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Medaillon-Tapete à la chinoise

Ident. Nr.: W-1956,3

ObjID: obj:1627324

Details (expert)

Involved
Dating
spätes 18. Jahrhundert
Geographical references
Material / Technique
Gouache, handgeschöpftes Papier
Dimensions
Blattmaß: 9 Bahnen à 270,0 x 83,0 cm

Object Description

Die Geschichte der Wandbekleidung erlebte eine wahrhaft exotische Bereicherung durch die Einfuhr chinesischer Papiertapeten. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts erfreuten sich chinesische Tapeten größter Beliebtheit und waren zu einem begehrten Luxusartikel geworden. Wandfüllende figürliche Szenerien oder blühende Bäume wurden in Kanton für den Export nach Europa in Gouachetechnik auf Papier gemalt. Eine Variante stellen die so genannten „Printroom“ oder „Medaillon-Tapeten à la Chinoise“ dar. Die Printroom-Tapeten waren in den frühen 1750er Jahren in England als neue Tapetenmode aufgekommen. Dabei hatte man Kupferstiche direkt auf die Wand oder auf papierenen Untergrund geklebt und umrahmt, beziehungsweise in Dekorationssysteme mit Bordüren, Girlanden, Festons etc hineingesetzt. Diese Art und Weise wurde auf die Chinatapeten übertragen. Auf farbigen Tapetengrund wurden ovale oder rechteckige Bilder mit chinesischen Malereien geklebt und mit zarten Blüten und Blätterwerk eingefasst. Als diese zunächst in England hergestellten Tapeten in ganz Europa zum begehrten Modeartikel geworden waren, konnte man sie ebenso als fertige Rollenware spätestens ab den 1780er Jahren in Fernost bestellen.

Die Medaillon-Tapete des Kunstgewerbemuseums, weist große Ähnlichkeiten zur heute leider zerstörten Tapete im 1798/99 erbauten Schloss Freienwalde auf. Beide zeigen hochrechteckige Bildfelder, die oben und unten jeweils von ovalen Medaillons begleitet werden. Die Malereien schildern Alltagsszenen, wie eine Reisernte, das Bemalen von Porzellan, Verkauf von Stoffen oder eine Bootsfahrt. Umrahmt werden die Bilder von zarten Blütenranken auf türkisblauen Grund. Ein feines Gitterwerk aus Bambus gliedert die Wand in Anlehnung an die damals beliebten Spaliere.

Das späte Entstehungsdatum der Tapete und der Malstil der Umrandung sowie des eigentümlich verfremdeten Spaliergitter weisen auf ein Entstehungsdatum am Ende des 18. Jahrhundert in China.

Last updated: 15.12.2025

Contact

Institution:

Kunstgewerbemuseum

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Pokal aus farblosem Glas, der Fuß ist separat gefertigt und kann mittels eines tiefgeschnittenen Gewindes in den massiven Schaft eingeschraubt werden. Er ist am Fußrand mit umlaufenden Bögen in Schälschliff sowie einem versenkten und mattierten Spitzblattdekor verziert. Der Baluster des Massivschafts trägt einen Rundbogenfries, der Ansatz der becherförmigen, hohen Kuppa wiederholt den Spitzblattdekor, am Mündungsrand finden sich erneut Bögen in Schälschliff. Auf der Kuppawandung ist umlaufend in Tiefschnitt ein Reigen aus musizierenden Kinderbacchanten dargestellt. Aufgrund der fortgeschrittenen Glaskrankheit des oberen Pokalteils sind sie trotz des tief reliefierten Schnitts nur bei genauer Betrachtung erkennbar, feine Details wie die Gesichtszüge und dekorative Blumen oder Früchte verschwinden nahezu in dem Weiß. Ein Teil des Gewindes am Schaftende ist bereits weggebrochen. Der Fuß weist lediglich beginnende Zeichen der Glaskrankheit auf. Die Kombination aus Sujet und Dekorelementen auf dem Pokal spricht für eine Zuschreibung an die Werkstatt Gottfried Spillers (um 1663–vor 1728) und dürfte in die frühen Jahre des 18. Jahrhunderts datieren. Pokale aus zwei verschraubten Teilen gehören zu den seltensten Erzeugnissen der barocken Glaskunst. Man nimmt einerseits an, dass sie wegen ihrer raumsparenden Transportmöglichkeit geschätzt waren. Zum anderen rief sicherlich die technische Virtuosität ihrer Herstellung Bewunderung und Anerkennung hervor und brachte dem Eigentümer Prestige. Dieser Pokal ist der einzig überlieferte, der zweifelsfrei der Potsdamer Glashütte zugeschrieben werden kann. Ungewöhnlich ist hier, dass die Verschraubung nicht direkt unterhalb der Kuppa, sondern am Fuß positioniert ist (Dank an Wieland Kramer für diesen freundlichen Hinweis): Es ist gut denkbar, dass der Fuß nachträglich ergänzt wurde, indem einem Pokal mit Steckverbindung – ähnlich einem anderen Pokal im Bestand des KGM (Inv.-Nr. O-1964,46) – ein Gewinde eingeschliffen wurde. [Verena Wasmuth]MAKR