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Heiliger Nikolaus und 12 Szenen aus seinem Leben

Ident. Nr.: 1/60

ObjID: obj:1792469

Details (expert)

Date(s)
verbale Datierung: 18. Jahrhundert
Geographical references
Material / Technique
Temperamalerei auf Holz
Dimensions
Höhe x Breite x Tiefe: 53,5 x 42,5 x 5,3 cm

Object Description

In dem Mittelfeld ist der berühmte heilige Nikolaus porträtiert, welcher als Beschützer der Seefahrer und Kaufleute, der Gefangenen und als Helfer in der Not verehrt wird. Der Bischof - auf der Ikone durch eine Beischrift als „St. Nikolaus der Wundertätige“ beschrieben - hält eine offenes Buch mit dem Text „In jener Zeit blieb Jesus an einem ebenen Platz stehen mit einer großen Schar seiner Jünger“ (Luk. 6, 17). Dies ist der Anfang des Berichts über die Bergpredigt Jesu, deren Verse in den Festliturgien zu Ehren des Nikolaus einen bedeutenden Platz einnehmen.

Die das Portrait umrahmenden kleinen Bilder erzählen Szenen aus dem Leben des Heiligen. In der oberen Reihe sind die Geburt, die Taufe, die Heilung einer gelähmten Frau und die Übergabe des jungen Nikolaus an einen Lehrer abgebildet. In der Reihe darunter sind zwei Darstellungen seiner Bischofsweihe zu erkennen, gefolgt von vier Wundern. Als erstes wird die bekannte Geschichte der drei Jungfrauen erzählt, die aufgrund von großer Armut als Prostituierte arbeiten sollten. Die Mädchen wurden vor der Schande bewahrt, da der heilige Nikolaus des Nachts drei Goldstücke durch ihr Fenster warf. Die zweite Legende, auf die das nächste Bild verweist, berichtet von der Milde des Heiligen. Ein altes Ehepaar, welches in Armut geraten war, musste seinen Teppich, der ihnen ans Herz gewachsen war, verkaufen. Nikolaus kaufte ihn für viel Geld dem Mann auf dem Markt ab und schenkte ihn dann der Frau zurück. In der letzten Reihe folgen die Errettung eines Bischofs aus dem Meer und die Rückgabe eines entführten Kindes sowie der Tod und die Beisetzung des Nikolaus.

Die Ikone befindet sich als Dauerleihgabe im Ikonenmuseum der Stadt Frankfurt am Main.

(Lilli Keiner, 2020)

Last updated: 11.09.2026

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Institution:

