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Statuette eines Beters

Ident. Nr.: VA 08142

ObjID: obj:1742966

Details (expert)

Dating
Periode: Frühdynastische Zeit
Geographical references
Material / Technique
Stein-Alabaster
Dimensions
Höhe: 47,5 cm
Breite: 20 cm
Tiefe: 21,3 cm
Gewicht: berechnet 20 kg

Object Description

Die Statuette eines bärtigen Mannes lag in Versturzlage im Vorraum zur Cella des sog. archaischen Ischtar-Tempels von Assur. Der kahlköpfige Mann mit nacktem Oberkörper trägt einen dicken Rock, bei dem die kräftigen in mehreren Reihen geordneten Zotten an ein Schaffell denken lassen. Die Figur hat ihre Hände vor der Brust im Gebetsgestus ineinander verschränkt. Zusammen mit weiteren Fragmenten ähnlicher Kleinplastiken und anderen Kultgeräten gehörte die Statuette zum Kultinventar des Tempels. Die Statuetten von Betern standen wahrscheinlich auf kleinen Bänkchen in der Zella und verharrten stellvertretend für reale Personen vor dem Kultbild der Gottheit im immerwährenden Gebet.

Die Deutung derartiger Figuren als Abbilder von Angehörigen des Hofstaates oder der Priesterschaft wird dadurch gestützt, dass mitunter auf Arm oder Rücken Name und Funktion des jeweils Dargestellten eingeschrieben waren. Obwohl die Statuette unvollständig und teilweise beschädigt ist, dürfte es sich um die Wiedergabe einer hochrangigen Person handeln. In der künstlerischen Ausführung fällt eine gewisse Diskrepanz zwischen der summarischen Wiedergabe des Tierfells und der Sorgfalt der Ausarbeitung des Kopfes auf. Wirkung und Ausdruckskraft der Statuette waren durch die einst farbig inkrustierten Augen, Brauen und Brustwarzen noch gesteigert. [Ralf-Bernhard Wartke]

Last updated: 07.07.2026

Contact

Institution:

Vorderasiatisches Museum

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Im Verlauf der Arbeiten entlang der Ziegelmauer um das Heiligtum Eanna in Uruk stießen die Ausgräber auf einen Mauerwinkel, in dem unvermutet Reste eines kleinen Tempels zutage traten. Der rechteckige Bau mit kleinem Vorhof und größerer Cella hatte die Maße von etwa 22,5 zu 17,5 Metern, besaß stark betonte Gebäudeecken und war an den Außenwänden mit einer Nischenfassade versehen. In unmittelbarer Umgebung fanden sich Reste vieler Formziegel, deren erkennbare Einbindung ins Mauerwerk sie als Zierstücke der Außenwand auswies. Beim Zusammenfügen ergab sich so eine Art nischenartig gegliederte Blendfassade, deren vorspringende Teile mit halbrunden Symbolen und geschlängelten Bändern verziert waren, während in den Nischen Figuren gestanden hatten. Einer der Ziegel gab inschriftliche Auskunft über den Bauherrn. Ein König Kara-indasch hatte den Tempel für die Göttin Inanna von Uruk errichten lassen. Überlieferte Königslisten gestatten die Datierung des Bauwerks um das Jahr 1413 v. Chr. Kara-indasch gehörte zur Dynastie eines „Kassiten“ genannten Bergvolkes, das damals über Babylonien herrschte, aber weitgehend assimiliert wurde und die babylonischen Traditionen aktiv fortführte. Ein Ausdruck dieses Traditionswillens ist letztlich auch der hier beschriebene Tempel, der der schon seit dem Beginn des 3. Jahrtausends v. Chr. verehrten Göttin geweiht war. Die eine Berglandschaft wiedergebenden gerundeten Symbole an der Wand und auf den Gewändern der Figuren weisen noch auf die Herkunft der Dynastie hin. Die Figuren selbst, durch Hörnerkronen als Götter kenntlich, stehen ganz in mesopotamischer Tradition. Es sind abwechselnd nicht namentlich bekannte weibliche und männliche Götter, deren Hände Wasserflaschen halten, aus denen belebendes Nass in Strömen zur Erde fließt. Der groben Struktur der Ziegel angemessen, erscheint die Darstellung der Götter schematisch und vereinfacht. Das Wesentliche des Ausdrucks einer göttlichen Gewalt ist aber erfasst und erstaunlich gut in den Proportionen mit den Erfordernissen der Fugentrennung in Einklang gebracht. Kappe, Gesicht, Schultern und Arme werden durch die Fugen nicht gestört. Andere Details, wie der Fluss der Haare, sind kaum beeinträchtigt. Bemerkenswert ist die Verbindung des der Flasche entströmenden Wassers beim Übergang von der Halbplastik zur Fläche der Wand. Es wird deutlich, dass der Ausführung eine wohldurchdachte Modellplanung zugrunde lag. Wandverzierungen mit Formziegeln sind seit altbabylonischer Zeit nachweisbar. In figürlicher Gestaltung, wie überhaupt in Verbindung mit der Bauform des Tempels, ist dieses Architekturbeispiel jedoch in Vorderasien bisher der früheste Beleg. [Joachim Marzahn]