinen, spitzen Feder minuziös erfasst: die einzelnen Mauerringe und ihre Abbrüche, die Säulenordnungen und die aus dem Mauerwerk hervorwachsenden Bäume. Gossaert war wie alle nordischen Künstler vor und nach ihm von dem ruinösen Zustand des antiken Monumentes, das die Zeit überdauert hatte, fasziniert. Doch er sah das Bauwerk mit den am spätgotischen Stil geschulten Augen des Nordländers: Es gelang ihm nicht so recht, seine wahre Monumentalität zu erfassen. Text: Holm Bevers, in: Wir suchen das Weite. Reisebilder von Albrecht Dürer bis Olafur Eliasson im Kupferstichkabinett, hg. von Hein-Th. Schulze Altcappenberg und Ina Dinter, Berlin 2016, S. 72Jan Gossaert, famous and highly valued already during his lifetime, worked as a court painter for several princes and was considered the founder of the new Roman-influenced style of painting in the Netherlands. In 1508 and 1509, he traveled to Rome in the entourage with the humanistically trained Philip of Burgundy to Rome. There he was commissioned by his patron to draw the ancient monuments. The Berlin view of the Colloseum is most likely from this no longer extant Roman sketchbook. The so-called Colosseum, an amphitheater built in 80 AD that remains a trademark of the city today, is depicted from the West. The draftsman is close to the structure, so that he only presents a few of the axes. The state of the structure in the years of its depiction is captured with the fine, sharp pen meticulously: the individual rings of the wall and the ruined arches, the lines of columns and the trees emerging from the brickwork. Gossaert, like all Northern artists, was interested especially in the ruinous state of the Ancient objects that had lasted through the ages. But he also saw the structure with the eyes of a northerner, schooled in the late Gothic style. He was not quite able to do justice to its true monumentality. Text: Holm Bevers, in: We’re off then. Travel Pictures from Albrecht Dürer to Olafur Eliasson in the Kupferstichkabinett, published by Hein-Th. Schulze Altcappenberg and Ina Dinter, Berlin 2016, p. 72