Logo

Statuette des Ur-ningirsu von Lagaš

Ident. Nr.: VA 08790

ObjID: obj:1744284

Details (expert)

Dating
um 2120 vor Christus
Periode: Ur III-Zeit
Material / Technique
Stein-Diorit
Dimensions
Höhe: 18 cm
Breite: 12,5 cm
Tiefe: 7,5 cm
Gewicht: 1,85 kg

Object Description

Die Identität der kleinformatigen Figur eines bärtigen Mannes ist durch die Keilinschrift auf ihrem Rücken gesichert: „Für Gott Ningizzida, seinen Gott, von Ur-ningirsu gestiftet, dem Priesterfürsten von Lagasch, Sohn des Gudea, des Priesterfürsten von Lagasch“. Aus dem Text geht hervor, dass der Herrscher selbst sein Abbild dem Tempel geweiht hat – in beständiger Verehrung des Ningizzida, einer sumerischen Gottheit mit chthonischen Aspekten (er ist Gott der Unterwelt und zugleich einer der Bewacher des Himmelstores).

Erhalten ist von der Statuette nur der Oberkörper, Nase und der Mund inmitten des langen Vollbartes scheinen wie mit Absicht beschädigt worden zu sein. Der Herrscher trägt ein glattes Gewand mit verzierter Borte, die rechte Schulter ist frei. Die ineinander gelegten Hände zeigen Ur-ningirsu im Betergestus.

Die Formensprache der Statuette entspricht jener der neusumerischen Rundplastik. Dazu zählen einerseits das volle Haar in seiner klischeehaften Auflösung in Einzellocken, die kräftigen Brauen mit gestrichelter Binnengliederung und die schematischen Gewandfalten sowie andererseits das lebendig modellierte Gesicht und die sanft gerundeten Körperpartien. Durch eine sorgfältige Oberflächenpolitur des harten Steins, die Lichteffekte erzeugt, wird die Plastizität der Statuette noch gesteigert. [Ralf B. Wartke]

Last updated: 07.07.2026

Contact

Institution:

Vorderasiatisches Museum

Additional items from the collections

Fassade des Innin-Tempels des Karaindasch (Ausschnitt)

Fassade des Innin-Tempels des Karaindasch (Ausschnitt)

Im Verlauf der Arbeiten entlang der Ziegelmauer um das Heiligtum Eanna in Uruk stießen die Ausgräber auf einen Mauerwinkel, in dem unvermutet Reste eines kleinen Tempels zutage traten. Der rechteckige Bau mit kleinem Vorhof und größerer Cella hatte die Maße von etwa 22,5 zu 17,5 Metern, besaß stark betonte Gebäudeecken und war an den Außenwänden mit einer Nischenfassade versehen. In unmittelbarer Umgebung fanden sich Reste vieler Formziegel, deren erkennbare Einbindung ins Mauerwerk sie als Zierstücke der Außenwand auswies. Beim Zusammenfügen ergab sich so eine Art nischenartig gegliederte Blendfassade, deren vorspringende Teile mit halbrunden Symbolen und geschlängelten Bändern verziert waren, während in den Nischen Figuren gestanden hatten. Einer der Ziegel gab inschriftliche Auskunft über den Bauherrn. Ein König Kara-indasch hatte den Tempel für die Göttin Inanna von Uruk errichten lassen. Überlieferte Königslisten gestatten die Datierung des Bauwerks um das Jahr 1413 v. Chr. Kara-indasch gehörte zur Dynastie eines „Kassiten“ genannten Bergvolkes, das damals über Babylonien herrschte, aber weitgehend assimiliert wurde und die babylonischen Traditionen aktiv fortführte. Ein Ausdruck dieses Traditionswillens ist letztlich auch der hier beschriebene Tempel, der der schon seit dem Beginn des 3. Jahrtausends v. Chr. verehrten Göttin geweiht war. Die eine Berglandschaft wiedergebenden gerundeten Symbole an der Wand und auf den Gewändern der Figuren weisen noch auf die Herkunft der Dynastie hin. Die Figuren selbst, durch Hörnerkronen als Götter kenntlich, stehen ganz in mesopotamischer Tradition. Es sind abwechselnd nicht namentlich bekannte weibliche und männliche Götter, deren Hände Wasserflaschen halten, aus denen belebendes Nass in Strömen zur Erde fließt. Der groben Struktur der Ziegel angemessen, erscheint die Darstellung der Götter schematisch und vereinfacht. Das Wesentliche des Ausdrucks einer göttlichen Gewalt ist aber erfasst und erstaunlich gut in den Proportionen mit den Erfordernissen der Fugentrennung in Einklang gebracht. Kappe, Gesicht, Schultern und Arme werden durch die Fugen nicht gestört. Andere Details, wie der Fluss der Haare, sind kaum beeinträchtigt. Bemerkenswert ist die Verbindung des der Flasche entströmenden Wassers beim Übergang von der Halbplastik zur Fläche der Wand. Es wird deutlich, dass der Ausführung eine wohldurchdachte Modellplanung zugrunde lag. Wandverzierungen mit Formziegeln sind seit altbabylonischer Zeit nachweisbar. In figürlicher Gestaltung, wie überhaupt in Verbindung mit der Bauform des Tempels, ist dieses Architekturbeispiel jedoch in Vorderasien bisher der früheste Beleg. [Joachim Marzahn]