Skulpturensammlung und Museum für Byzantinische Kunst

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Mittelteil einer Tunika

Mittelteil einer Tunika

Bei dem Fragment handelt es sich um das Mittelstück des Vorder- oder Rückenteils einer in Form gewebten roten Wolltunika. Die ursprüngliche Länge des Halsschlitzes der Tunika, deren obere Kante heute zerstört ist, entsprach dem Abstand zwischen den beiden clavi. Er fällt mit 14,5 cm äußerst gering aus, weshalb das Fragment nur von einer Kindertunika stammen kann. Die erhaltene Gesamtlänge muss ziemlich genau mit der Originallänge der Tunika übereinstimmen.Das Tunikafragment ist mit zwei senkrechten Streifen verziert, die in der mittleren Bahn auf bräunlichem Grund eine Reihe stilisierter Löwen aus hellem Wollgarn mit bräunlichen Binnenzeichnungen und roten Zungen in aufgelösten, nur noch durch sporadische gekrümmte Linien angedeuteten Medaillons zeigen. Die Löwen sind um 90 Grad zur Leserichtung nach rechts versetzt wiedergegeben und bewegen sich nach oben zur Schulterpartie der Tunika hin. Die Mittelbahn ist beidseitig durch den so genannten „laufenden Hund“ (siehe Inv.9104) eingefasst. Ein schlichter bräunlicher Streifen grenzt direkt außen an den rechten clavus. Links ist er nicht bewahrt. Die Partie unter dem Halsschlitz zwischen den beiden clavi zeigt drei helle menschliche Figuren mit nach oben gestreckten Armen und überkreuzten Beinen. Diese Haltung ist insbesondere auf Textilien typisch für die Darstellung von Tänzern. Solche Tänzer wurden oftmals in der Brust- und Nackenpartie von Tuniken unter Arkaden bzw. zwischen Säulen oder Blattstäben stehend wiedergegeben. Hier ist dieses Motiv variiert oder auch missverstanden worden, denn die Köpfe der Tänzer hängen an kurzen, mit einem S-förmigen Motiv verzierten Säulen. Um den Hals tragen sie eine Kette mit Amulett (bulla). Etwa in Hüfthöhe ist zwischen die Figuren eine bräunliche Sternrosette in einem hellen Kreis als Füllmotiv eingefügt worden.Tuniken aus Wolle mit einem direkt in das Grundgewebe eingewirkten Dekor aus tanzenden Figuren im Brust- oder Nackenbereich und gereihten figürlichen und pflanzlichen, oftmals von Medaillons oder Ranken gefassten Motiven in den clavi sind mehrfach erhalten. Sie bilden eine spezielle Gruppe, die vielleicht typisch für eine bestimmte Region oder Werkstatt war. Obschon die meisten Tuniken unvollständig sind, lassen sich einige technische Besonderheiten, die allen Stücken gemeinsam sind, beobachten: Zum einen wurden die Schussfäden des Grundgewebes im Brust- und Nackenbereich nicht weitergeführt, sondern kehrten unterhalb der Bildzone um. Dadurch entstand zwischen dem gewirkten Bildfeld und dem Grundgewebe ein Schlitz, der nachträglich durch einen separaten Faden in der gleichen Farbe wie das Grundgewebe geschlossen wurde. Zum anderen fällt auf, dass die Motive in den clavi immer um 90 Grad zur Leserichtung liegen, entweder in beiden clavi übereinstimmend nach links oder nach rechts, aber so gut wie nie spiegelbildlich zueinander. Bei näherer Betrachtung ist auch festzustellen, dass die beiden clavi nie genau gleich ausgeführt sind. Oft stimmt die Anzahl der Motive nicht überein; zudem sind die Figuren in einem der clavi – in diesem Fall im rechten – in der Regel etwas detailreicher und sorgfältiger ausgeführt als im anderen. Dies könnten Indizien dafür sein, auf welcher Seite der Tunika der Weber seine Arbeit begann. Bei dem vorliegenden Fragment war es vermutlich die rechte, die beim Weben waagerecht vor ihm lag. Die Löwen wären dann allerdings entgegen der Leserichtung eingearbeitet worden.Die Kombination aus Tänzern in den horizontalen Bruststreifen und laufenden Vierbeinern in den clavi ist nicht ungewöhnlich. Sie findet sich auf einer Vielzahl von Leinentuniken wieder, in die der Dekor in purpurfarbener Wolle eingewirkt wurde. Meist sind die Figuren hier natürlicher und detailreicher wiedergegeben als in den gröberen Wolltuniken. Diese Stilkriterien sind kein Indiz für eine frühere Entstehungszeit. Vielmehr hängt das unterschiedliche Erscheinungsbild von Material und Stärke der verwendeten Garne und nicht zuletzt von der Kunstfertigkeit des Wirkers ab.Veröffentlichung: C. Fluck / K. Finneiser, Kindheit am Nil, Berlin 2009, S. 20-21, Nr. 5(Cäcilia Fluck 2017)

Kindertunika

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Die vollständig erhaltene Kindertunika besteht aus einem einzigen Gewebestück aus ungefärbtem Leinen. Sie wurde, wie die meisten Tuniken aus dem spätantiken bis früh-islamzeitlichen Ägypten, quer gewebt, das heißt, der Weber oder die Weberin begann und endete mit den Ärmeln. Vorder- und Rückenteil mit den typischen parallelen Zierstreifen (clavi) lagen folglich bei der Herstellung horizontal auf dem Webstuhl, der Halsschlitz dagegen senkrecht. Für die Herstellung dieser Kindertunika war eine Webstuhlbreite von mindestens 131 cm erforderlich, was der doppelten Länge der Tunika entspricht. Alle Dekorelemente, die Ärmelstreifen, die beiden clavi sowie die Hals- und Nackenborte, sind direkt in das Grundgewebe eingewirkt worden. Die farbigen Wollfäden sind in den Ärmelstreifen völlig und in den übrigen Wirkereien zum Teil ausgefallen. Auch der Halsschlitz in der Mitte des Gewebes entstand bereits während des Webvorgangs. In diesem Bereich kehrten die Schussfäden beidseitig um, wodurch man einen geraden Spalt erhielt. Die fertig gewebte Tunika hatte die Form eines großen Kreuzes. Nach der Abnahme vom Webstuhl musste sie um 90 Grad gedreht und in der Horizontalachse gefaltet werden. Die Seiten und Ärmel waren ursprünglich bis auf einen Bewegungsschlitz unter den Achseln geschlossen. Heute sind die Nähte gelöst, Spuren von Einstichlöchern und Nähgarnreste sind noch erkennbar. Die Ärmel wurden zum Handgelenk hin etwas schmaler. Dafür schlug man die Längsseiten schräg nach innen ein. Eine kleine Stopfstelle in der Mitte des Vorder- bzw. Rückenteils beweist, dass Kleidung mit großer Sorgfalt behandelt wurde, so dass sie lange getragen werden konnte.Die clavi und Ärmelstreifen sind mit jeweils einer Reihe herzförmiger roter Blätter in heller Umrandung auf grünem Grund verziert. Jede Reihe endet mit länglichen halben Ovalen. In den Zwickeln sind kleine rote Punkte zu erkennen. Die herzförmigen Blätter kehren im doppelten Zierstreifen an der Halsöffnung, diesmal jedoch liegend, wieder. Darunter setzt eine Bogenreihe an. Die Flächen zwischen den Säulen mit verdickten Enden als Basis sind mit roten, dunkelvioletten und gelben gestielten Blättern mit heller Binnenzeichnung gefüllt.Ein wellenförmiges Randmotiv, das gemeinhin als „laufender Hund“ bezeichnet wird, verläuft zu beiden Seiten der clavi und Ärmelstreifen sowie an der oberen Kante der Zierstreifen an der Halsöffnung. Diese Kante ist zusätzlich mit einer geflochtenen, rot-weißen Schnur eingefasst.Veröffentlichung: C. Fluck / K. Finneiser, Kindheit am Nil, Berlin 2009, S. 12-13, Nr. 1(Cäcilia Fluck 2017)

