Logo

Deutsches Notstandsschwein

Ident. Nr.: NG 19/11

ObjID: obj:1634136

n/a

Details (expert)

Creator/Entity
Hans Peter Alvermann (1931 - 2006),
Künstler*in
Date(s)
Herstellung: 1966
Systematics/Type
Additional titles
Collection title: Deutsches Notstandsschwein
Translation: German State of Emergency Pig
Material / Technique
Kunststoff, lackiert
Dimensions
Höhe x Breite x Tiefe: 10 x 20 x 10 cm
Acquisition
2011 Ankauf von der Galerie Inge Baecker, Bad Münstereifel

Object Description

In den 1950er- und 60er-Jahren herrschte in der Bundesrepublik Deutschland eine Debatte um die sogenannten Notstandsgesetze, durch welche die Handlungsspielräume der Regierung im Ernstfall, etwa dem Verteidigungsfall oder einer Katastrophe, erweitert werden sollten. Kritiker erinnerten an die Notstandsverordnungen der Weimarer Republik und die Gefahr, dass die Gesetze antidemokratische Maßnahmen erlaubten. Hierauf bezieht sich Alvermanns „Deutsches Notstandsschwein“, ein Sparschwein in Schwarz-Rot-Gold mit einem Hakenkreuz auf dem Rücken. Es entstand nach Auskunft des Künstlers 1965/1966 als Beitrag zum Protest; eine kleine, dann eine große Edition folgten (www.hp-alvermann.de, Abruf 9.9.2022). Sämtliche Exemplare wurden vorerst beschlagnahmt, und gegen Alvermann wurde wegen Verunglimpfung der Bundesfarben und der Verwendung des Hakenkreuzes Anklage erhoben. Der Gerichtsprozess endete 1972 mit der Anerkennung des Objekts als Kunstgegenstand, dessen formaler Ausdruck und Doppeldeutigkeit toleriert werden müssen. Alvermanns Wahl des Sparschweins ist vermutlich eine Anspielung darauf, dass unter den geplanten Notstandsgesetzen Privathaushalte finanziell belastet werden konnten, und beinhaltet mit dem Wort „Schwein“ zugleich eine Beleidigung. Gleichzeitig kann es als ein Hieb des Provokateurs gegen die Sparmentalität der Bundesbürger*innen der Nachkriegszeit verstanden werden, die auf den Aufbau des Privatvermögens ausgerichtet war. Das Exemplar der Nationalgalerie ist Nummer 55 von 500. | Emily Joyce Evans

Last updated: 14.09.2026

Contact

Institution:

Hamburger Bahnhof – Nationalgalerie der Gegenwart