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Fiesta Nude

Ident. Nr.: 82-1985

ObjID: obj:1633544

Details (expert)

Involved
Ausführung: Philip Pearlstein (1924 - 2022),
Entwerfer*in
Dating
Herstellung: 1984
Dimensions
Blattmaß: 64,2 x 52,2 cm

Object Description

1949 schließt Pearlstein sein Studium am Carnegie Institute of Technology in Pittsburgh ab und übersiedelt im folgenden Jahr nach New York. Von 1949 bis 1957 ist er mit Unterbrechungen als Designer für Industriekataloge tätig und studiert gleichzeitig Kunstgeschichte am Institute of Fine Arts der New York University (1955 Abschluß der master's thesis über Francis Picabia).
Seine Gemälde, Zeichnungen und Aquarelle der fünfziger Jahre steilen zumeist Landschaften dar und sind dem Abstrakten Expressionismus in Hinsicht des Kompositionsgerüsts und des Duktus in gewisser Weise verpflichtet. 1960 tritt ein entscheidender Wandel hin zu einer realistischen Wiedergabe ein, den Pearlstein zwei Jahre später mit dem Satz begründet: »Ich fühle, daß die Abstrakte Revolution nun der Geschichte angehört.« (zitiert nach Pearlstein, 1972, S. 7)
In der Folgezeit sind seine Sujets in erster Linie Modelle im Atelier, die er mit den Jahren sowohl in bezug auf ihre Dreidimensionalität wie auch ihr farbliches Erscheinungsbild mit stetig wachsender Präzision erfaßt. Sein Ansatz ist jedoch ein formaler. Die Atelierszenen ergeben sich nicht beiläufig, sondern sind bewußt arrangiert, d.h. die Positionen der Modelle werden mit dem Ziel festgelegt, daß ihre Konturen und die »Leerflächen« zwischen ihnen ein spannungsreiches Formkonglomerat ergeben. Formal bedingt, nicht von der Photographie abgeleitet, ist auch die oft zu beobachtende Überschneidung der Figuren am Bildrand.
Anders als Close geht Pearlstein nicht von photographischen Abbildern aus, sondern allein vom eigenen visuellen Erleben. Das hat zur Folge, daß alle Gegenstände, ob nah oder fern, in derselben Genauigkeit erscheinen und der Raumeindruck sich auf natürliche Weise anhand der zur Tiefe hin abnehmenden Dimensionen einstellt.
Pearlstein versteht sich als »Choreograph einer zur Ruhe gekommenen Aktion« (ebda., S. 17). Und »Fiesta Nude« zeigt sein stets komplexer gewordenes Vorgehen, da der Akt nicht nur vorn, sondern ein zweites Mal als Spiegelbild auftritt. Nicht minderen Rang als die Flächenorganisation des Bildes hat für Pearlstein die Integrität der menschlichen Figur. »Im ganzen Verfolg der Sache ... habe ich einen Beitrag zum Humanismus in der Malerei des 20. Jahrhunderts geleistet ... Ich habe die Figur dargestellt als sie selbst, ich gestattete ihr ihre eigene Würde als eine Form unter anderen Formen der Natur.« (ebda.)

Text: Alexander Dückers in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 494f., Kat. VIII.61

Last updated: 15.12.2025

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Institution:

Kupferstichkabinett

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Eine der schönsten Darstellungen aus der Frühzeit des Kupferstiches bewahrt als Unikum das Berliner Kabinett auf – den sogenannten großen Liebesgarten. Das Thema basiert auf dem französischen »Rosenroman« aus dem 13. Jahrhundert, der außerordentlich weit verbreitet war und auch im 15. Jahrhundert noch gelesen wurde. Eine höfische Gesellschaft hat sich in Sichtweise ihrer Feudalburgen im Freien versammelt, um zu speisen und anderen Vergnügungen nachzugehen. Im Bachlauf werden Weinflaschen gekühlt, und verschiedene Tiere, darunter das mythische Einhorn, bevölkern Wald und Wiese. Alles strahlt einen idyllischen Frieden aus, satirische Anspielungen wie bei dem Liebesgartenstich des Meisters E. S. scheinen hier zu fehlen (vgl. Inv. Nr. 136-1897). Aber Affe und Bär im Vordergrund, im Spiel neckisch vereint, könnten auf das menschliche Liebeswerben und seine negativen Folgen verweisen, galt doch der Affe traditionell als ein sündiges Tier. Vorbild für den Stecher könnte ein Minne-Teppich gewesen sein, denn der motivische Reichtum und die schichtweise Übereinanderstellung von Figuren und Gegenständen erinnern auffallend an den Bildaufbau zeitgenössischer Tapisserien.Es wurde auch vermutet, daß ein Wandgemälde Jan van Eycks in der Burg der Grafen von Holland zu Den Haag (1422–24) als bildliche Quelle gedient habe.Nach dem Berliner Stich und einem anderen Blatt mit ähnlicher Thematik erhielt der unbekannte Meister seinen Namen. Er dürfte um 1435–45 in den Niederlandentätig gewesen sein, vielleicht im Umkreis des Haager Hofes. Seine wenigen Arbeiten sind mit kräftigen Umrißlinien und Kreuzschraffuren gestochen.Text: Holm Bevers in: Das Berliner Kupferstichkabinett. Ein Handbuch zur Sammlung, hg. von Alexander Dückers, 2. Auflage, Berlin 1994, S. 169f., Kat. IV.1 (mit weiterer Literatur)

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