Reliefplatte mit dem Heiligen Symeon

Reliefplatte mit dem Heiligen Symeon

Das Relief ist aus Basalt, einem sehr harten vulkanischen Gestein. Weil es so schwer zu bearbeiten ist, ist das Relief nur ganz flach ausgeführt.Die Darstellung ist in einem modern anmutenden, fast Comic-artigen Stil gehalten. Rechts steht eine Säule auf einem Stufensockel. Auf der Säule erscheint ein bärtiger Mann, von dem nur der Oberkörper sichtbar ist. Der Unterkörper wird von einer Brüstung verdeckt, deren Oberkante durch eine dünne Linie angedeutet wird. Ein fliegender Vogel hält einen kleinen Kranz über ihn. An die Säule ist eine Leiter gelehnt, die ein zweiter Mann hinaufgestiegen ist. In seiner rechten Hand hält er ein Weihrauchgefäß. Es hat die Form eines Kelches und ist an einer Kette aufgehängt. Beide Männer tragen jeweils ein typisches Mönchsgewand. Es hat die Form eines langen, gegürteten Hemdes. Über den Kopf ist eine Kapuze gelegt, die mit einem Kreuz geschmückt ist.Der Mann auf der Säule stellt einen christlichen Heiligen, den syrischen Asketen Symeon d. Ä. (um 390-459) dar. Die historisch bezeugte Gestalt lebte zuerst als Mönch in einem Kloster im nordsyrischen Kalksteinmassiv nordöstlich von Aleppo. Als junger Mann zog sich Symeon auf einen Felsen zurück und widmete sich der Verehrung Gottes. Später wurde dort eine Säule errichtet, auf der er lebte, die Säule wurde mehrmals erhöht. Zuletzt war sie 17 bis 20 Meter hoch. 42 Jahre soll Symeon ununterbrochen auf dieser Säule zugebracht haben. Weil Symeon als heilig und weise galt, kamen bald große Mengen von Pilgern herbei, zu denen Symeon mehrmals täglich predigte und ihnen Ratschläge gab. Auch nach seinem Tod reisten zahlreiche Pilger zu der Säule, um dort zu dem Heiligen zu beten. Sie nahmen von dem Pilgerort Andenken mit, an deren heilkräftige Wirkung sie glaubten. Um den Standort der Säule herum wurde das große Pilgerheiligtum Qal’at Sim’an mit einer christlichen Kirche, einem Baptisterium und Pilgerwohnungen errichtet, um den Pilgern Platz und einen Raum für Gottesdienste zu bieten. Weihrauch wurde bei christlichen Gottesdiensten verwendet. Der Mönch auf der Leiter mit dem Weihrauchgefäß könnte auf Gottesdienste im Symeons-Heiligtum hinweisen.Symeon war nicht der einzige christliche Mönch, der ein Leben auf einer Säule führte, aber einer der frühesten und der berühmteste. Diese Mönche werden Säulensteher oder Styliten genannt, nach dem griechischen Wort „stylos“ für Säule. Sie stellten sich auf Säulen, um sich von dem als sündig angesehenen Alltagsleben zu entfernen und sich ganz Gott zu widmen.Das Relief war möglicherweise an der Fassade einer frühchristlichen Kirche im syrischen Kalksteingebiet eingelassen. Solche Reliefs sind von anderen Kirchen in dieser Gegend bekannt. Zeitlich und stilistisch vergleichbare Darstellungen befinden sich im Museum von Damaskus und im Louvre zu Paris.GM