Logo

Fragment einer Tunika

Ident. Nr.: 4657

ObjID: obj:1723136

Details (expert)

Date(s)
verbale Datierung: 6.-8. Jahrhundert
Geographical references
Ägypten,
Land/Region
Material / Technique
Wirkerei in Leinen und Wolle
Dimensions
Höhe x Breite: 27 x 61 cm (Textil)
Höhe x Breite x Tiefe: 32 x 65 x 1,5 cm (Rahmenmaß)
Acquisition
1900/1901 Josef Strzygowski (Kauf)

Object Description

Das Fragment stammt mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit aus der unteren Partie des Vorder- oder Rückenteils einer aus sehr feinem Leinen gewebten, ungefärbten Tunika. Der runde Besatz wurde separat gewirkt und anschließend ungefähr in Höhe der Knie auf das Grundgewebe aufgenäht. Eine große runde Mittelzone ist von einer dreiteiligen Randzone eingefasst. Die Mittelbahn der Randzone füllt ein Band aus bunten Knospen und Blättern mit eingerollten Blattspitzen auf hellem Grund, das durch einen oder drei gereihte Kreise bzw. Ovale unterbrochen wird. Die äußere Bahn besteht aus bunten verzahnten Winkelmotiven zwischen dunklen Konturlinien, die innere aus einem Flechtband in Grau- und Blautönen auf dunklem Grund mit Punkten in den Ösen und Zwickeln. Die Motive der Mittelzone sind symmetrisch auf rotem Grund angeordnet und überwiegend in gelb mit blauen oder schwarzen Konturlinien ausgeführt. Unten hocken einander zugewandte, angelnde Eroten auf unkenntlichen Meerwesen zu Seiten eines Palmbaumes mit weitausladendem Gezweig, in dem Vögel sitzen und an den Blättern picken. Die beiden sich in den Rücken zukehrenden Eroten im oberen Teil der Mittelzone ziehen Körbe oder Netze aus dem Wasser, in dem sich Fische tummeln. Zwischen ihnen liegt ein mit der Spitze nach rechts geneigter Blütenstab. Zu derselben Tunika gehört der Rest eines in drei Bahnen unterteilten Clavus in gleicher Farbgebung (Inv. 4655). Die breite mittlere Bahn füllen oben ein Palmettenbaum mit gegenständigem Geäst und zwei in Frontalansicht wiedergegebene Vögel mit einander zugewandten Köpfen. Darunter sitzt eine nach rechts gewandte Sirene zwischen Zweigen mit großen runden Blüten und unterschiedlichen Blattwerk, in das der Wirker unten rechts einen großen Fisch einfügte. Die Autteilung und Musterung der beiden äußerern Bahnen entspricht der Randzone der beiden runden Besätze. Das Gegenstück zu dem runden Besatz ist unter Inv. 4656 inventarisiert.

Last updated: 30.07.2026

Contact

Institution:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

Additional items from the collections

Heiliger König

Heiliger König

Bei der lebensgroßen Standfigur handelt sich um den zweiten König der Anbetung nach dem sogenannten französischen Schauspieltyp. Bei diesem kniet der ältere, hier nicht erhaltene König vor Maria, hat den Hut bzw. die Krone neben sich abgelegt und bietet dem Kind sein Geschenk dar, während sich der zweite im mittleren Alter zu dem außen stehenden jungen zurückwendet und erläuternd auf den Stern weist, der den Ort der Geburt Christi bezeichnet. Dabei befinden sich alle drei Könige auf einer Seite, in der Regel links von Maria. Diese szenische Darstellungsweise hatte sich spätestens im 13. Jahrhunderts möglicherweise als Reflex auf den dramaturgischen Ablauf des Dreikönigsspiels entwickelt, wie er sich in Frankreich seit dem 11. Jahrhundert nachweisen lässt. Für die monumentalen Gruppen des 14. Jahrhunderts scheint sie kanonisch gewesen zu sein.In dem von kräftig gelocktem, fast wildem Bart- und Haupthaar gerahmten Gesicht zeigt sich eine innere Aufgewühltheit, die Brauen treten deutlich hervor, die Lippen sind zur Rede geöffnet, die er an den dritten König wendet. Er spricht die Worte „Hoc signum magni regis“ („Dies ist das Zeichen des großen Königs“), wie es für die mittelalterlichen Spiele überliefert ist. Sind die bisher beschriebenen Gesten und die Mimik auf das Erkennen des Sterns von Bethlehem ausgerichtet, darf die Art, wie die rechte Hand nicht direkt, sondern ehrerbietig unter dem Mantel das Gefäß hält, als Vorbereitung auf die Darbietung des Weihrauchs angesehen werden. Im nächsten Moment wird sich der zweite König vom Stern weg zum Kind im Schoß der Muttergottes wenden, um niederzuknien und ihm das Geschenk zu überreichen.Wahrscheinlich stand die Figur als Teil einer mehrfigurigen Anbetung der Könige an bzw. über den Pfeilern im Langhaus oder im Chor bzw. in einer Kapelle, wo im Abstand von jeweils einem Joch bzw. einer Fensterachse Skulpturen vor die Gewölbedienste gestellt werden konnten. Beide Varianten können für die Oberzeller Klosterkirche nicht ausgeschlossen werden. Dort ist ein Dreikönigszyklus mit Marienfigur im Chor durchaus vorstellbar, der Hochaltar war Maria und Michael geweiht, die Muttergottes Schutzpatronin des Prämonstratenserordens. Historische Gründe lassen die vage Vermutung zu, dass um die Mitte des 14. Jahrhunderts, also in der Zeit, als die Dreikönigsgruppe entstand, der Chor erweitert wurde. Zieht man nun die mit großer Wahrscheinlichkeit zugehörige Maria im Mainfränkischen Museum Würzburg hinzu, so verdichten sich die Argumente für eine Aufstellung im Chor. Die Figur stimmt in den Maßen (H. 177,5 cm), Bewegungen und stilistisch sehr genau mit den Königen überein. Sie wurde 1904 bei der Wiedererrichtung der gefunden. Ihre majestätische Würde markiert ein kultisches Zentrum der Gruppe, auf das sich die emotionalisierte Reaktion der Könige als narratives Element bezieht und es ist gut vorstellbar, dass die Marienfigur in Nähe des Hochaltars an der östlichen Chorwand gestanden hat, die Könige an der Nordwand.(Auszug aus: Tobias Kunz, Bildwerke nördlich der Alpen. 1050 bis 1380. Kritischer Bestandskatalog der Berliner Skulpturensammlung, Petersberg, Michael Imhof Verlag 2014)