Logo

Sitzender Apostel, der ein Buch hält, und Armstudie

Ident. Nr.: KdZ 1819

ObjID: obj:1622977

Details (expert)

Involved
Ausführung: Simon Vouet (1590 - 1649),
Zeichner*in
Dating
Herstellung: um 1644
Dimensions
Blattmaß: 43,0 x 26,7 cm

Object Description

Beide Studien beziehen sich auf ein 1644 datiertes Gemälde des Künstlers im Museum von Reims. Es zeigt die Himmelfahrt Mariens und entstand im Auftrag der Königin Anna von Österreich. Einer der damaligen Mitarbeiter Vouets, sein späterer Schwiegersohn Michel Dorigny, hat das Gemälde auch gestochen. Die Hauptstudie wurde für die bedeutsame Repoussoirfigur eines Apostels im Vordergrund des Bildes verwendet. Dagegen bereitet das in perspektivischer Verkürzung gegebene Detail einen Apostel vor, der im selben Zusammenhang – weiter hinten – das Leichentuch Mariens hält. Deutlicher als die ausgeführte Darstellung zeigt die zum Himmel aufblickende Figur der Studie ihre Ergriffenheit. Unterstützt durch die aufgelockerte Kreidetechnik und die Lichtwirkung der Weißhöhung, wirkt die Studie vergeistigter als die im Ausdruck kühle Endfassung.
1644, als das Gemälde vollendet wurde, galt Vouet in Paris bereits allgemein »als anerkannte künstlerische Instanz« (vgl. Kat. Französische Zeichnungen 1986, S. 21). Mit der Rückkehr von seinem etwa 14jährigen Italienaufenthalt (Rom) war der Künstler gegen Ende 1627 »Premier Peintre du Roi« geworden und hatte Wohnrecht im Louvre erhalten. Der von ihm in Gemälden, Altarbildern und Dekorationsarbeiten entwickelte monumentale Stil kam den Vorstellungen der Gesellschaftsschichten, für die er arbeitete, besonders entgegen und hatte für die französische Kunst der ersten Jahrhunderthälfte prägende Wirkung. Seine große Werkstatt war Ausbildungsstätte für viele der bedeutendsten Künstler des 17. Jahrhunderts wie Charles Le Brun, Eustache Le Sueur und Pierre Mignard.

Text: Sigrid Achenbach in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 313, Kat. VI.10 (mit weiterer Literatur)

Last updated: 15.12.2025

Contact

Institution:

Kupferstichkabinett

Additional items from the collections

Sankt Peter von Südosten

Sankt Peter von Südosten

Egger hat die sehr rasch ausgeführte Federzeichnung (folio 51 r.) »eines der wertvollsten Dokumente für die Topographie des vatikanischen Gebietes in der ersten Hälfte des XVI. Jahrhunderts« genannt. Der von einem Ausläufer des Gianicolo nach Norden schauende Zeichner hatte die gesamte Anlage von St. Peter vor sich, zur Linken den nach »Luthers großem ›Halt!‹« (Heine) liegengebliebenen Neubau, dessen Bögen die Dimensionen antiker Ruinen erreichen, in der Mitte den von der Sixtinischen Kapelle überragten Rest des Langhauses der konstantinischen Basilika mit seiner mosaikgeschmückten Fassade sowie den das Atrium umgebenden Gebäuden. Letztere wenden sich rechts mit Campanile und der Benediktionsloggia Bramantes zum Petersplatz, während darüber die von Raffael ausgemalten Loggien nach Nordosten blicken. Dorthin führt auch der an einer Stelle eingestürzte Korridor, der den bei der Kirche gelegenen Palast mit dem Belvedere auf dem Mons Vaticanus verbindet. Im Vordergrund sind kleinere Gebäude und Baumgruppen mit wenigen Federstrichen angedeutet.Der Zeichner, obwohl zur Generation der Manieristen gehörend, setzt die Gegebenheiten mit nüchterner Präzision und Klarheit auf das Papier, die es möglich machten, an seinen Zeichnungen Messungen in Hinblick auf die heute verschwundenen Gebäude durchzuführen. Bemerkenswert ist die im Bereich des Neubaus deutlich größere Detailfreudigkeit, die damit übereinstimmt, daß sich auch von den übrigen St.Peter-Zeichnungen in den Skizzenbüchern des Maarten van Heemskerck die meisten mit der Baustelle beschäftigen.Text: Gero Seelig in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 179f., Kat. IV.18 (mit weiterer Literatur)