Logo

Grubenschmelzplatte mit Halbfigur eines Engels

Ident. Nr.: O-1973,186

ObjID: obj:1830372

Details (expert)

Dating
um 1170
Geographical references
Material / Technique
Grubenschmelz auf Kupfer, vergoldet
Dimensions
Objektmaß: 5 x 5,6 x 0,9 cm

Object Description

Die ungewöhnlich hoch gestelzte Grubenschmelzplatte in Form eines Vierteilkreis-Segments bildete den linken oberen Eckbeschlag eines größeren Werkes. Sie entspricht in ihrer Gestalt ebenso wie in der Art der Darstellung des Engels mit den mehrfarbig ausgeschmolzenen Gruben sehr genau den Eckbeschlägen an den Dachflächen des Heribertschreins in St. Heribert in Köln-Deutz. Die Annahme der Herkunft von diesem herausragenden Zeugnis romanischer Grubenschmelzkunst lag auch deshalb nahe, weil bei einer umfassenden Wiederherstellung des Schreins um 1858 einzelne Emails ersetzt worden waren. Allein die linke obere Ecke der sog. Paulusseite des Heribertschreins wäre als der ursprüngliche Platz der Berliner Platte in Betracht gekommen. Eine gründliche Überprüfung während der Restaurierungsarbeiten am Deutzer Schrein 1992 hat jedoch ergeben, dass der Eckbeschlag nicht vom Heribertschrein stammen kann. Es darf also vermutet werden, dass er von einem anderen Schrein ähnlicher Gestalt und Ausstattung aus der gleichen Werkstatt stammt.
Auch wenn bei den großen Reliquienschreinen als den wichtigsten Heiltümern ihrer Kirchen nicht mit gleich hohen Verlustraten wie bei anderen sakralen Gerätschaften zu rechnen ist – wo der Anteil des bis heute erhaltenen wohl nur noch im Promille-Bereich liegt – so wissen wir doch durch schriftliche Quellen von der einstigen Existenz zahlreicher weiterer Schreine in Köln.
Stilistisch vertreten die Grubenschmelze am Heribertschrein und der Berliner Engel eine unter maasländischem Einfluss stehende Richtung der Kölner Emailkunst. Zu deren Eigenheiten zählt die ausgeprägte Hinwendung zu figürlichen Darstellungen, während andere Kölner Werkstätten eher ornamentale Grubenschmelze bevorzugten. LL

Last updated: 15.12.2025

Contact

Institution:

Kunstgewerbemuseum

Additional items from the collections

Rote Kasel mit den Wappen des Erzbischofs Albrecht von Brandenburg (1490-1545)

Rote Kasel mit den Wappen des Erzbischofs Albrecht von Brandenburg (1490-1545)

