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Titelblatt der Folge "Elles"

Ident. Nr.: 547-1914,2

ObjID: obj:1618916

Details (expert)

Involved
Ausführung: Henri de Toulouse-Lautrec (1864 - 1901),
Zeichner*in
Dating
Herstellung: 1896
Dimensions
Blattmaß: 40,2 x 52,0 cm

Object Description

»Elles« (Sie), eine Folge von zehn Blättern, Frontispiz und Umschlag, die 1896 erschien (Auflage 100 num. Exemplare), thematisiert das Leben der Prostituierten Aus der Perspektive eines mit dem Milieu vertrauten, aufmerksamen Beobachters schildert Toulouse-Lautrec hier den Tagesablauf von Bordellbewohnerinnen. Er zeigt sie nicht in der Rolle von begehrenswerten Versucherinnen, sondern als ganz normale Menschen in ihrem Intimbereich: allein im Bett, beim Frühstücken und morgendlichen Aufstehen, während der Toilette, beim Ankleiden, beim Warten auf Kundschaft oder während des Empfangs eines Freiers. Zwischen 1892 und 1895 wohnte der Künstler oft wochenlang in verschiedenen Bordellen auf dem Montmartre. So zieht diese Serie das Resümee aus seinen menschlichen Erfahrungen mit dem Prostituierten-Milieu. Typisch für die Sensibilität der Gestaltung und den Respekt, mit der Toulouse-Lautrec den Frauen begegnet, ist das Titelblatt. Im ersten Zustand auch als Umschlag verwendet, bereitet es auf den Inhalt der folgenden Szenen vor. Eine in anonymer Rückansicht erscheinende Frau mit deutlich erotischer Ausstrahlung steht vor dem Spiegel und ordnet ihr Haar. Ihre anmutigen Gebärden lenken die Aufmerksamkeit auf den Titel. Links vorne ist eine weiße Damenunterhose über einen Hocker gebreitet, von dem unten die Beine herausragen. Auf der Reizwäsche thront ein Zylinder. Durch diese Konstellation gewinnt das Kleidungsstück ein gespenstisch anmutendes Eigenleben. Allein der Zylinder weist in diesem betont femininen Rahmen auf die Präsenz eines Mannes und verrät den Handlungsort.
»Elles« gilt als lithographisches Hauptwerk Toulouse-Lautrecs. Die zurückhaltenden Farben gewinnen durch eine gesteigerte Raffinesse im Technischen. Neben unterschiedlich getönten Papieren verwendete der Künstler gelegentlich Tonplatten zum Unterlegen der Zeichnung. Zur Zeit ihres Erscheinens war der Mappe nur ein mäßiger Erfolg beschieden. Deshalb entschloß sich der Verleger später zum Einzelverkauf der Blätter. Geschlossene Folgen wie sie das Kupferstichkabinett vorweisen kann, sind aus diesem Grunde nur sehr selten anzutreffen.

Text: Sigrid Achenbach, in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 418, Nr. VII.69 (mit weiterer Literatur)

Last updated: 15.12.2025

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Institution:

Kupferstichkabinett

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