Logo

Tafelförmiger Tragaltar aus dem Welfenschatz

Ident. Nr.: W 27

ObjID: obj:1839287

Details (expert)

Date(s)
12. Jahrhundert (?)
Dimensions
Objektmaß: 3 x 27,1 x 22,5 cm

Object Description

Der an seiner Oberfläche nur wenig geglättete Altarstein ist in eine schlichte Tafel aus Zedernholz eingelegt. Ein Metallbeschlag war niemals vorhanden. Sowohl die exotische Holzart als auch die Aufschrift „De petra super qua(m) natus est xpx“ (Vom Fels, über dem Christus geboren ist) an einer der langen Kanten lassen vermuten, dass der Tragaltar in Palästina (Bethlehem) entstanden sein könnte. Der mit Tinte aufgebrachte Text hat unterschiedliche paläographische Bewertungen erfahren, zuletzt ist er als „frühgotische Buchschrift“ angesprochen worden. Das vollkommen schmucklose Portatile zeigt keine mit stilkritischen Mitteln datierbaren Formen. Da die Holztafel nachträglich an beiden Schmalseiten beschnitten worden ist, ergeben sich aus den jetzigen Proportionen auch keine morphologischen Hinweise die Entstehungszeit des Werkes. Eine – wohl Erfolg versprechende – dendrochronologische Untersuchung ist bislang noch nicht erfolgt.
Die traditionelle Datierung des Tragaltars in das 12. Jahrhundert beruht vor allem auf der hypothetischen Annahme, Heinrich der Löwe habe dieses vielleicht aus dem Braunschweiger St. Cyriakusstift in den Welfenschatz gelangte Werk 1172/73 von seiner Pilgerfahrt ins Heilige Land mitgebracht.
Der nachträglich an beiden Schmalseiten beschnittene Altar scheint in seinem Inneren kein gesondertes Sepulchrum für Reliquien zu besitzen. Es war in diesem Fall wohl entbehrlich, weil der angeblich vom Geburtsort Christi stammende Altarstein selbst als Herrenreliquie die Funktion einer Altarreliquie erfüllt. LL

Last updated: 30.07.2026

Contact

Institution:

Kunstgewerbemuseum

Additional items from the collections

Drehleierspieler

Drehleierspieler

Stehende männliche Figur auf einer Plinthe mit abgeschrägten Ecken. Der bärtige Mann trägt einen Hut, einen blauen Umhang, einen grauen Wams, dunkelrote Kniebundhosen und Schnallenschuhe. Er spielt eine Drehleier, die er mit dem linken, leicht angewinkelten Bein stützt. // Der Künstler, Georges Pull, war Naturforscher und Keramiker. Er war fasziniert von den Arbeiten des französischen Keramikers Bernard Palissy (1510-1589/90), dessen Werke sich im 19. Jahrhundert großer Beliebtheit erfreuten und auch gefälscht wurden. Pull hingegen hat die Werke Palissys nachempfunden und technisch noch übertroffen, er hat sie nicht einfach kopiert und hatte auch keine fälscherischen Absichten. Er signierte seine Keramiken mit dem Stempel "PULL", was auch bei dem Drehleierspieler der Fall ist. Die Figur ist eine vergrößerte Kopie der Statuette "joueur de vielle", die im 19. Jahrhundert als Arbeit von Palissy galt und von der sich mehrere Ausformungen im Pariser Louvre befinden. Heute gilt die Statuette als anonyme Arbeit des frühen 17. Jahrhunderts aus der Region um Fontainebleau, Paris, Avon, siehe https://collections.louvre.fr/en/ark:/53355/cl010114355Barbara Mundt schreibt in ihrem 1973 erschienenen Katalog des Berliner Kunstgewerbemuseums zum Historismus: "Pulls erklärtes Leitbild war das keramische Werk Palissys, wobei sein Interesse sich auf die Farbglasuren konzentrierte. Intensive Studien in den Sammlungen des Louvre gingen Hand in Hand mit wissenschaftlichen Experimenten. Es gelang Pull schließlich, dünnere, höher brennbare und damit härtere sowie glanzvollere Glasuren mit einer größeren Zahl von Farben hervorzubringen als sein großes Vorbild." (zu Kat. Nr. 199).ClKa