Die Kasel im Zuschnitt des 18. Jahrhunderts mit rundem Halsausschnitt und Schlitz ist aus rotem, broschiertem Seidendamast gefertigt und mit nicht zusammengehörigen Besätzen, einem Stab auf der Vorderseite und einem Kreuz auf der Rückseite, geschmückt. Im Zuge der Anpassung an die Form des 18. Jahrhunderts ist die Kasel gekürzt und ringsum mit einer schmalen gelben Seidenborte eingefasst worden. Eine etwas breitere, ähnliche Borte dient als Einfassung von Kreuz und Stab. Zwei unter den Kreuzarmen applizierte runde Wappenschilde weisen die Kasel als eine Stiftung Albrechts von Brandenburg aus. Die Wappen: In einem Kranz aus ineinander geschlungenen Ranken sind rechts die Wappen von Brandenburg (roter Adler), Stettin (roter Greif) und Zollern( Schwarz/Silber geviert) vereint. Die linke Wappenkombination verweist auf die geistlichen Herrschaften des Erzbischofs: Mainz (sechsspeichiges Rad), Magdeburg (Rot/Silber quergeteilt) und Halberstadt (Rot/Silber längsgespalten). Ein Samtbehang im Domschatz von Halberstadt zeigt ebenfalls runde, von Ranken gerahmte Wappen, allerdings steht hier bei den Wappen der geistlichen Herrschaften jenes von Halberstadft an erster Stelle. Dies belegt, dass dieser Behang eine Stiftung Albrechts an Halberstadt war. In Berlin hingegen besetzt das Mainzer Rad die erste Stelle, wodurch die Stiftung für Mainz gesichert ist. Albrecht von Brandenburg war seit 1513 Erzbischof von Magdeburg sowie Administrator des Bistums von Halberstadt und ab 1514 Erzbischof und Kurfürst von Mainz. 1518 erfolgte die Erhebung Albrechts zum Kardinal. Ab diesem Zeitpunkt wurden seine Wappen mit dem Kardinalshut versehen. Dieser fehlt auf unserer Kasel. So dürfen wir annehmen, dass die Stiftung der Kasel zwischen 1514 und 1518 erfolgt. Das Gewebe:Das Muster des prunkvollen Seidengewebes zeigt siebenfach geschweifte Rosetten, darin Granatapfelmotive in einem Blatt- und Blütenkranz. Jede Rosette ist mit Blüten besetzt und wird von einer dreifachen Granatapfelblüte bekrönt. Kielbögen aus abgetreppten Ranken stellen die Verbindung zur darüber angeordneten Rosette her. Zwischen den Kielbögen sitzen Varianten der Granatapfelmotive. Alte Knicke, Brüche und die gestückelte Vorderseite belegen, dass der Damast in Zweitverwendung verarbeitet wurde.Kaselkreuz:Das in der Länge beschnittene Kaselkreuz auf der Rückseite zeigt vor goldfarbenem Grund Christus am Kreuz mit den Trauernden Maria, Johannes Evangelista und darunter Maria Magdalena, die den Kreuzstamm umarmt. Über dem Kruzifixus schwebt in einem Wolkenband segnend Gottvater mit einer Weltkugel, in den Kreuzbalken die Apostel Petrus und Paulus mit ihren Attributen. Der bis nach unten durchgeführte Stamm verbindet die Kreuzigungsszene mit der Darstellung der trauernden Maria Magdalena. Kaselkreuze mit nahezu identischer Ikonographie, doch unterschiedlicher stilistischer und materieller Ausführung sind zahlreich erhalten und bezeugen die weite Verbreitung dieses Typus vom Mittelrhein bis nach Mittel- und Süddeutschland. Kaselstab:Der Stab zeigt in Spiralsonnenrahmen zwei untereinander angeordnete männliche Heilige. Ihre hochrechteckige Form lässt vermuten, dass es sich um ehemalige Besätze eines Chormantels handelt, die durch die Spiralsonnen zur passenden Breite ergänzt wurden. Die Figuren wurden direkt auf den Leinengrund gestickt, ihr schlechter Erhaltungszustand erlaubt keine Zuordnung. Ein schmales rotes Seidenbändchen trennt die Darstellungen. Beide Heilige stehen auf Rasenstücken sowie drei ovalen, grünen Blättern, die die Standfläche hervorheben. Ähnliche goldgerahmte Spitzblätter vor ehemals rotem Fond umgeben den unteren Heiligen, während der obere Heilige von Ranken mit fünfblättrigen Rosenblüten hinter fangen wird.Provenienz:Die Kasel wurde vor 1888 auf Anordnung des Kronprinzen Friedrich III aus der katholischen Kirche zu Weinolsheim, Rheinhessen für das Hohenzollernmuseum in Berlin erworben. Ehemals zugehörig waren: Stola, Manipel, Velum und Bursa. Einzig das Velum ist heute noch erhalten, alle anderen Teile müssen als Kriegsverlust gewertet werden. CWVeröffentlicht in: Kreuzwege. Die Hohenzollern und die Konfessionen 1517-1740. Ausstellungskatalog Berlin 2017. Hrsg: Mathis Leibetseder.