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Kästchen mit Szenen aus dem Leben Jesu

Ident. Nr.: F 706

ObjID: obj:1819229

Details (expert)

Dating
Mitte 14. Jahrhundert
Dimensions
Objektmaß: 6 x 11,1 x 8,5 cm

Object Description

Das Bildprogramm des Kästchens umfasst Szenen aus dem Leben Jesu. Auf dem Deckel erscheinen unter spitzbogigen Arkaden mit Wimpergen von links nach rechts die Verkündigung an Maria, die Heimsuchung, die Geburt Christi und die Verkündigung an die Hirten. An der Frontseite ist in vier Feldern die Anbetung der Heiligen Drei Könige dargestellt. Links hält ein Knecht ihre drei Pferde, in den beiden mittleren Feldern, in denen oben der Schlosskasten angebracht ist und die daher als einzige keine Arkaden aufweisen, erscheinen die Heiligen Drei Könige mit ihren Gaben, rechts davon thront, ihnen zugewandt, Maria mit dem Jesusknaben, der auf ihrem rechten Knie steht. An der rechten Schmalseite sind zwei Szenen dargestellt: Maria und Josef gehen zum Reinigungsopfer sowie die Darstellung Christi im Tempel. An der Rückseite erscheinen auf jeweils zwei Felder aufgeteilt der Verrat des Judas, der die Silberlinge entgegennimmt, sowie die Geißelung Christi. An der linken Schmalseite ist die Kreuztragung Christi zu sehen, ihm voran schreiten im rechten Feld zwei Henker mit Marterwerkzeugen (Hammer und drei Nägel).
Die Platten der Schmalseiten sind in seitliche Falze der Front- und Rückseite eingelegt. Die Bodenplatte besitzt an ihrer Schmalseite Falze, über denen die Seitenwände stehen, während ihre Längsseiten in den unteren Falzen der Front- und Rückseite ruhen. Der Deckel schlägt stumpf auf die Oberkanten des Korpus. Die diese Plattenkonstruktion verbindenden Beschläge mit Rosettendekor zwischen den Kantenprofilen sind durch vergoldete Silberniete mit dem Elfenbein verbunden, von denen einige später durch eiserne Exemplare ersetzt worden sind. Spuren von Polychromie sind nicht vorhanden.
Alle fünf Reliefplatten sind vollständig erhalten. An der Rückseite befinden sich in den Randbereichen links unten und rechts oben Brüche im Material, die in Folge mechanischer Belastung durch die Beschläge entstanden. Einzelne ungenutzte Bohrungen für die Befestigung von Beschlägen an allen vier Seitenplatten zeugen von einer Umdisposition oder nachträglichen Veränderung der Montage der Eckbeschläge. LL

Last updated: 16.03.2026

Contact

Institution:

Kunstgewerbemuseum

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Konfektschale auf drei Schildhaltern mit Hirsch im Gehege aus dem Lüneburger Ratssilber

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Fußgestell, Zinnenring (an der Schale) und Figuren gegossen. Fußgestell außen, Schilde, Schalenrand, Fond, Kranz, Sockelmitte mit Zaun und Hirsch vergoldet, der Hügel mit Resten grünen, transluziden Emails. Tragefiguren durch einen Zinnenring verbunden, der an eine Manschette gelötet ist. Auf dieser sitzt die Schale, gehalten von einem Zungenkranz. - Eine Frucht im aufgelegten Blattkranz der Schale und Geweih des Hirsches verloren.Das Gerät lehnt sich im Aufbau an die Evangelisten- und die Kirchenväterschale (Inv. Nr. 1874, 394 und 1874, 393) an. Die tragenden Schildhalter sind nach einem Modell gegossen. Im Fond der tiefen Schale getriebenes Geäst mit Blättern und Früchten (Feigen?). Im Zentrum ein Hügel mit liegendem Hirsch, umgeben von einem Flechtzaun mit überdachtem Tor und Vorhängeschloß. Aufgelegt ein Kranz aus Blättern und Früchten und vier Wappen.Eines der Wappen dürfte das des Besitzers sein, des Ratsherren Johannes junior von dem Lohe, der 1468 Sülfmeister und 1480 Kämmerer wurde (gest. 1482). Das zweite Wappen von dem Lohe verweist im Verein mit dem der Godenstede auf die Eltern, Johannes von dem Lohe (gest. 1471) und dessen erste Frau Gesche von Godenstede, das vierte Wappen ist das der Großmutter mütterlicherseits Tibbecke von Töbing, die seit 1466 Witwe war. Wie die Kämmereirechnungen verzeichnen, kam die Schale 1482 aus dem Nachlaß des Johannes von dem Lohe auf das Rathaus: "Hr. Johan vam lo 129m 9s hyrto noch syne beste suluere schale de quam vpp dat Radthus vnd wogh." Kurz wird sie im Inventar von 1555/56 erwähnt: "Ein grote sulueren schale her Johan van Loess."

Les Iris ("Toutes les âmes sont prêtes...")

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"Je nach Lichteinfall entwickelt die Vase ganz unterschiedliche Farbwirkungen, die von glühendem Orange-Rot über tiefdunkles Violett bis hin zu bernsteinfarbenen Brauntönen reichen. Iris- bzw. Schwertlilienpflanzen überziehen in asymmetrischer, lockerer Reihung die gesamte Wandung. In einem aufwändigen Verfahren wurden verschiedene Farbglasschichten in warmem Zustand überfangen und nach dem Erkalten des Glases partienweise, in unterschiedlicher Stärke, ausgeschliffen, so dass die jeweils darunterliegende Farbschicht durchscheint. Erst auf den zweiten Blick zu erkennen ist die feine Gravur auf der Vasenschulter, die sich umlaufend zwischen Blätter und Blüten verteilt. Sie gibt ein Zitat des belgischen Dichters Maurice Maeterlinck (1862–1949) wieder, einem prominenten Vertreter des Symbolismus: „Toutes les âmes sont prêtes, il faut cependant [que] l’une d’elles commence, pourquoi ne pas oser, être l’une qui commence“. Die genaue Botschaft bleibt rätselhaft und der Empfänglichkeit der Betrachter überlassen. Ist unsere Seele die eine bereite Seele, die es wagt zu beginnen?Schöpfer der Vase war Émile Gallé (1846–1904). Mit seinen „vases parlants“, den sprechenden Vasen, verstand er es virtuos, Naturmotive in der Materialsprache des Glases auszudrücken und symbolisch zu überhöhen. Inspirieren ließ er sich dabei von sino-japanischen Vorbildern, darunter chinesischen Glasvasen, von denen sich Beispiele im Berliner Kunstgewerbemuseum befanden. 1885 war Gallé eigens nach Berlin gekommen, um zwei Wochen lang die damals gerade neu erworbenen chinesischen Gläser aus der Sammlung des preußischen Diplomaten Max von Brandt im Kunstgewerbemuseum zu studieren." (Claudia Kanowski, in: Details! 100 Lieblingswerke im Kunstgewerbemuseum, Dresden, Berlin 2018, S. 180f.)ClKa